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Koblenz

Neustart im Dreikönigenhaus: Isso-Institut nimmt Arbeit auf

Das Dreikönigenhaus, der Bürresheimer Hof und das Alte Kaufhaus gehören wohl zu den bekanntesten Gebäuden der Koblenzer Altstadt. Sie stehen für Tradition – und seit Dienstag auch für Aufbruch.

Das Dreikönigenhaus ist frisch saniert, jetzt kann das Isso-Institut hier seine Arbeit aufnehmen. Bürresheimer Hof und Altes Kaufhaus folgen wohl 2018, insgesamt haben die drei Gebäude eine Nutzfläche von 5500 (bislang ziemlich maroden) Quadratmetern, sagt Investor Martin Görlitz.
Das Dreikönigenhaus ist frisch saniert, jetzt kann das Isso-Institut hier seine Arbeit aufnehmen. Bürresheimer Hof und Altes Kaufhaus folgen wohl 2018, insgesamt haben die drei Gebäude eine Nutzfläche von 5500 (bislang ziemlich maroden) Quadratmetern, sagt Investor Martin Görlitz.
Foto: Tom Frey

Von unserer Redakteurin Stephanie Mersmann

Das Dreikönigenhaus ist das erste der drei Gebäude, das nun offiziell Heimat von Isso ist, dem neuen Institut für soziales und nachhaltiges Wirtschaften, das seit rund zwei Jahren in der Altstadt aufgebaut wird. Gestern wurde das aufwendig sanierte Gebäude mit 150 Gästen feierlich eingeweiht.

Das Ziel von Martin Görlitz, der das Altstadt-Ensemble am 1. Oktober 2013 von der Stadt gekauft hat, war von Anfang an groß. Einen „Raum für Kultur und zukunftsgerichtetes Wirtschaften“ wollte er schaffen, sagt er, die Hochschulen der Region einbinden und sie aus der Peripherie in die Innenstadt holen, Gründungen fördern, die die Gesellschaft verbessern könnten – und das eben nicht in einem Neubau auf der grünen Wiese, sondern in den ebenso prominenten wie maroden Gebäuden im Herzen der Stadt. Die Hochschulen waren von Anfang an in die Überlegungen eingebunden, und auch wenn am Anfang nicht wirklich klar war, was Görlitz vorhatte, war man begeistert, sagt Felix Hampe, Vizepräsident der Universität Koblenz-Landau. „Und mittlerweile sind extrem viele Ideen entstanden, wo wir mit Isso zusammenarbeiten wollen.“

Schwierige Vorgeschichte

Baulich ist der erste Schritt geschafft: Aus dem Dreikönigenhaus ist ein Gründerzentrum geworden, am Florinsmarkt laufen die Arbeiten noch „zwei, drei Jahre“, wie Görlitz berichtete. Entschieden hat man sich für das Projekt trotz einer schwierigen Vorgeschichte: Erst musste der lange umstrittene Kulturbau entstehen, damit Bibliothek und Mittelrhein-Museum aus den Altstadtbauten ausziehen können und diese frei für Neues werden. Auch die Einrichtung einer Synagoge im Bürresheimer Hof wurde debattiert, „eine schwierige Zeit“, erinnert sich Oberbürgermeister Joachim Hofmann-Göttig.

Foto: Stephanie Mersmann

Letztlich habe man sich zwar nicht gegen die jüdische Gemeinde, aber doch für Isso entschieden. Wissenschaftsministerin Vera Reiß gratulierte dem OB jedenfalls zu einem engagierten Bürger wie Görlitz, der seine Visionen umsetzt – und das ohne finanzielle Unterstützung. 15 Millionen Euro fließen allein in die Sanierung der Gebäude, in die Inhalte von Isso wurden bislang 3 Millionen Euro gesteckt.

Mit der Einweihung des Dreikönigenhauses soll das Projekt Isso endgültig Fahrt aufnehmen. Die frühere Stadtbibliothek ist die erste von drei Altstadtimmobilien, in denen das gemeinnützige Institut für soziales und nachhaltiges Wirtschaften die Arbeit aufnimmt. Lange wurde geplant, und nach etwa 15 Monaten Bauzeit ist das Dreikönigenhaus von innen kaum wiederzuerkennen. Wo früher Bücherregale dicht an dicht in alten Räumen standen, ist nun alles saniert und umgebaut. Die historischen Elemente des Gebäudes treffen auf viel Glas und eine moderne Ausstattung, in der mittlerweile das Gründerzentrum Isso lab sowie die ersten Start-ups, Initiativen und Firmen ihren Sitz gefunden haben. 60 Prozent der Büros und Arbeitsplätze sind bereits vermietet.

Ein buntes Haus

„Hier können wir jetzt inhaltlich durchstarten“, sagt Görlitz, der sich zusammen mit seinen Kollegen bisher vor allem um bauliche Dinge kümmern musste. Zumindest im Dreikönigenhaus ist das jetzt vorbei, und nun will man alles daran setzen, sich einen Namen zu machen. Die frühere Stadtbibliothek soll ein „buntes Haus“ sein, in dem neue Ideen mit Leben gefüllt, Start-ups bei der Umsetzung ihrer Geschäftsmodelle unterstützt und studentische Projekte angegangen werden, auch in Kooperation mit den Hochschulen der Region.

An der Moselseite soll eine römische Mauer zugänglich gemacht werden.
An der Moselseite soll eine römische Mauer zugänglich gemacht werden.
Foto: Stephanie Mersmann

Ergänzt werden soll dies später durch die Möglichkeiten am Florinsmarkt. Im Bürresheimer Hof soll ein Gästehaus für Tagungs- und Hotelgäste mit Restaurant eingerichtet werden, im Alten Kaufhaus Tagungsräume und eine große Veranstaltungsfläche. Ein moderner Glasbau soll beide Gebäude verbinden und über Treppen und Fahrstuhl erschließen. Bei Ausschachtungsarbeiten an der Stelle, an der der Glasbau entstehen soll, wurden im Sommer allerdings Reste einer römischen Wehrmauer gefunden – und seither suchen Görlitz, Bauexperten und Denkmalschützer nach einer Lösung, wie diese zumindest in Teilen erhalten bleiben und trotzdem der Bau weitergehen kann.

Denn: Der Fahrstuhl muss vom Florinsmarkt aus gesehen zwei Stockwerke tief nach unten führen, damit die Gebäude auch von der (tiefer gelegenen) Moselseite aus barrierefrei erschlossen werden können. Und auch Technikräume müssen just da entstehen, wo noch die Mauerreste liegen. Lösung wird wohl ein kleines Museum an der Moselseite sein, in dem dann ein Teil der Mauer zugänglich ist. Und egal wie: Am Florinsmarkt ist noch viel zu tun. Die Arbeiten werden wohl mindestens bis Ostern 2018 dauern.

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