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Untermosel

Spritzhelikopter in den Weinbergen sorgen für Zoff: Anwohner kritisiert Einsatz bei Regen

Martin Boldt

Ohne den umfangreichen Einsatz von Spritzhubschraubern bei der Bekämpfung von Pilzerregern an den Weinreben geht es aus Expertensicht in den Steillagen an Mittelrhein und Mosel nicht. Viele Anwohner und auch Naturschützer sehen das großflächige Auftragen der verschiedenen Pflanzenschutzmittel allerdings deutlich kritischer, da der direkte Kontakt mit der Haut mit gesundheitlichen Risiken verbunden ist.

Ein Spritzhelikopter wie dieser war auch in der vergangenen Woche über Dieblich im Einsatz, um Fungizide auf den Weinreben aufzubringen. Weil kurz darauf Regen die Pflanzenschutzmittel in die Mosel gewaschen haben könnte, beschweren sich nun Anwohner.
Ein Spritzhelikopter wie dieser war auch in der vergangenen Woche über Dieblich im Einsatz, um Fungizide auf den Weinreben aufzubringen. Weil kurz darauf Regen die Pflanzenschutzmittel in die Mosel gewaschen haben könnte, beschweren sich nun Anwohner.
Foto: Archiv Sascha Ditscher

Ein Einsatz im Raum Dieblich Anfang vergangener Woche, kurz vor einem aufziehenden Gewitter, sorgt nun erneut für Unmut bei den Kritikern: „Die Regenfront war deutlich zu erkennen, der Hubschrauber hat trotzdem Fungizide großflächig ausgebracht“, kritisiert ein Augenzeuge. Keine zehn Minuten später, berichtet er, spülte der einsetzende Starkregen das frisch aufgetragene Mittel fort und führte zur Kontamination der Mosel über die Zuläufe der Weinberge. Dieses Vorgehen sei „ohne Rücksicht auf Flora und Fauna“, beschwert sich der Anwohner. Er wirft der zuständigen Spritzgemeinschaft einen Einsatz „ohne Sinn und Verstand“ vor und fordert eine strengere Auslegung der Sondergenehmigungen durch die zuständige Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion Trier (ADD). Seit 2012 ist das Spritzen mit Helikopter durch die EU nämlich im Regelfall verboten.

Hans-Peter Loch, Sprecher der für Dieblich, Niederfell, Lehmen und Gondorf zuständigen Spritzgemeinschaft, bestätigt, dass es an dem besagtem Tag insgesamt fünf Helikoptereinsätze durch das beauftragte Unternehmen Meravo gegeben hat. Generell sei es aber auch in seinem Interesse, dass kurz vor einem Regenguss nicht mehr gespritzt werde – schon aus ökonomischen Gründen. Betroffene Lagen müssten später erneut gespritzt werden, was dann wieder Mehrkosten für die Winzer bedeute. Auch bei Temperaturen von mehr als 24 Grad werden die Arbeiten eingestellt, erklärt Loch, da dann die Gefahr einer Verdunstung, bevor das Fungizid sein Ziel erreicht, einfach zu hoch ist. Gegenüber besorgten Bürgern beteuert er, dass die eingesetzten Stoffe spätestens nach einer halben Stunde in die Pflanzen eingezogen seien und ein Auswaschen danach im Prinzip nicht mehr möglich sei. Ginge es nach Lochs Meinung, würden alle Weinberge via Helikopter gespritzt: „Kommen Schlauchleitungen zum Einsatz, nehmen die Winzer meist mehr Schutzmittel, als sie müssten“, weiß der 65-Jährige aus Erfahrung. Das gehe noch viel stärker zulasten der Umwelt. „Bei den Helikopterspritzungen gibt es hingegen klare Mengenangaben, die versprüht werden dürfen, und an die wir uns gegenüber der ADD auch zu halten haben.“ Dass die Behörde leichtfertig mit dem Thema umgehe, sehe er nicht. Die Bürokratie sei enorm, weswegen er den Job am Ende des Jahres auch abgeben werde.

Bis zu neun Anwendungstermine genehmigt die ADD den Winzern zur Behandlung ihrer Weinberge jährlich. Gegen welche Pilzarten und mit welchen Fungiziden genau gespritzt wird, können Anwohner auf der Internetseite der Behörde einsehen. Festgelegt werden die Termine im Frühjahr, grob zwei Wochen bevor die ersten Einsätze starten. Die Genossenschaften treffen sich hierfür mit der Mittelrheinischen Rebschutz GmbH, die den Spritzplan dann der ADD meldet. „Die einzelnen Termine können aber relativ kurzfristig verlängert werden, sollte sich abzeichnen, dass die Witterung an den besagten Tagen keine Einsätze zulässt“, so Loch. Anfang Juli endet die Spritzsaison gewöhnlich. Die letzten Spritzungen für Dieblich sind am 16. und 17. Juli geplant.

Von unserem Reporter Martin Boldt

Richtiges Verhalten bei Kontakt mit den Fungiziden

In der Vergangenheit ist es immer wieder auch vorgekommen, dass Bürger aus Versehen mit den von den Helikoptern ausgebrachten Pflanzenschutzmitteln in Berührung gekommen sind.

Zuletzt war dies etwa bei drei Motorradfahrern zwischen Dieblich und Niederfell der Fall, die der Genossenschaft anschließend ihre Kleidung in Rechnung stellten. Generell rät die ADD Menschen, die mit dem Sprühnebel in Kontakt kommen, nicht in Panik zu geraten, sich aber dennoch vorsichtshalber in medizinische Behandlung zu begeben. Zudem sollte bei der jeweiligen Genossenschaft noch in Erfahrung gebracht werden, welches konkrete Mittel verwendet wurde. 

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