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    Schüler protestieren mit Sprühaktion gegen "undemokratische Schule"

    An acht Schulen in der Koblenzer Innenstadt wurden Schüler und Lehrer am Donnerstagmorgen von diesem Schriftzug begrüßt: "Mit Betreten des Schulgeländes verlassen Sie den demokratischen Sektor der Bundesrepublik Deutschland." In einer Nacht- und Nebelaktion hatten Koblenzer Mitglieder der Landesschülervertretung (LSV) Rheinland-Pfalz diesen Schriftzug mit Sprühkreide auf den Boden gesprüht. Damit wollen sie auf die ihrer Meinung nach undemokratische Zustände an den Schulen aufmerksam machen - und haben sich auch schon Ärger eingehandelt.

    Das Görres-Gymnasium ist eine von acht Koblenzer Schulen, an denen Niclas Schmarbeck (Foto) und andere Schüler ihren Protest auf den Boden gesprüht haben. Ein Direktor droht bereits mit einer Anzeige.
    Das Görres-Gymnasium ist eine von acht Koblenzer Schulen, an denen Niclas Schmarbeck (Foto) und andere Schüler ihren Protest auf den Boden gesprüht haben. Ein Direktor droht bereits mit einer Anzeige.

    "Ein Direktor möchte Anzeige erstatten", erzählt der 18-jährige Niclas Schmarbeck. Damit kann er leben: Die Resonanz aus der Schülerschaft sei positiv, und das Anliegen ist ihm und seinen Mitstreitern wichtig. Um 22 Uhr hatten sich die Schüler am Mittwochabend getroffen und waren mit Inlineskates und Tretrollern von Schule zu Schule gefahren. Zunächst sprühten sie ihren Schriftzug vor die Haupteingänge, als dann noch Farbe übrig war, in einer zweiten Runde bis 1 Uhr nachts auch vor andere Eingänge.

    In drei rheinland-pfälzischen Städten griffen Schüler zu den Sprühdosen, um eine "Schule der Mitbestimmung" zu fordern. "Dieser Tage ist es leider gang und gäbe, dass die Interessen der Schülerinnen und Schüler in der Schule kaum berücksichtigt werden", sagt Johannes Domnick vom Landesvorstand der LSV, die die Interessen der Schüler im Land vertritt. Deshalb fordert der LSV eine stärkere Beteiligung der Schüler, etwa durch einen wöchentlich tagenden Klassenrat und eine gewählte Schülervertretung. "Besonders wichtig ist uns in diesem Zusammenhang die gleichberechtigte Stimmberechtigung der Schülerinnen und Schüler in allen Konferenzen, also auch der Gesamtkonferenz", so Domnick.

    Niclas Schmarbeck nennt ein weiteres Ziel der Aktion: die Abschaffung der Ziffernnoten. "Wir wollen eine Feedbackkultur, in der der Lehrer ein Begleiter ist, der die Schüler auf dem Weg zum Lernerfolg begleitet." An Modellschulen werde das Prinzip bereits gelebt.

    An den allermeisten Schulen gebe es hingegen klare hierarchische Strukturen, in denen fast immer die ranghöhere Person - im Zweifel der Lehrer - die Entscheidungsgewalt hat, kritisiert die LSV. Stattdessen sollten gute Argumente zählen und mehrheitliche Entscheidungen getroffen werden, in denen auf die Verantwortlichkeit der Schüler vertraut wird, so die Schülervertreter. Das würde auch der Politikverdrossenheit und dem Nachwuchsmangel in politischen Organisationen entgegenwirken. "Leider kann ein Schüler heute kaum Demokratie lernen, wenn er in einem autoritären System wie dem der Schule aufwächst", sagt Domnick abschließend.

    Von unserer Redakteurin Stephanie Mersmann

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