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    Nordtangente Koblenz: Boden wird schon untersucht

    Archäologen und Geophysiker sind derzeit damit beschäftigt, das Areal für die geplante Nordtangente zwischen dem Ikea-Kreisel bei Bubenheim und Metternich zu untersuchen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass diverse Zeugnisse längst vergangener Zeiten auf beziehungsweise unter der Strecke verborgen sind.

    Wo hier ein Mitarbeiter der Firma Geotomographie mit dem umgeschnallten Gradiometer den Boden untersucht, sollen künftig einmal Autos über die Nordtangente schneller vom Ikea-Kreisel in Bubenheim nach Metternich in Richtung Kurt-Schumacher-Brücke fahren können.
    Wo hier ein Mitarbeiter der Firma Geotomographie mit dem umgeschnallten Gradiometer den Boden untersucht, sollen künftig einmal Autos über die Nordtangente schneller vom Ikea-Kreisel in Bubenheim nach Metternich in Richtung Kurt-Schumacher-Brücke fahren können.
    Foto: Sascha Ditscher

    Von unserer Redakteurin Stephanie Mersmann

    Auf den ersten Blick sieht es so aus, als würde die geplante Nordtangente in Zukunft über weitgehend leeres Gelände zwischen dem Ikea-Kreisel bei Bubenheim und Metternich führen. Tatsächlich ist es aber sehr wahrscheinlich, dass diverse Zeugnisse längst vergangener Zeiten auf beziehungsweise unter der Strecke verborgen sind. Archäologen und Geophysiker sind seit der vergangenen Woche damit beschäftigt, das Areal zu untersuchen.

    "Überall gibt es Hinweise, dass es in diesem Gebiet vor- und frühgeschichtliche Siedlungsspuren gibt", sagt Dr. Cliff A. Jost, stellvertretender Leiter der Außenstelle Koblenz der Landesarchäologie. Schon beim Bau des Saturn-Marktes in der Nähe der künftigen Nordtangente wurde eine große keltische Siedlung entdeckt, unter dem heutigen Ikea-Kreisel liegt eine Römervilla, nach der auch die ganze Straße an dieser Stelle benannt ist.

    Wo einmal die Nordtangente verlaufen wird, erwartet der Archäologe alte Siedlungen aus keltischer und römischer Zeit, vielleicht sogar Besiedlungsspuren aus der Jungsteinzeit aus den Jahren 5000 bis 3000 vor Christus. "Das war eine ganz besondere Siedlungskammer hier", sagt Jost: in der Nähe des Rheins, trotzdem hochwasserfrei, mit fruchtbaren Lehmböden. Das gilt übrigens auch für das Gebiet, in dem heute unter anderem das Amazon-Zentrum steht: "Da haben wir auch solche Spuren gefunden."

    Im ersten Schritt wird bis zum heutigen Montag das Gelände mit einem Gradiometer untersucht. Dafür haben die Mitarbeiter der Firma Geotomographie, die der Landesbetrieb Mobilität beauftragt hat, den Streckenverlauf der geplanten Straße in Quadranten unterteilt und gehen diese ab. Insgesamt 70 Kilometer legen drei Mitarbeiter der Firma dafür zurück - jeweils das 15 Kilogramm schwere Messgerät umgeschnallt. Mit diesem wird eine sogenannte geomagnetische Prospektion durchgeführt: Das Erdmagnetfeld wird gemessen, auf diese Weise werden eisenhaltige Objekte, aber auch zum Beispiel Mauer- und Fundamentreste, alte Gräben und Gruben sichtbar gemacht - also Objekte und Bodeneingriffe aus früheren Zeiten, nach denen die Archäologen Ausschau halten.

    Ab dieser Woche werden die Bilder, die auf diese Weise zustande gekommen sind, am Computer ausgewertet. "Wir werden Messbilder erstellen und Strukturen einzeichnen, die wir erkennen", sagt Geophysiker Thomas Fechner. Die Archäologen können anhand dieser Bilder dann weitgehend erkennen, was sich im Boden verbirgt. An mehreren, umeinander gruppierten Quadraten etwa können römische Grabgärten erkannt werden, an einem unregelmäßigen Kreis ein keltischer Grabhügel.

    Die Archäologen machen sich dann daran, die Funde freizulegen - manche befinden sich direkt unter der Erde, andere in mehreren Metern Tiefe - und sie zu vermessen. Loses Fundmaterial wie Scherben alter Keramik werden gesichert und archiviert. Und: "Vom Grundgesetz sind wir verpflichtet, alle Funde zu dokumentieren", sagt Jost. Denn manchmal sind diese Dokumentationen alles, was von den historischen Relikten bleibt. "Unser Ziel ist es, dass so viele Funde wie möglich im Boden erhalten bleiben" - aber immer ist das nicht machbar.

    Wenn es nicht anders geht, müssen die Funde einem Bauprojekt weichen. "Hier geht es um eine kontrollierte Zerstörung", sagt Jost, "sonst kann man in dieser Region auch fast nichts mehr bauen" - so viele Funde verstecken sich im Boden. Die Umleitung einer Straße oder auch die langfristige Einrichtung einer Ausgrabungsstelle sind ihm zufolge "sehr, sehr selten". Die Dokumentationen ermöglichen den Archäologen allerdings auch so, die Geschichte der Region weiter zu erforschen.

    Dass die archäologischen Untersuchungen den Bau der Nordtangente verzögern könnten, davon geht Jost nicht aus. Und das gilt hoffentlich auch für mögliche Blindgänger, die entschärft werden müssten. Denn auch alte Bomben und Co. werden auf den Bildern der Geophysiker sichtbar.

    Foto: Damian Morcinek

    Bagger sollen in zweiter Jahreshälfte 2015 anrollen

    Die aktuellen archäologischen Untersuchungen gehören zu den Vorarbeiten, die vor dem Bau der Nordtangente erledigt werden müssen. Schon seit längerer Zeit ist der Landesbetrieb Mobilität (LBM) damit beschäftigt, den Großteil der Grundstücke zu erwerben, die für den Bau der Straße benötigt werden. Wenn alles gut läuft, könnten die Bagger dann Anfang der zweiten Jahreshälfte 2015 anrollen, hat der LBM kürzlich in einem Gespräch mit der RZ mitgeteilt. Gut zwei Jahre später soll die 1,6 Kilometer lange Landstraße zwischen Bubenheim und Metternich dann fertig sein. sem

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