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Bendorf

Nach tödlichem Unfall in Bendorf: Ist der Yzeurer Platz ein gefährliches Pflaster?

Der tragische Unfalltod eines dreijährigen Jungen am Yzeurer Platz in Bendorf hat die Menschen in der Region tief bewegt (die RZ berichtete). Aufgerüttelt durch die Ereignisse vom 4. Mai haben sich einige Anwohner an die RZ gewandt und sich darüber beklagt, dass auf und neben dem Platz ihrer Meinung nach zu schnell gefahren wird – oft viel zu schnell. Dass die Gefahr eines schweren Unfalls – auch mit der Beteiligung von Kindern – aus diesem Grund hoch sei.

Rund um den Yzeurer Platz in Bendorf ist maximal Schrittgeschwindigkeit erlaubt, wie dieses Schild zeigt. Daran halten sich aber bei Weitem nicht alle Autofahrer, was viele Anwohner ärgert.
Rund um den Yzeurer Platz in Bendorf ist maximal Schrittgeschwindigkeit erlaubt, wie dieses Schild zeigt. Daran halten sich aber bei Weitem nicht alle Autofahrer, was viele Anwohner ärgert.
Foto: Andreas Egenolf

An dieser Stelle muss erst einmal klargestellt werden: Was die Gründe für den erwähnten tödlichen Unfall waren, ist nicht geklärt. Die Polizei hat zu keinem Zeitpunkt erklärt, dass überhöhte Geschwindigkeit zu dem Unglück geführt hat. Die Staatsanwaltschaft Koblenz ermittelt weiterhin.

Sigrid Göhringer hat von ihrem Haus aus einen guten Blick auf den Yzeurer Platz. Sie ärgert sich täglich über zu schnell fahrende Autos.
Sigrid Göhringer hat von ihrem Haus aus einen guten Blick auf den Yzeurer Platz. Sie ärgert sich täglich über zu schnell fahrende Autos.
Foto: Volker Schmidt

Das weiß auch Sigrid Göhringer. Sie wohnt direkt am Yzeurer Platz und hat aus ihrem Haus einen unverbauten Blick auf das Verkehrsgeschehen dort – und auch auf die Unfallstelle. Die Seniorin stört schon lange, dass auf dem Platz und auf den Zufahrtsstraßen zu schnell gefahren wird, obwohl es sich um einen verkehrsberuhigten Bereich handelt, indem lediglich Schrittgeschwindigkeit erlaubt ist. Vor allem die Rheinstraße, die vom Hafen hinein ins Zentrum führt, sei für viele „eine Autobahn“. Sie möchte den „traurigen Verkehrsunfall“ zum Anlass dafür nehmen, „dass sofort etwas gegen die unzulässige Fahrweise unternommen werden muss“.

Sie denkt vor allem auch an die Kinder, die den Platz oft auf ihrem Schulweg überqueren oder die auf dem in den Platz integrierten Spielplatz spielen. Göhringer fordert Sofortmaßnahmen von der Stadt, um die Autofahrer dazu zu zwingen, langsamer zu fahren.

Das sieht auch ihr im gleichen Haus wohnender Sohn Hans Martin Göhringer so. Ab 7 Uhr morgens sei „die Hölle los“, sagt er, „alle sind in Zeitnot“. Neun von zehn Autofahrern würden die zulässige Höchstgeschwindigkeit ignorieren. „Geschätzte 60 Stundenkilometer Fahrgeschwindigkeit der Autos sind keine Seltenheit“, schrieb er jetzt sogar in einem Brief an Verkehrsminister Volker Wissing. Insbesondere an dem Kinderspielplatz würden die Autofahrer vorbeirasen. „Die örtlichen, verantwortlichen Organe der Verkehrssicherheit unternehmen nichts, um diesem Missstand durch bauliche Zusatzmaßnahmen oder regelmäßige Verkehrskontrollen ein Ende zu setzen“, heißt es in dem Brief. „Das alleinige Aufstellen der Spielstraßenschilder reicht hier bei Weitem nicht aus.“

Norbert Metternich, der ebenfalls in der Nähe des Yzeurer Platzes wohnt, würde bauliche Maßnahmen für die zweitbeste Lösung halten. „Kontrollen würden helfen“, sagt er. Und das nicht nur in der verkehrsberuhigten Zone um den Yzeurer Platz, sondern schon in der angrenzenden Tempo-30-Zone. Er könne „täglich mehrmals sehen“, wie Autofahrer aus der Unteren Vallendarer Straße und den 30er-Zonen Rheinstraße und Hinter Lenchenshaus in den verkehrsberuhigten Bereich mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit hinein fahren. „Da wundert es einen schon, dass man hier keine Geschwindigkeitskontrollen durchführt, zumal es sich auch um den Schulweg zur Grundschule handelt“, erklärt er gegenüber der RZ. Beschwerden von Bürgern über Geschwindigkeitsübertretungen im Bereich des Yzeurer Platzes sind der Polizei bislang nicht bekannt, sagt der Leiter der Polizeiinspektion Bendorf, Jens Dommeck, auf Anfrage der RZ. Auch habe man keine eigenen Feststellungen gemacht, die dies bestätigen würden. Eine Unfallhäufung in diesem Bereich gebe es nicht. „Da wir keine Auffälligkeiten oder Gefahrenlagen hinsichtlich der Verkehrssicherheit in diesem Bereich festgestellt haben, wurden dort auch keine Geschwindigkeitskontrollen durchgeführt“, so Dommeck.

Auf Nachfrage der RZ bei der Stadt teilt Pressesprecherin Theresa Arztdorf mit, dass die Verwaltung praktisch für jede Straße in Bendorf Hinweise aus der Bevölkerung auf zu schnelles Fahren bekommt. „Dies macht deutlich, dass es sich hier nicht um ein Problem einer speziellen Straße, sondern um ein gesellschaftliches Problem handelt, da sich kaum jemand an die bestehenden Verkehrsregeln hält.“ Was mögliche Maßnahmen betrifft, erklärt Arztdorf, dass man eine Straßenfläche, die für die Feuerwehr, Krankenwagen und Busse befahrbar sein muss, baulich nie so gestalten kann, dass ein Auto die zulässige Geschwindigkeit nicht überschreiten kann.

„Gerade bezüglich der angesprochenen Schwellen ist zu bedenken, dass wegen der Nutzung des Yzeurer Platzes als öffentlicher Parkplatz dort zeitweise ein großes Verkehrsaufkommen herrscht. Die mit Schwellen verbundenen Geräuschbelästigungen würden nach allen Erfahrungen eine Lärmbelästigung auslösen, die keinem Anwohner zumutbar ist“, erklärt Arztdorf. Zu berücksichtigen ist nach Ansicht der Stadt auch, dass der Yzeurer Platz zum Beispiel auch für die Kirmes genutzt wird und somit für Fahrgeschäfte und Ähnliches nutzbar bleiben muss.

„Wir haben als freiwillige Leistung die Zahl unser Geschwindigkeitsmess- und anzeigetafeln von eins auf vier erhöht und setzen diese fast ununterbrochen an den verschiedensten Punkten der Stadt ein“, so die Sprecherin. Sollten diese Messergebnisse darauf hinweisen, dass zu schnell gefahren wird, würde man die Polizei informieren, damit diese Kontrollen durchführt. Vonseiten der Stadt wolle man den Platz jetzt aber vermehrt beobachten, heißt es. Volker Schmidt

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