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    RZ-Adventskalender: Heute das elfte Türchen

    3100 Mark kostete die Turmuhr der evangelischen Kirche in Winningen, als man diese 1956 anschaffte. In Anbetracht der vielen Jahrzehnte, die sie schon ihren Dienst tut, und der Bedeutung, die eine Kirchenuhr zu der Zeit hatte, als noch nicht jeder mit Armbanduhr und Handy ausgestattet war, ein Schnäppchen. Wie groß die Bedeutung der Kirchenturmuhr einst war, zeigt ein Blick in die Geschichte: Vor etwa 400 Jahren kam ein Winninger Bürgermeister wegen dieser Uhr sogar einmal in arge Not.

    Das berichtet jedenfalls Gerhard Löwenstein in seinem 2012 erschienenen Buch über die Kirche. Demnach wurde das Uhrwerk der damaligen Uhr 1635, also mitten im Dreißigjährigen Krieg, von Soldaten zerschlagen. "Es wird sich hierbei um die erste Winninger Turmuhr gehandelt haben", schreibt Löwenstein. Um das defekte Uhrwerk zur Reparatur nach Andernach zu bringen, wurde es auf ein Boot geladen. Der Bürgermeister und zwei andere Männer kümmerten sich um den Transport. An der Zollstelle in Engers kam es dann zu Schwierigkeiten. "Die ,lutherischen Hunde‘ werden in Haft gesetzt", schreibt Löwenstein. Um weiterfahren zu können, hätten sie vom evangelischen zum katholischen Glauben wechseln müssen, heißt es. Nach zwei Tagen Haft durften zwei der Männer ihren Weg mit der Uhr fortsetzen. Ob sie tatsächlich ihren Glauben gewechselt haben, ist nicht überliefert. "Das glaube ich kaum", sagt Löwenstein schmunzelnd. Der Bürgermeister wurde jedoch trotz einiger Bittgesuche nicht frei gelassen. Sechs Wochen habe er in schwerem Arrest verbracht und sei dabei "zu Kosten und Schaden" gekommen. Letztlich zahlte man 50 Taler für seine Entlassung.

    Nicht immer war das Ziffernblatt der Turmuhr der evangelischen Kirche von Winningen im Turmgiebel zu finden. Vor dem Ausbau des Turms hing es unterhalb der Glockenstube. 
    Nicht immer war das Ziffernblatt der Turmuhr der evangelischen Kirche von Winningen im Turmgiebel zu finden. Vor dem Ausbau des Turms hing es unterhalb der Glockenstube. 
    Foto: Volker Schmidt

    Die Ziffernblätter der damalige Uhr waren im Übrigen nicht an der gleichen Stelle zu finden wie heute. Wie Löwenstein erklärt, wurde der Turm 1879 ausgebaut und erhöht. Das Pyramidendach wurde durch eine Rautenhaube ersetzt. Die Ziffernblätter, die sich bis dahin unter den Glocken und auf Höhe des Uhrwerks befunden hatten, wurden in zwei der vier Turmgiebel versetzt. Finanzieren konnte man den Turmausbau damals unter anderem wegen des Baus der Eisenbahnlinie. Dafür wurden nämlich Grundstücke enteignet, die dem Pfarrgut gehörten. Der Erlös wanderte in den Ausbau und in die Anschaffung eines neuen Uhrwerks.

    Was genau aus dem Uhrwerk wurde, das den Bürgermeister einst in eine so schwierige Situation brachte, ist nicht klar. 1828 hatte man bei der Turmuhr Unregelmäßigkeiten festgestellt. Dass es sich dabei um die Uhr aus dem Dreigigjährigen Krieg gehandelt hat, bezweifelt Löwenstein. 1847 wurde eine neue Uhr angeschafft, die ein Jahr später gewaltsam beschädigt wurde. Nach der Reparatur traten immer wieder Probleme auf, sodass sie - wie erwähnt - 1879 ersetzt wurde. Die heutige Uhr hat auch schon 60 Jahre auf dem Buckel. Von Zerstörung ist sie bislang verschont geblieben. Und die Wahrscheinlichkeit, dass Bürgermeister Eric Peiter wegen ihr mal in Schwierigkeiten gerät, ist auch ziemlich gering.

    Von unserem Redakteur Volker Schmidt

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