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Koblenz

Polizei setzt auf Flugblattaktion: Wer kann Hinweise zum brutalen Mord an Obdachlosem geben? [mit Video]

Auch Tage nach der brutalen Tat beschäftigt der gewaltsame Tod eines Obdachlosen die Koblenzer. Anwohner rund um den Friedhof haben Angst, weil der Täter noch nicht gefasst ist. Die Polizei geht mit einer Flugblattaktion an die Öffentlichkeit.

Seit dem grausigen Fund der Leiche am 23. März am sogenannten Pulverturm auf dem Hauptfriedhof ermitteln die Beamten auf Hochtouren. Erst nach und nach wurden Details zu der brutualen Tat an die Öffentlichkeit gegeben. Was bereits als gruselige Gerüchte in den sozialen Medien kursierte, wurde plötzlich zu trauriger Gewissheit: Der 59-jährige Gerd Michael Straten wurde enthauptet.

Es ist noch früher Samstag, als 25 Beamte für die Soko Hauptfriedhof mit Flugblättern von Tür zu Tür gehen. Rund 1000 Haushalte wollen die Beamten in einem ersten Schritt am Ostersamstag aufsuchen. "Ob wir das alles heute schaffen, wissen wir selbst noch nicht", sagt Thomas Lauxen, Leiter der Soko Hauptfriedhof. Das mediale Interesse an dem Fall ist nach wie vor groß. Lauxen steht umringt von Kamerateams vor dem Hauptportal des Friedhofs an der Beatusstraße und informiert über die Flugblattaktion. Einige Friedhofsbesucher sind an diesem sonnigen Morgen bereits unterwegs und beobachten den Medienrummel argwöhnisch. "Ich kann gut verstehen, dass der ein oder andere eine gewisse Angst oder Ängstlichkeit spürt. Objektiv besteht dazu aber kein Grund", sagt Lauxen. Trotzdem sind in diesen Tagen vermehrt Streifen auf dem Friedhof und auch rund um das Gelände unterwegs, wie der Soko-Leiter weiter betont.

Quelle: YouTube (erweiteter Datenschutzmodus)

Oberstaatsanwalt Rolf Wissen beschrieb die Tat bei einer Pressekonferenz als außergewöhnlich brutal und menschenverachtend. Eine heiße Spur haben die Ermittler noch nicht. Sie hoffen nun, mit der Flugblattaktion weitere Hinweise aus der Bevölkerung zu bekommen. Kriminalhauptkommissar Stefan Linder ist mit einer Kollegin unterwegs. "Wir haben bereits einige neue Hinweise bekommen, denen die Kollegen schon nachgehen", sagt er. Die Teams nutzen die Haustürbesuche nicht nur, um neue Hinweise zu sammeln: "Viele haben Angst", sagt Linder und ergänzt: "Wir versuchen die Koblenzer ein Stück zu beruhigen."

Die Koblenzer Staatsanwaltschaft hat eine Summe von 10.000 Euro für Hinweise, die zur Ermittlung des Täters führen, ausgelobt. Neben diesem Hinweis steht auf dem Flugblatt in großen roten Buchstaben "Mord". Fragen wie "Wer hat den grausigen Fund gemacht", "Wie genau wurde der Mann getötet", "Was für eine Waffe wurde genutzt", "Wurden auch andere Körperteile abgetrennt als der Kopf?" lassen die Beamten noch unbeantwortet – aus ermittlungstaktischen Gründen. "All dies ist mögliches Täterwissen, das letztlich dabei helfen könnte, den Mörder zu überführen", betont Lauxen auch am Samstagmorgen noch mal.

Insgesamt 25 Beamte sind am Samstagmorgen in Koblenz unterwegs und verteilen Flugblätter.
Insgesamt 25 Beamte sind am Samstagmorgen in Koblenz unterwegs und verteilen Flugblätter.
Foto: Nina Borowski

Erst vor wenigen Wochen waren Beamte einer Sonderkommission im Koblenzer Stadtteil Neuendorf im Einsatz und haben mit einer ähnlichen Flugblattaktion nach Hinweisen zur Tat gesucht. Dort ging es ebenfalls um Mord. "Bei dieser Aktion haben wir sehr viele Hinweise bekommen. Darunter war auch ein sehr guter", sagt Lauxen auf RZ-Nachfrage. Mehr möchte er hierzu an dieser Stelle nicht sagen – ebenfalls aus ermittlungstaktischen Gründen.

Womit die Polizei allerdings sehr offensiv an die Öffentlichkeit geht, das sind Details zur Person des Opfers. "Wir erhoffen uns darüber weitere Hinweise von Menschen, die Straten kannten", betont Lauxen.

Gerd Michael Straten.
Gerd Michael Straten.
Foto: Polizei

Gerd Michael Straten wuchs in Köln auf, bevor er 1979 nach Koblenz kam. Von 1986 bis 1997 führte er hier ein Geschäft in der Altstadt, in dem er Kunst und Bilderrahmungen anbot, schilderte Thomas Lauxen, Leiter der Soko Hauptfriedhof. Danach war er weitgehend wohnungslos. Diverse Zeugen schildern ihn auch gegenüber unserer Zeitung als zurückhaltend, freundlich und gebildet, interessiert an Kunst und am Zeitgeschehen.

Straten legte viel Wert auf ein gepflegtes Äußeres, er trank kaum oder keinen Alkohol und nahm auch keine Drogen zu sich. Er hielt sich häufig im Bereich des Hauptbahnhofs auf und besuchte regelmäßig Cafés, Biomärkte und Bibliotheken, wo er oft stundenlang die Zeitung las. In der Vergangenheit war er unter anderem im Sommer als Pfandsammler auf Festivals unterwegs und mietete dafür manchmal ein Auto.

Auch Inhaber benachbarter Geschäfte in der Gemüsegasse lernten Straten schon früher als intelligenten und gepflegten Menschen kennen, berichteten sie unserer Zeitung. Bei späteren Begegnungen, als Straten bereits auf der Straße lebte, hatte einer von ihnen den Eindruck, dass es diesem unangenehm war, so gesehen zu werden.

Von unserer Redakteurin Nina Borowski

Um den Mörder von Gerd Michael Straten zu fassen, hat die Polizei auch eine Belohnung ausgeschrieben, teilte sie bei einer Pressekonferenz mit.  Foto: Borowski
Um den Mörder von Gerd Michael Straten zu fassen, hat die Polizei auch eine Belohnung ausgeschrieben, teilte sie bei einer Pressekonferenz mit.
Foto: Borowski

Fragen, die für die Polizei von Bedeutung sind:

- Wer kannte Gerd Michael Straten?
- Wer kann Angaben zu seinem Umfeld und zu Kontaktpersonen machen?
- Wer hat Auffälliges im Bereich des Hauptfriedhofes bemerkt?
- Wer kann Angaben zu Streitigkeiten zwischen dem Opfer und anderen Personen machen?
- Wer kennt weitere Personen, die auf dem Hauptfriedhof leben oder sich dort oft aufhalten?
- Wer kann sonstige sachdienliche Hinweise geben?

Hinweise nehmen die Kriminaldirektion Koblenz (Telefon 0261/1031) sowie jede andere Polizeidienststelle entgegen. Infos gibt es auch unter www.polizei.rlp.de/de/ fahndung

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