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    Saarkreisel wird für Radler noch gefährlicher: Extra-Streifen fällt nach Sanierung weg

    Ohnehin sind es schon nur die mutigen Radfahrer, die sich in den Saarplatzkreisel trauen. Deren Situation wird sich nun nach der Fahrbahnsanierung, die am Wochenende in die zweite Runde geht, nicht verbessern.

    Nach der Sanierung fällt der Extra-Streifen für Zweiradfahrer im Saarkreisel weg.
    Nach der Sanierung fällt der Extra-Streifen für Zweiradfahrer im Saarkreisel weg.
    Foto: Sascha Ditscher

    Bisher fühlten sich die Radfahrer auf dem neben den Fahrbahnen liegenden, schon lange nur noch abgeblättert rot markierten Weg immer noch halbwegs auf einem sicheren Gebiet. Das ändert sich jetzt mit der Sanierung: Es wird keinen Extra-Streifen mehr geben, die Fahrradfahrer sollen auf der rechten Fahrbahn mit unterwegs sein, so die Stadt auf Anfrage der Rhein-Zeitung.

    Um die Sicherheit für die Radfahrer zu erhöhen, werden auf der Fahrbahn aber kleine Rad-Piktogramme aufgebracht, erklärt Arndt Schwab vom Amt für Stadtentwicklung und Bauordnung. Diese sind zwar kein amtliches Verkehrszeichen, räumt er ein. „Die Piktogramm-Kette verdeutlicht aber, dass der Fahrradverkehr die allgemeine Fahrbahn mitnutzen darf. Dadurch wird die Aufmerksamkeit der Autofahrer zugunsten der Radfahrer erhöht.“

    Eine gute Lösung finden das auch die Planer nicht, so Arndt Schwab. „Die Stadtverwaltung weiß, dass der Ist-Zustand beim Saarplatzkreisel für den Radverkehr unzufriedenstellend ist“, sagt er. „Es gibt immer wieder Beschwerden, Verkehrskonflikte und gelegentlich auch Unfälle. Außerdem schreckt die Situation viele Menschen ab, überhaupt hier mit dem Rad zu fahren.“

    Radler als Unfallopfer
    Unfälle mit Radfahrern im Kreisel sind nicht gerade an der Tagesordnung. Das sieht man, wenn man die Bilanz der vergangenen Jahre betrachtet. Aber das liegt vielleicht auch daran, dass viele den Ort meiden. Und wenn sie passieren, sind in der Regel die Autofahrer schuld. So geschehen viermal im Jahr 2016, so Claudia Müller von der Pressestelle der Polizei. 2015 gab es nur einen Unfall, 2014 drei, 2013 vier und 2012 zwei.

    Doch die Stadt sieht keine andere Handlungsmöglichkeit. Denn der alte, abgeblätterte Radweg neben den Fahrbahnen hat schon lange keine rechtliche Grundlage mehr. „Der früher einmal existierende kreisrunde Radfahrstreifen, der an den Ein- und Ausfahrten bevorrechtigte Radverkehrsfurten aufwies, musste schon vor circa 15 Jahren aufgrund geänderter rechtlicher Vorgaben entfernt werden“, so Schwab. Die Stadt hatte die Markierung nicht abgetragen, sodass der Anschein eines Radwegs blieb.

    Für weniger Mutige wird der Kreisel nun zu einer schier unüberwindbaren Barriere, weiß Jo Schaefer, Sprecher des Kreisverbandes Koblenz-Untermosel beim Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club. Dass eine schnelle Radfahrverbindung von Moselweiß in die Innenstadt den Koblenzern wichtig ist, hat eine Umfrage gezeigt. Doch eine einfache Lösung sieht auch Schaefer nicht. Im Grunde ist er durchaus dafür, Rad- und Autoverkehr gemeinsam rollen zu lassen. Beim Kreisel schreckt das allerdings viele ab. Ob es Möglichkeiten gibt, an der Situation etwas zu verbessern, will die Stadt im Lauf des Jahres ausloten, so Arndt Schwab.

    Jetzt steht aber erst einmal die restliche Sanierung der Fahrbahnen an, die vor knapp zwei Wochen begonnen wurde. Ab Freitag, circa 18 Uhr, wird wieder der Saarplatzkreisel gesperrt. Offen bleiben diesmal allerdings die beiden Verbindungen von der Europabrücke Richtung Schlachthofstraße (also die ganz rechte Spur auf der Brücke) und von der Schlachthofstraße kommend der Tieftrog Richtung Moselring. Denn diese Fahrbahnen sind schon gemacht, nun stehen die Arbeiten im Kreisel selbst an, so Alexander Krömer vom Kommunalen Servicebetrieb. Bis Montag, 5 Uhr, wird die Asphaltdecke abgefräst und neu aufgetragen, dann werden die Fahrbahnen markiert. Das ist – auch durch die Fahrradpiktogramme – aufwendig. Der Kreisel soll aber auf jeden Fall am Montagmorgen, spätestens um 5 Uhr, wieder freigegeben werden. Notfalls werden die Markierungen später nachgeholt, dann nachts und ohne weitere Vollsperrung.

    So wird der Verkehr am Wochenende umgeleitet:

    Von unserer Redakteurin Doris Schneider

    RZ-Kommentar zum Thema Radfahren in Koblenz

    Unsere Redakteurin Doris Schneider: "Kreisel darf keine Barriere bleiben"

    Das eigene Leben riskieren, Umwege in Kauf nehmen oder das Rad durch Unterführungen schieben – das können doch nicht ernsthaft die Alternativen sein, über die Radfahrer nachdenken müssen, wenn sie beispielsweise vom Rauental in die Innenstadt wollen. Man kann fast hinspucken, aber es gibt keine vernünftige Verbindung.

    Dabei wiederholen doch Kommunalpolitiker fast schon gebetsmühlenartig seit Jahren, dass der Anteil der Radfahrer am Gesamtverkehr von jetzt 8 auf irgendwann einmal 16 Prozent erhöht werden soll. Das passt einfach nicht zusammen: Wenn man die Bedingungen nicht verbessert, wird sich niemand zusätzlich aufs Rad setzen. Ein paar Piktogramme auf der rechten Fahrbahn im Kreisel reichen da nicht aus.

    Vielleicht kann sich die Stadt ja zunutze machen, dass – im Gegensatz zu Autofahrern in anderen Ländern – praktisch niemand die innere Spur befährt, also auch keine zwei Fahrbahnstreifen für Autofahrer nötig sind: Eine breite, äußere Spur könnten die Radler nutzen, eine breite innere die Autofahrer. Richtig schnell fahren kann man im Kreisel sowieso nicht, also würde Tempo 30 hier niemandem wehtun. Naiv gedacht? Vielleicht. Aber wenn man nichts ändert, bleibt der Kreisel eine Barriere.

    Kontakt per Mail an doris.schneider@rhein-zeitung.net

    Fahrbahndecke im Saarplatzkreisel erneuert: Baustelle im Zeitraffer-VideoGroßbaustelle Saarplatzkreisel: Sperrung endet wie geplant am MontagmorgenBaustelle geht in die zweite Runde: Saarplatzkreisel wieder gesperrt [mit Übersichtskarte und Webcam]Saarplatzkreisel übers Wochenende gesperrt: So ist die aktuelle Verkehrslage in Koblenz [mit Übersichtskarte und Webcam]Saarplatzkreisel: Polizei hebt Sperrung auf – befürchtetes Verkehrschaos bleibt aus [Update]weitere Links
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