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Bendorf

Nach Unfall mit Polofahrerin (80): Bendorfer trauern um überfahrenen Jungen (3)

Andreas Egenolf

Es ist ein tragisches Unglück, das in den vergangenen Tagen viele Bewohner von Bendorf und aus der Umgebung geschockt hat: Am Freitagmorgen wurde ein dreijähriger Junge mit seinem Laufrad am Yzeurer Platz von einer 80-jährigen Autofahrerin mit ihrem VW Polo überfahren und rund 18 Meter mitgeschleift. Trotz aller Bemühungen der Ärzte starb er am Abend im Bundeswehrzentralkrankenhaus in Koblenz.

Auch am Montag lässt die Bendorfer das Unglück nicht los. Immer wieder kommen am Morgen Erwachsene und Schulkinder an der Unglücksstelle vorbei, legen Kuscheltiere nieder oder zünden Kerzen an. Viele halten einen Moment inne, betrachten das Bild des kleinen Jungen, das an einem Baum klebt, an dem sich über das Wochenende eine Gedenkstätte entwickelt hat.

Auch ein Mann, Mitte 30, der mit seiner kleinen Tochter auf einem Spielplatz wenige Meter neben der Unglücksstelle steht, ist sichtbar mitgenommen. Im Gespräch wird schnell deutlich, warum: Er gehörte am Freitag zu den Ersthelfern, sagt er. Als das Auto den kleinen Jungen erwischte, stand der Mann, der nur wenige Straßen weiter wohnt, am Waschfrauen-Brunnen und eilte nach dem Aufprall schnell zur Unfallstelle, kümmerte sich mit anderen Helfern um den blutenden Jungen.

„Du versetzt dich in die Lage und kommst nach Hause, siehst dein eigenes Kind, dem es gut geht und dich anlacht. Gleichzeitig siehst du ein anderes Kind vor Augen, das vor dir im Sterben liegt“, versucht der Ersthelfer seine Gemütslage zu beschreiben und spricht von einem „Wochenende zum Vergessen“. Außerdem prangert er an, dass sich niemand an die Schrittgeschwindigkeit hält, die rund um den Yzeurer Platz gilt.

„Auf weniger als die zulässige Geschwindigkeit in einem Spielstraßenbereich könne wir als Stadt die Geschwindigkeit nicht herstellen“, versichert unterdessen Stadtbürgermeister Michael Kessler im Gespräch mit unserer Zeitung. „So ein Unglück ist für die Familie des Kindes und den alten Menschen, der das Auto geführt hat, eine Katastrophe“, sagt Kessler. „Es fehlen einem die Worte bei solch einer Tragödie.“ Die Kritik vieler Bendorfer, dass am Wochenende die Grablichter und Kuscheltiere wegen eines Antik-Flohmarkts auf die gegenüberliegende Straßenseite direkt an die Kreuzung geräumt wurden, teilt Michael Kessler unterdessen nicht. „Der Erinnerungsort wirkt als Warn- und Erinnerungssignal jetzt von allen Seiten, wenn man über den Platz fährt. Das ist so in Ordnung. Es wäre etwas anderes gewesen, wenn jemand alles beseitigt hätte.“

Die Staatsanwaltschaft Koblenz steht unterdessen erst ganz am Anfang ihrer Ermittlungen. „Wir prüfen derzeit, ob gegen die Fahrzeugführerin ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung einzuleiten ist“, teilt Staatsanwalt Rolf Wissen auf Anfrage unserer Zeitung mit. Die Ergebnisse eines entsprechendes Gutachtens zum Unfallhergang würden außerdem womöglich erst in mehreren Wochen vorliegen, so Wissen.

Von unserem Reporter Andreas Egenolf

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