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    OB-Wahl in Koblenz: Wer gewinnt das Rennen um das Rathaus?

    Bert Flöck gegen David Langner: So lautet das Duell der beiden großen Parteien im Rennen um das Rathaus – und das, obwohl beide Kandidaten gar nicht offiziell für CDU und SPD antreten. Baudezernent gegen Staatssekretär, jahrzehntelange Verwaltungslaufbahn gegen steile Polit-Karriere: Einer von beiden dürfte am Ende als künftiger Oberbürgermeister feststehen – wahrscheinlich nach einer Stichwahl am 15. Oktober. Was befähigt sie zum höchsten Amt der Stadt? Was spricht gegen sie?

    Bert Flöck.
    Bert Flöck.
    Foto: Sascha Ditscher

    Bert Flöck ist zwar CDU-Mitglied, tritt aber als unabhängiger Bewerber an – möglicherweise ein taktischer Fehler. Ist doch die CDU-Zugehörigkeit bei der politischen Stimmungslage in Deutschland ein klarer Vorteil. So aber steht nur „Bert Flöck“ auf dem Wahlzettel – ohne Partei. Wobei Parteiämter und - funktionen in seiner Vita tatsächlich kaum eine Rolle gespielt haben. In der Verwaltung ist der 59-Jährige groß geworden – in jeder Hinsicht. Von seinem Eintritt in den städtischen Dienst mit 16 Jahren über Laufbahnprüfungen und Aufstiege bis zu seiner Wahl zum Baudezernenten durch den Stadtrat im vergangenen Jahr war es ein weiter Weg. Ein Weg, auf dem sich Flöck nicht nur Freunde in der Verwaltung gemacht hat, auf dem er aber immer weiter nach oben strebte.

    In jungen Jahren stieg er zum Leiter des Kulturamts der Stadt auf, mit gerade einmal 31 Jahren. 1997 übernahm er als Gründungsgeschäftsführer die Leitung der Koblenz-Touristik, deren Aufgabe die touristische Vermarktung und das Stadtmarketing sein sollten. Doch das Tätigkeitsfeld weitete sich zunehmend aus, bis Flöck am Ende gar Umbau und Sanierung der Rhein-Mosel-Halle zu verantworten hatte. Ein millionenschweres Großprojekt – am Ende zu groß. Kosten und Baudauer liefen aus dem Ruder, Veranstalter und Vereine wurden mit immer neuen Eröffnungsterminen vertröstet. Heftig fiel die Kritik an der Koblenz-Touristik unter Flöcks Leitung und an Generalplaner Alexander von Canal aus, wobei die Meinungen darüber, wer welchen Anteil an dem Fiasko hatte, auseinandergehen.

    Bei der Eröffnung im September 2012 (ursprünglich sollte die Halle zum Buga-Start im April 2011 fertig sein) hatte Flöck aber bereits eine neue Funktion: Im Juli 2011 wurde er zum Leiter des Haupt- und Personalamts ernannt. Eine Schnittstelle mit minimaler Außenwirkung, aber umso größerer Bedeutung innerhalb der Verwaltung. Flöck wurde zu einer Art internem Verwaltungschef, der das Personal ebenso verantwortete wie die Organisation der Verwaltung insgesamt. Keine wichtige Personalentscheidung, die nicht über seinen Tisch gegangen wäre.

    2016 wählte der Rat Bert Flöck zum Baudezernenten und Nachfolger von Martin Prümm. Er wurde damit die Nummer vier im Stadtvorstand – hinter OB, Bürgermeisterin und Kulturdezernentin. Diesen Schritt werteten viele als Zeichen, dass Flöck auch die Nachfolge von Joachim Hofmann-Göttig anstreben würde. Bringt doch die Funktion des Dezernenten viel Öffentlichkeit, die Flöck im OB-Wahlkampf auch ausgiebig nutzen sollte.

    Zweifellos kennt Flöck die Verwaltung wie seine Westentasche. Wie wahrscheinlich niemand sonst weiß er, wie das Rathaus tickt und wie die Koblenzer Behördenlandschaft funktioniert. Für Flöck wäre das Amt des Oberbürgermeisters die letzte berufliche Station. Er müsste also nicht auf eine Wiederwahl schielen – stünde aber auch aus Altersgründen für eine solche gar nicht zur Verfügung. Für ein „Eigengewächs“ der Stadt wie Bert Flöck besteht zweifellos die Gefahr, für manches betriebsblind zu werden. Berufliche Erfahrung aus anderen Bereichen bringt Flöck nicht mit. Und als mitreißender Redner ist er nicht bekannt – der große Auftritt in der Öffentlichkeit scheint ihm Pflicht, nicht Kür. Wobei man das lernen kann. Auch andere Stadtchefs vor ihm mussten am Rednerpult erst heimisch werden.

    David Langner.
    David Langner.
    Foto: Sascha Ditscher

    David Langner (41) ist 18 Jahre jünger als Bert Flöck, hat aber bereits eine bewegte Karriere hinter sich. Ist Flöck der Verwaltungsmensch, so hat Langner ein nicht minder enges Verhältnis zu seiner Partei. So eng, dass seine unabhängige Kandidatur vielen nicht allzu glaubhaft erscheint. SPD-Mitglied wurde er 1994, wurde nach dem Studium (Politik- und Literaturwissenschaft) 2004 Referent beim Landesverband. Und ab da vieles mehr, mit Segen und im Auftrag der Partei.

    Dabei fielen große Teile seiner Karriere in eine Zeit des großen Streits in der Koblenzer Sozialdemokratie. Wer wird was in Partei und Fraktion? Wer erhält welchen Listenplatz bei Wahlen? Über Jahre gab es ein öffentliches Hauen und Stechen, bei dem der damalige Parteichef Christian Altmaier und die damalige und heutige Fraktionschefin Marion Lipinski-Naumann im Zentrum der Auseinandersetzung mit Ortsvereinen und Gruppierungen (etwa der AG 60plus) standen. Aus diesem Konflikt ging Langner unbeschadet hervor – hatte er sich doch aus dem Streit herausgehalten. Als Vorsitzender der Koblenzer SPD (2010 bis 2016) sollte er später für friedlichere Verhältnisse sorgen. In den Jahren davor aber hatte er sich auf keine der beiden Seiten geschlagen, sondern sich auf der rechten Rheinseite klar zum da noch unangefochtenen Roger Lewentz orientiert. Heißt: In der Koblenzer SPD war Langner niemandem etwas schuldig. Taktisch klug konzentrierte er sich darauf, 2006 Lewentz' B-Kandidat zu werden. Erwartungsgemäß wurde Lewentz Staatssekretär – und Langner rückte mit 30 Jahren in den Landtag nach.

    Eine Wiederholung dieses Coups gab es 2011 nicht. Lewentz stieg nach der Wahl zum Innenminister auf und behielt seinen Sitz im Parlament. B-Kandidat Langner war draußen, aber auch für ihn ging es gleich weiter: Im Mai 2011 wurde er Vizepräsident der Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord. Führungserfahrung in einer großen Behörde konnte er dort sammeln, doch die Entscheidung löste Unmut aus. „Geparkt auf Zeit“, auf einem attraktiven Posten: So lautete der Vorwurf. Und die Kritiker fühlten sich bestätigt, als Langner nach nur eineinhalb Jahren Anfang 2013 zum Staatssekretär in das Sozialministerium berufen wurde.

    Zur Landtagswahl 2016 trat der Wahl-Gülser erstmals als Direktkandidat an – und das im Wahlkreis links des Rheins. Dass er diesen traditionell eher schwarz gefärbten Wahlkreis gewinnen konnte, war ein dickes Ausrufezeichen, das auch in Mainz wahrgenommen wurde. Wer eine Landtagswahl gewinnen kann, dem kann das auch bei einer OB-Wahl gelingen, oder? So sah es offenbar die Partei-Spitze. Und so tritt SPD-Mann Langner an – wenn auch nicht als SPD-Kandidat.

    Ob all das aufgehen wird? Kritiker halten Langner seine zielstrebige Karriere als Partei-Soldat vor, befinden ihn für zu jung, bemängeln fehlende berufliche Erfahrung außerhalb des Polit- und Verwaltungsbetriebs. Für andere wiederum ist sein Alter gerade ein Pluspunkt – die Hoffnung auf frischen Wind für verkrustete Strukturen. Sein beruflicher Werdegang hat gezeigt, dass Langner das politische Geschäft versteht, in der Lage ist, Ziele strategisch-taktisch zu verfolgen und zu erreichen. Und wenn ein kurzer Draht des künftigen OB zur Landesregierung als Pluspunkt anzusehen ist, wird diesen Langner für sich verbuchen dürfen.

    Eine Analyse von unserem Redaktionsleiter Ingo Schneider

    Die Außenseiter: Für eine Überraschung gut?

    Dass Bert Flöck und David Langner als Favoriten in die Wahl des neuen Oberbürgermeisters gehen, auch wenn sie nicht offiziell für ihre Parteien CDU und SPD antreten, steht außer Frage. Aber abschreiben darf man die beiden anderen nicht: Denn mit Hans-Peter Ackermann (Grüne) und Torsten Schupp (FDP) stehen zwei Politiker auf dem Stimmzettel, die so völlig anders sind als der Baudezernent und der Staatssekretär. In Koblenz bestens vernetzt und sehr bekannt. Für eine Stichwahl am 15. Oktober dürften die beiden sehr wahrscheinlich sorgen. Zwischen Flöck und Langner – oder ist für Schupp und Ackermann sogar mehr drin?

    Hans-Peter Ackermann.
    Hans-Peter Ackermann.
    Foto: Sascha Ditscher

    Hans-Peter Ackermann will mit seiner Kandidatur zumindest „ein Zeichen setzen“, wie er im Gespräch mit unserer Zeitung betonte. Grüne Positionen habe keiner der anderen Kandidaten vertreten, die Unterstützung eines anderen sei daher nicht infrage gekommen. Ohnehin ist es aber schlüssig, dass die Grünen mit einem eigenen Bewerber in den Wahlkampf ziehen, angesichts der starken Ergebnisse, die die Partei bei vergangenen Wahlen in Koblenz einfahren konnte. Erinnert sei nur an die Landtagswahl 2011, bei der Nils Wiechmann sensationell fast 23 Prozent erhielt. Im Moment stellen die Grünen die drittstärkste Fraktion im Koblenzer Stadtrat mit acht Mitgliedern – gar nicht mehr so weit entfernt von der SPD (14).

    Fraktionschef Ackermann gehört zu den erfahrenen Kommunalpolitikern seiner Partei, blickt auf fast 20 Jahre Ratsarbeit zurück, gehört zu den prägenden Figuren der Koblenzer Grünen. Die „urgrünen“ Themen sind ihm wichtig, sie waren es, die ihn in die Politik gebracht haben. Und doch tritt er im Rat nicht überzogen ideologisch auf. Gerade in der Kommunalpolitik bewegt sich oft nichts ohne die pragmatische Suche nach Mehrheiten und praktikablen Lösungen – und Ackermann gilt auch bei den anderen Fraktionen als jemand, mit dem man sich konstruktiv auseinandersetzen kann.

    Dabei kann er aber auch mal unorthodox im Auftreten sein. Hält Ackermann zum Beispiel die Haushaltsrede für seine Fraktion, wissen die Zuhörer nie, was sie erwartet. Während Redner anderer Parteien im Eiltempo durch eine lange Liste von Einzelpunkten fliegen, kam Ackermann in der Vergangenheit schon mal mit wenigen, gezielten Bemerkungen und einer Pointe aus – bevor er schmunzelnd das Rednerpult verließ. Und auch seine aktuelle Plakatkampagne, bei der er mit unterschiedlichen grünen Kopfbedeckungen zu sehen ist – passend zu den Themen von Verkehr bis Wohnungsbau –, zeigt, dass er sich selbst nicht bierernst nimmt. Seine politischen Ziele sehr wohl.

    Ackermann ist Diplom-Betriebswirt und betreibt das Gasthaus „Zum Rebstock“ in Güls – kein Wunder also, dass er dort bekannt ist wie ein bunter Hund. Den Spitznamen „Wackeler“ hat er, wie das Gasthaus, von seinem Vater geerbt – eine Anspielung damals auf dessen markanten Gang. Leichen hat er, soweit bekannt, nicht im Keller, dafür aber eine Kegelbahn. Und zuzutrauen ist es ihm durchaus, dass er mit seiner Kandidatur die beiden Favoriten mehr als nur ein bisschen ärgern wird.

    Torsten Schupp.
    Torsten Schupp.
    Foto: Ingo Schneider

    Torsten Schupp hat seinen Spitznamen nicht geerbt, er hat ihn sich einfach selbst gegeben. Torty de Banana ist nicht nur sein Künstlername als Sänger, er ist auch Sinnbild dafür, woran sich Kritiker bei seiner Kandidatur reiben. Darf sich ein Torty de Banana, der Stimmungsmacher unzähliger Feiern, der Party-Einheizer vom bulgarischen Goldstrand, ernsthaft bei der OB-Wahl bewerben? Spaßsänger heißt gleichzeitig Spaßkandidat – ist es so einfach?

    Die Vorhaltungen kamen umgehend und waren wenig überraschend. Zweifel an der Seriosität und Ernsthaftigkeit von Schupps Unterfangen wurden schnell laut. Seine ersten Ideen wurden mit ordentlich Häme verfolgt. Am Ende aber gelang es dem Karthäuser mit dem Vorschlag eines Seilbahnnetzes für Koblenz, den inhaltlichen Vorstoß zu machen, der den meisten Gesprächsstoff dieses Wahlkampfs lieferte. Als Spinnerei von manchem belächelt, weil noch nicht in den Details durchdacht – aber zumindest diskutiert. Und von den anderen Kandidaten in der Folge dankbar aufgegriffen.

    Schupp ist Friseurmeister und Partysänger, DJ und Moderator – und Quereinsteiger in der Politik. Dort brachte er es vom Geschäftsführer der FDP-Fraktion 2009 zum Ratsmitglied, unterstützt von Ursula Schwerin, der langjährigen FDP-Chefin. Heute ist er Vorsitzender einer Zweier-Fraktion im Rat. Er ist bestens vernetzt durch seine Musik, durch den Karneval, durch sein Engagement etwa für den Kinderschutzbund. Wie bekannt er ist, zeigt ein gemeinsamer Gang durch Koblenz: Ständig wird er erkannt, wird auf seine Kandidatur angesprochen, besonders auf der Karthause. Dort ist er zu Hause, dort hat er seine ersten politischen Projekte verfolgt – wie die Realisierung des Jugend- und Bürgerzentrums. Und dort gibt sein Bruder die Stadtteilzeitung heraus. In deren Onlineumfrage zur OB-Wahl lag Schupp übrigens meist hinter Langner, aber vor Flöck und Ackermann. Wobei auch Schupp weiß, dass die Umfrage nicht wirklich repräsentativ ist.

    Aber dass er es bis in die Stichwahl schaffen kann, davon ist Schupp ernsthaft überzeugt. Ein OB muss in seinen Augen kein Akademiker sein, muss nicht alles selbst wissen, solange er das Wissen guter Mitarbeiter in der Verwaltung anzapfen kann. Sich aber die Akzeptanz als Vorgesetzter zu erarbeiten, von Verwaltungsmitarbeitern, oft ausgewiesenen Experten ihrer Fachgebiete, bis hin zu altgedienten Amtsleitern, das dürfte für Schupp kein leichtes Unterfangen sein. „Einer von euch“: So beschreibt er sich auf seinen Wahlplakaten, so sieht er sich, so will er das Rathaus erobern. Wie viele Wähler sich davon angesprochen fühlen und ihn auf diesem Weg unterstützen wollen, wird der 24. September zeigen.

    Eine Analyse von unserem Redaktionsleiter Ingo Schneider

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