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Koblenz

Rübenach: Thront die "Möck" am Karl-Marx-Platz?

Peter Karges

In Trier steht nun Karl Marx auf dem Sockel, in Rübenach thront seit vielen Jahren die „Möck“. Zwangsläufig ist das nicht. Denn Rübenach hat sich schon frühzeitig, kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, um Marx bemüht.

Der Bereich, in dem die Kilianstraße in die Aachener Straße mündet, wurde Ende 1945 auf Beschluss des damaligen Rübenacher Bürgermeisters Karl-Marx-Platz genannt. Heute wacht hier aber die „Rüwenacher Möck“ und nicht der bekannteste Vertreter des Kommunismus.
Der Bereich, in dem die Kilianstraße in die Aachener Straße mündet, wurde Ende 1945 auf Beschluss des damaligen Rübenacher Bürgermeisters Karl-Marx-Platz genannt. Heute wacht hier aber die „Rüwenacher Möck“ und nicht der bekannteste Vertreter des Kommunismus.
Foto: Montage Peter Karges/RZ-Optik

Die Chinesen, die die 2,3 Tonnen schwere Marx-Statue der Stadt Trier schenkten, hatten damals jedoch andere Sorgen, sodass man im Reich der Mitte davon bis heute vermutlich nichts weiß. Ein Schicksal, das die Chinesen wohl mit den meisten heutigen Rübenachern teilen. Auch Rüdiger Neitzel, der seit Jahrzehnten in dem Koblenzer Stadtteil lebt, wusste nichts davon. Bis er in einer Rübenacher Kirmeszeitung aus dem Jahr 1949 blätterte und ihm eine Anzeige auffiel. „Eine Metzgerei Jacques Grundhöffer warb dort mit der Adresse Karl-Marx-Platz“, erzählt Neitzel. Aber wo sollte das sein?

Dem FDP-Politiker und Vorsitzenden der Bürgerinitiative „Lebenswertes Rübenach“ ließ der Karl-Marx-Platz keine Ruhe. Im Protokollbuch zu den Sitzungen des Gemeinderats von Rübenach, das bis zur Eingemeindung 1970 selbstständig war, fand sich schließlich die Lösung. „In einer Sitzung Ende 1945 beschloss der von den Franzosen eingesetzte Bürgermeister Karl Walpurgis, dass der Platz an der Einmündung der Kilianstraße in die Aachener Straße den Namen Karl-Marx-Platz tragen soll“, sagt Neitzel. Karl Walpurgis war Kommunist, und kandidierte 1946 in Rübenach bei den ersten Gemeindewahlen nach dem Zweiten Weltkrieg auch für die Kommunistische Partei. Allerdings verspürte die Mehrheit der Rübenacher damals wenig Neigung zur Weltrevolution. Die KPD kam mit 229 Stimmen (14,3 Prozent) auf Platz drei, hinter der SPD, die 334 Stimmen (20,7 Prozent) erhielt, und der CDU, für die 1046 Rübenacher (65 Prozent) votierten. Mehr Parteien nahmen an der damaligen Wahl nicht teil.

In der Gemeinderatssitzung Ende 1945, an der außer Bürgermeister Karl Walpurgis auch noch mehrere Beigeordnete ohne Stimmrecht teilnahmen, wurden auch noch einige Straßennamen geändert. Unter anderem wurde die Hindenburgstraße in die Backesstraße umbenannt. Inzwischen heißt sie Mauritiusstraße. Und aus der Kruppstraße wurde die Mülheimer Straße. Bei der Eingemeindung 1970 griff man allerdings wieder auf den Namen Krupp zurück. Dass es in Rübenach überhaupt eine Kruppstraße gibt, ist dabei keineswegs einem Faible für den Essener Kanonenbaron geschuldet, sondern hat historische Wurzeln. „Über die Kruppstraße fuhren die Pferdefuhrwerke von den Tongruben auf der Mülheimer Höhe zum Rübenacher Bahnhof. Der Ton war für die Hochöfen von Krupp bestimmt“, erzählt der 89-jährige Rübenacher und ehemalige SPD-Landtagsabgeordnete Heinz Sondermann.

Was den Karl-Marx-Platz betrifft: Er ist er wohl nie umbenannt worden. „Ich hab in den Gemeindebüchern bis zum Ende der 60er-Jahre nachgeschaut und keinen Beschluss bezüglich einer Umbenennung gefunden“, sagt Rüdiger Neitzel. Ohne Aufhebungsbeschluss müsste der Name rechtlich wohl noch gültig sein. Ob man das in Peking weiß? Allerdings ist der Sockel schon besetzt, da thront eben die „Rüwenacher Möck“.

Von unserem Mitarbeiter Peter Karges

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