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    Schießen oder nicht: Koblenz streitet über Gänsejagd

    Drohnen, Lautsprecher oder Gewehre: In Koblenz diskutieren die Parteien, wie sie dem Heer der Nil- und Kanadgänse Herr werden können. Während die einen das Feuer frei geben wollen, setzen die anderen auf Eiertausch.

    Gerät die Nilgans wieder ins Visier: Die Koblenzer Parteien streiten darüber, wie sie der vermeintlichen Plage in Zukunft Herr werden können.
    Gerät die Nilgans wieder ins Visier: Die Koblenzer Parteien streiten darüber, wie sie der vermeintlichen Plage in Zukunft Herr werden können.
    Foto: Agatha Mazur

    Von unserer Reporterin Agatha Mazur

    Auf Nil- und Kanadagänse soll erneut die Jagd eröffnet werden - zumindest wenn es nach dem Willen der CDU geht. Die Tiere hatten das Freibad Oberwerth und die Rheinanlagen über den Sommer mit ihren Hinterlassenschaften immer wieder verdreckt.

    Der stellvertretende Vorsitzende des CDU-Ortsverbands Koblenz-Süd, Alexander Streitparth, fordert den Stadtrat in einer Pressemitteilung auf, ein Gesamtkonzept für Koblenz zu beschließen und "die ausgesetzte Bejagung wieder aufzunehmen". Auch die SPD wird in der kommenden Sitzung des Stadtrats am Donnerstag in einem Antrag fordern, dass "die konsequente Bejagung" der Tiere "kein Tabu mehr sein" soll. Allerdings relativiert Fraktionsvorsitzende Marion Lipinski-Naumann: "Bejagung ist die letzte Maßnahme."

    Die SPD steht anderen Maßnahmen offen gegenüber und möchte den Fokus auf die Verringerung der Population durch das Austauschen der Eier legen. Offensichtlich ist für Lipinski-Naumann, dass die Zeit drängt: "Wenn wir jetzt nicht anfangen, das Problem anzugehen, nimmt es überhand."

    Der Runde Tisch, der von der Grünen Ratsfraktion und Tierschutzverbänden am 14. Juli einberufen worden war, hatte beschlossen, auszuprobieren, ob man die Gänse im Freibad Oberwerth mithilfe von Quadrokoptern vertreiben kann - ohne sie erschießen zu müssen. Ende August ist die Testreihe der Drohnenflüge eingestellt worden. Ralf Alterauge, Bäderbetriebsleiter der Stadt, bilanziert, dass die Maßnahme den gewünschten Erfolg bringt - aber nur so lange wie die Quadrokopter auch fliegen, sagt Alterauge. Jetzt, wo die Testphase zu Ende ist, kommen auch wieder mehr Gänse ins Freibad, beobachtet er - und sieht als einzige Alternative zu dauerhaften Drohnenflügen die Jagd.

    Die verschiedenen Parteien bewerten den Erfolg der Maßnahme unterschiedlich. Die CDU spricht von einem Experiment mit einem "tragikomischen Unterhaltungswert", das aber keine Lösung bietet. Die SPD konstatiert in ihrem Antrag lediglich, dass die Drohnenflüge "wenig erfolgreich" waren. Die Grünen räumen ein, dass die Gänse es sich zwischen den Quadrokopterflügen „bequem“ machen konnten. Aber schiefgelaufen oder nicht erfolgreich sei die Maßnahme nicht gewesen, sie hat nur eben „kurzfristig“ geholfen, betont Ratsmitglied Sylvie Enger.

    Raubvogelimitationen halten Gänse vom Beckenrand fern

    Eine weitere Möglichkeit, die Probleme mit der Gänseplage einzudämmen, sind Lautsprecher, die Raubvogelgeräusche ausstoßen. Seitdem dieser installiert ist, hält er die Gänse von den Beckenrändern ab. Allerdings, erklärt Ralf Alterauge, Bäderbetriebsleiter der Stadt Koblenz, hat diese Maßnahme lediglich einen „Wirkungsgrad von zehn bis 15 Metern“. Und man kann auch nicht die ganze Liegewiese beschallen: „Sonst kommen die nächsten Beschwerden.“

    Was also in Zukunft tun? Die Grünen fordern, weitere Maßnahmen auszuprobieren, beispielsweise die Bepflanzung im Freibad zuändern. Die SPD sieht darin keine Lösung, die Liegewiese „mit einem Schilfgürtel oder mit Pflanzen so zu gestalten, dass für die Gänse der freie Zugang zum Wasser nicht mehr gegeben ist“. „Gerade die große Liegewiese mit freiem Blick zum Rhein begründet die einmalige Lage des Freibads“, heißt es im Antrag.

    Laut Ratsmitglied Sylvie Enger von den Grünen geht es allerdings nicht darum, eine „Barriere“ anzupflanzen, sondern das Gelände beispielsweise mit Hecken kleinteiliger zu gestalten. Es gibt auf jeden Fall noch weitere Maßnahmen, die eine Bejagung überflüssig machen, findet Enger. Dass die Jagd, ginge es nach der CDU und teilweise der SPD, wieder neu eröffnet werden soll, macht sie „sprachlos“.

    Auch bei der Frage, wo das Thema am besten aufgehoben ist, scheiden sich die Geister. Alexander Streitparth von der CDU fordert, dass der Stadtrat ein Gesamtkonzept beschließen soll. In das gleiche Horn stößt die SPD, die einen Aktionsplan auf den Weg bringen möchte. Die Sozialdemokraten sind jedoch wie die Grünen grundsätzlich der Meinung, dass die Gänseproblematik kein rein lokales beziehungsweise kommunales Thema ist. "Wir müssen mit den umliegenden Gemeinden reden", sagt Marion Lipinski-Naumann von der SPD. Auf "Landesebene" sieht Sylvie Enger von den Grünen Handlungsbedarf.

    Man sieht: Das Thema erregt die Gemüter immer noch. Doch nicht mehr lange. Für die kommende Woche sagen Meteorologen das Ende des warmen Spätsommerwetters voraus. Das bedeutet auch das Ende der Freibadsaison: Am kommenden Sonntag wird das Freibad Oberwerth ein letztes Mal für dieses Jahr seine Pforten öffnen. Dann kehrt vielleicht im Bad – und in der Gänsediskussion – Winterruhe ein.

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