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Koblenz

Stammgäste werden der Sauna im Koblenzer Stadtbad noch lange nachtrauern

Entspannung, Gesundheit, Kommunikation: Das sind die drei Aspekte, die die Stammgäste in der Koblenzer Sauna im Stadtbad lieben. Und sie werden "ihre" Sauna sehr vermissen, wenn sie vermutlich Ende Mai schließt.

Sie ist nicht gerade ein moderner Wellnesstempel, doch für ihre Stammgäste ist die Sauna im Koblenzer Stadtbad ein lieb gewonnener Platz, noch dazu mit günstigen Preisen. Doch damit ist bald Schluss.
Sie ist nicht gerade ein moderner Wellnesstempel, doch für ihre Stammgäste ist die Sauna im Koblenzer Stadtbad ein lieb gewonnener Platz, noch dazu mit günstigen Preisen. Doch damit ist bald Schluss.
Foto: Sascha Ditscher

Von Doris Schneider und Ronja Kieffer

Der unvermeidliche Abriss des Bades ist auch für die kleine Sauna das Ende. "Wir kommen wie die meisten hier schon seit mehr als 20 Jahren regelmäßig zum Schwimmen und Saunieren ins Stadtbad", sagt ein Ehepaar aus Güls. Ihre Gründe sind – ebenso wie bei den meisten – die günstigen Eintrittspreise und die zentrale Lage, aber auch das Zusammengehörigkeitsgefühl.

"Wir haben überwiegend Stammgäste", bestätigt Ralf Alterauge, stellvertretender Leiter des Sport- und Bäderamts. Zwischen 3000 und 5000 sind es im Jahr, die für 6 Euro drei Stunden lang in den beiden finnischen Saunen oder im Dampfbad schwitzen. Der gesundheitliche Aspekt steht klar im Vordergrund, "die Leute wollen hier keinen Wellness-Tag verbringen, sondern ein paar gesunde Stunden", meint Alterauge.

Früher haben das viele mit Schwimmen kombiniert. Für 7,50 Euro konnten sie dann beides tun. In anderen Bädern in der Umgebung kostet das leicht das Doppelte, in vielen sogar erheblich mehr. Und sie sind ohne Auto nur sehr schwer zu erreichen.

Aber Schwitzen ist nicht das Einzige, sagen die Stammgäste. "Im Vorraum der Sauna wird geredet. Hier, bei mitgebrachten Butterstullen und Wasserflaschen, erfüllt die Sauna noch ihren zweiten wichtigen Aspekt der Gesundheitsförderung: die Kommunikation. Ganz ohne Alkohol werden hier die großen Befindlichkeiten sprich Fußball und Politik, und die kleinen Befindlichkeiten, sprich Familie, Garten, Urlaub oder Reifenprofil, auf den Tisch gebracht. Das reinigt die Seele", beschreibt es eine Koblenzerin. Sie fürchtet, dass all das nach der Schließung der Sauna auseinanderbricht und dann jeder vereinzelt in einem der "Wellnesstempel" im Umkreis sitzen wird.

Zum Abriss aber gibt es keine Alternative, das Gebäude ist marode. Vor genau 50 Jahren wurde der Bau begonnen, 1966 wurde das Bad in Betrieb genommen. Eine Sauna gab es damals noch nicht, stattdessen Dusch- und Wannenbäder, weil viele Familien in der Altstadt noch kein eigenes Bad hatten. Die kamen dann einmal in der Woche und badeten hier. "Als ich vor 20 Jahren hier angefangen habe, gab es das auch noch", erzählt Alterauge. In den 80er-Jahren gab es schon die erste kleine Sauna, und als die Wannenbäder nicht mehr benötigt wurden, wurden sie nach und nach ausgebaut. Vieles geschah in Eigenregie, wurde von den Mitarbeitern selbst gestrichen und dekoriert.

Doch nun ist Schluss. Bis Ende Mai soll der Betrieb noch aufrechterhalten werden, so lange wie möglich. Dann müssen die Sachen ausgeräumt und das Gebäude für den Abriss vorbereitet werden, sagt Alterauge. Möglicherweise müssen in den letzten Wochen die Öffnungszeiten schon ein bisschen reduziert werden, weil die vorbereitenden Arbeiten im Freibad beginnen. Die Stammgäste sind richtig sauer. "Wir sind traurig und empört, dass die Stadt nicht in der Lage ist, das Stadtbad aufrechtzuerhalten. Es ist eine Sauerei, dass regelmäßig Geld für diverse Kulturprojekte ausgegeben wird, aber nicht genügend für das Schwimmbad übrig ist", sagt einer. Die anderen nicken.

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