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    Prügelei unter der Koblenzer Europabrücke: Haft für Boxer

    Lange Haftstrafen im Prozess um die blutige Prügelei unter der Europabrücke in Koblenz: Ein Möchtegern-Profiboxer (20) hatte etwas gegen den neuen türkischen Freund (21) seiner Schwester (18) und prügelte ihn 2014 am Moselufer krankenhausreif - Gesicht zertrümmert, Stirn, Nase und Augenhöhlen gebrochen. Der Schläger hatte zwei Komplizen (20, 19). Sein Opfer hatte einen Kumpel (38) dabei, auch er wurde schwer verletzt.

    Von unserem Redakteur Hartmut Wagner

    Jetzt, am 16. Prozesstag, hat das Landgericht Koblenz die teils geständigen Schläger wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt. Der Haupttäter, ein Albaner, muss fünf Jahre in Jugendhaft. Seine türkischen Komplizen kommen fünf und vier Jahre hinter Gitter.

    Im Prozess fiel der Begriff Ehrentat. Darum erklärte die Vorsitzende Richterin Helga Diedenhofen: "Die Tat war feige, hinterhältig und unmännlich! Sie war eines Mannes, der seine Ehre verteidigen will, nicht würdig." Oberstaatsanwalt Gebhard Weber hatte in seinem Plädoyer gesagt: "Wer hier von Ehrentat spricht, soll sich eine andere Rechtsordnung und einen anderen Staat suchen." Die drei Schläger könnten sich nämlich ins Ausland ausweisen lassen, die Staatsanwaltschaft Koblenz würde sich dem nicht entgegenstellen.

    Streit wegen Facebook-Video

    So kam es laut Urteil zur Tat: Der Haupttäter erfuhr - wohl durch ein Video auf Facebook -, dass seine Schwester eine Affäre mit einem Türken hat. Er bestellte ihn am 11. Juni 2014 für eine Aussprache zur Europabrücke. Dort empfing er ihn mit freiem Oberkörper, reichte ihm zur Begrüßung die rechte Hand - und schlug ihm zugleich mit der linken Faust ins Gesicht. Es folgte eine wüste Prügelei, deren Teilnehmerzahl bis heute unklar ist.

    Zwei Wochen nach der Tat kam es in Lützel an einem Donnerstagmorgen um 5 Uhr zu einem spektakulären Polizeieinsatz. Spezialkräfte durchsuchten mehrere Wohnungen und eine Bar. Auch ein Spürhund war im Einsatz. Die drei Schläger wurden festgenommen, seither sitzen sie hinter Gittern.

    Täter applaudiert dem Gericht

    Die Richterin betonte zu Prozessende, dass beide Tatopfer keinerlei Belastungseifer zeigten und glaubhafte Aussagen machten. Sie sagte, dass die drei Schläger mit massiver Brutalität vorgingen und künftig erheblichen Erziehungsbedarf haben. Und sie machte klar, dass die Tat in keinerlei vernünftigem Verhältnis zu deren Anlass steht.

    Im Zuschauerraum saßen rund 50 Verwandte und Freunde der Schläger. Sie äußerten mehrfach ihren Unmut, als die Richterin das Urteil begründete. Einige Männer verließen sofort den Saal, einige Frauen begannen zu weinen. Und: Einer der drei Schläger - der Einzige, der jegliche Tatbeteiligung bestritt - applaudierte zu Prozessende höhnisch dem Gericht.

    Die Staatsanwaltschaft hatte die Tat ursprünglich als versuchten heimtückischen Mord angeklagt. Aber den drei Schlägern war keine Tötungsabsicht nachweisbar. Der Oberstaatsanwalt forderte für den Haupttäter fünf Jahre Gefängnis, für dessen zwei Komplizen vier und dreieinhalb Jahre. Axel Bertram, einer der beiden Verteidiger des Haupttäters, forderte "eine maßvolle Strafe". Er kündigte zu Prozessende an, dass er das Urteil per Revision anfechten wird.

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