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    Nach Raubüberfall auf Juwelier: Alltag kommt wieder – Unsicherheit bleibt

    Nach dem Überfall auf das Juweliergeschäft von Michael Müller ist im Betrieb wieder Alltag eingekehrt – aber das Geschehene ist doch ständig präsent. „Natürlich guckt man jetzt noch genauer hin, wer vor der Tür steht“, sagt der Seniorchef. „Aber man kann ja nicht wissen, wer was Böses im Schild führt. Man guckt den Menschen nicht hinter die Stirn.“

    Michael Müller ist froh, dass beim Überfall auf seinen Laden nichts Schlimmeres passiert ist. 
    Michael Müller ist froh, dass beim Überfall auf seinen Laden nichts Schlimmeres passiert ist. 
    Foto: Doris Schneider

    Der Goldschmied, der in der Schlossstraße hochwertigen Schmuck und Uhren verkauft, hat ohnehin schon einige Sicherheitsmaßnahmen ergriffen. Die Ladentür ist beispielsweise immer verschlossen. Wenn man klingelt, wird man erst einmal in Augenschein genommen. Erst wenn man diesen ersten Test bestanden hat, wird die Tür geöffnet.

    Das wussten offensichtlich auch die drei Täter, die den Laden am 6. April überfallen haben: „Es stand nur einer vor dem Eingang“, berichtet Michael Müller. Zwei andere Männer drängten sich dann von rechts und von links mit in die Tür, die der Komplize für sie offenhielt. Sie drohten mit Schusswaffen, stahlen teure Uhren und flüchteten mit Fahrrädern durch die gegenüberliegende Passage Richtung Altlöhrtor. Die Polizei löste sofort eine Großfahndung aus – doch die blieb ohne Erfolg. „Über den derzeitigen Stand der Ermittlungen kann aus ermittlungstaktischen Gründen nichts gesagt werden“, so Polizei-Pressesprecherin Claudia Müller.

    Michael Müller war selbst nicht bei dem Überfall dabei, und die Mitarbeiterin, die die Tat hautnah erlebt hat, möchte über die Geschehnisse nicht mit der Presse sprechen. „Das muss sie selbst entscheiden“, sagt der Seniorchef. Auch, ob sie die angebotene Hilfe durch Polizeipsychologen annimmt. „Alle Mitarbeiter werden auf die Möglichkeit des polizeilichen Opferschutzes hingewiesen. Hierbei setzt sich besonders geschultes Personal mit den Geschädigten von Straftaten zusammen und bietet Hilfestellungen bei der Verarbeitung solcher Ereignisse an“, so Claudia Müller. Außerdem bietet die Polizei von technischer Seite her eine Beratung an, bei der sich Polizeibeamte die örtlichen Gegebenheiten anschauen und mögliche Schwachstellen im Sicherheitskonzept aufzeigen.

    Mit einem Überfall muss man in seiner Branche tatsächlich immer rechnen, sagt Michael Müller, dessen Großvater in den 20er-Jahren in Koblenz den Juwelierladen gegründet hatte. Fast alle Kollegen haben eine solche Überfall-Erfahrung schon machen müssen. „Totalen Schutz gibt es nicht, da müsste man ausverkaufen und das Geschäft schließen“, sagt der 61-Jährige.

    Der Juwelier in der Schlossstraße wurde am Donnerstag überfallen - hier Polizisten bei der Spurensicherung.
    Der Juwelier in der Schlossstraße wurde am Donnerstag überfallen - hier Polizisten bei der Spurensicherung.
    Foto: Sascha Ditscher

    Zu große Sicherheitsmaßnahmen können sich sogar ins Gegenteil verkehren, berichtet er: Ein Bekannter aus einer anderen Stadt hatte seinen Laden extrem gut geschützt – Poller vor der Tür, sodass niemand mit dem Auto hineinfahren kann, extrem sichere Türen und Fenster. Verbrecher versuchten dann, mit Sprengstoff in den Laden zu kommen. Das schafften sie zwar nicht – aber beim Versuch gab es einen immensen Schaden an der Hausfassade.

    Michael Müller sieht die Situation nach dem Überfall recht gelassen. Bis auf den Schock, den die Mitarbeiter erlitten haben natürlich. „Das Wichtigste ist doch, dass niemandem etwas passiert ist.“ Zwar gibt es einen materiellen Schaden, den aber überwiegend die Versicherung übernimmt. „Aber sonst ist das doch wie bei einem Unfall: Klar ist es nicht schön, wenn der Wagen kaputt ist, aber das Wichtigste ist doch, dass niemand verletzt wird.“

    Der Laden ist ein Familienunternehmen – und ein bisschen doch auch ein Zufall. Der Großvater war nach dem Tod seines Vaters in die Familie eines Onkels aufgenommen worden und musste da als Kaufmann in dessen Geschäft mitarbeiten. Mit diesen Erfahrungen gründete Carl Willy Müller dann als junger Mann den Juwelierladen. Sein Sohn wurde Goldschmied und führte das Unternehmen fort, ebenso wie dessen Sohn, der heutige Seniorchef Michael Müller. Mit Sohn Matthias ist nun schon die vierte Generation in dem Laden, der sich schon seit vielen Jahrzehnten im Haus in der Schlossstraße befindet. Druck, in die Fußstapfen des Vaters zu treten, hatte Michael Müller nie, sagt er, ebenso wenig wie sein Sohn. „Aber es ist einfach ein toller Beruf, der Handwerk und Kunst verbindet.“

    Von unserer Redakteurin Doris Schneider

    Fahndung nach den Tätern läuft noch

    Die drei Männer, die den Juwelierladen am Donnerstag, 6. April, um 10.22 Uhr überfallen haben, werden von Zeugen wie folgt beschrieben:

    1. Mann: etwa 25 bis 30 Jahre alt, er trug einen grauen Anzug, einen weißen Pullover, schwarze Brille und eine graue „Schieberkappe“.

    2. Mann: 25 bis 30 Jahre alt, kräftige Statur, Glatze oder ganz kurze Haare, graue Hose, Baseballkappe und Jacke in Tarnfarben.

    3. Mann: Er trug einen grauen Kapuzenpullover, eine Baseballkappe, rote oder rostfarbene Hose und eine schwarze Umhängetasche.

    Der Polizei liegen Hinweise vor, dass diese Personen (mit Fahrrädern) gegen 9.45 Uhr am 6. April auf der Metternicher Seite unter der Kurt-Schumacher-Brücke, unterhalb des Uni-Parkplatzes, gesichtet wurden. Zeugen, die die Männer dort gesehen haben oder den Überfall in der Schlossstraße beobachtet haben, werden gebeten, sich bei der Polizei zu melden: Telefon 0261/1031. Die Männer waren Richtung Altlöhrtor geflohen. Auch Personen, die vor dem Überfall (oder auch an den Tagen zuvor) Beobachtungen gemacht haben, die mit dem Raubüberfall in Verbindung stehen könnten, sollen sich melden.

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