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Koblenz

Nach Feuer in Koblenzer Altstadt: Experten suchten zwei Tage nach Brandursache

Peter Karges

Flammen schlagen am Mittwochmorgen aus dem Dach des Wirtshauses Alt Coblenz am Plan. Den Gesamtschaden am Gebäude schätzt die Polizei auf insgesamt mehrere 100.000 Euro. Doch wie ist es zu dem Brand gekommen?

Leserin Astrid Berres hat uns dieses Foto geschickt.
Leserin Astrid Berres hat uns dieses Foto geschickt.
Foto: Astrid Berres

Sachverständige haben zwei Tage lang in dem Gebäude, in dem auch das Wirtshaus Alt Coblenz angesiedelt ist, nach der Ursachen für den Brand untersucht. Die Flammen, die am frühen Mittwochmorgen aus dem Dach des historischen Gebäudes schlugen, waren weithin sichtbar.

Nach ausgiebigen Ermittlungen steht nun fest: Das Feuer brach in der Zwischendecke oberhalb der Küche aus, teilte die Polizei auf Nachfrage unserer Zeitung mit. Ursache war ein technischer Defekt, Brandstiftung kann ausgeschlossen werden, so die Kriminalpolizei, deren Brandsachverständige das historische Gebäude in den vergangenen zwei Tagen eingehend unter die Lupe genommen haben.

Besagte Zwischendecke befindet sich im Parterre an der Rückseite des im späten 18. Jahrhundert errichteten Gebäudes. Der Brand fraß sich rasch durch den Kamin nach oben in den Dachstuhl. „Und auf dem Speicher fand das Feuer dann schnell Nahrung“, sagt Joe Wilbert, Inhaber des Alt Coblenz’ gegenüber unserer Zeitung. „Bei allem Unglück bin ich aber vor allem froh, dass niemand zu Schaden gekommen ist“, ergänzt der Gastronom, der seit 1994 das Lokal mit den urigen Kellergewölben führt.

Die Bewohner oberhalb der Gaststätte konnten sich selbst aus dem Haus retten. Nach Auskunft der Feuerwehr leben sie zurzeit bei Freunden und Bekannten, in dem Gebäude wohnen können sie jedenfalls nicht. „Jenseits der Wasserschäden gibt es weder Strom noch Gas in dem Haus“, sagt Oliver Peikert, der den Einsatz der Koblenzer Berufsfeuerwehr leitete. Wann das Haus wieder bewohnbar sein wird, ist zurzeit noch unklar, einsturzgefährdet soll es aber nicht sein. „Der Baustatiker hat dies verneint“, erläutert Peikert.

Eingerüstet und verhüllt: Wann das Gebäude am Plan, in dem sich das Wirtshaus Alt Coblenz befindet, wieder bewohnt werden kann, ist zurzeit noch nicht zu sagen. Absperrgitter verhindern, dass Passanten dem Haus zu nahe kommen. Auch der Durchgang zur Liebfrauenkirche ist gesperrt.
Eingerüstet und verhüllt: Wann das Gebäude am Plan, in dem sich das Wirtshaus Alt Coblenz befindet, wieder bewohnt werden kann, ist zurzeit noch nicht zu sagen. Absperrgitter verhindern, dass Passanten dem Haus zu nahe kommen. Auch der Durchgang zur Liebfrauenkirche ist gesperrt.
Foto: Thomas Frey

Für Wilbert, den die Polizei gegen sieben Uhr morgens informiert hatte, war der Brand natürlich ein Schock. „Es ist so, als ob eine große Liebe einen verlassen hätte.“ Aber er will weitermachen. „Ich hoffe, dass ich in ein paar Monaten wieder aufmachen kann“, sagt der gebürtige Horchheimer, der seit 1979 als Gastronom in der Altstadt tätig ist. Seinen Schaden schätzt er auf 70.000 bis 80.000 Euro. Und dies nur für die Küche und die verdorbenen Lebensmittel, den Verdienstausfall nicht eingerechnet. Naturgemäß ein Tiefschlag. „Aber ich habe sehr viel Zuspruch bekommen, teilweise von Menschen, die ich kaum oder gar nicht kenne. Fremde und Freunde schreiben mir E-Mails oder legen Blumen vor meine Wohnungstür, das gibt einem sehr viel Kraft“, sagt Wilbert.

In den vergangenen mehr als 200 Jahren hat das 1778/1779 errichtete Haus eine bewegte Geschichte erlebt. „Unter anderem war hier eine Weinhandlung und eine Schnapsbrennerei drin“, berichtet Wilbert. Die Fässer lagerten in den Kellergewölben. Auch der Erzbischof soll hier mal gewohnt haben. Im Parterre dominierte hingegen, zumindest in der jüngeren Vergangenheit, stets die Gastronomie, von der schnellen bis zur gehobenen Küche. Dass das Alt Coblenz bald wieder Gäste empfangen kann, hoffen mit Joe Wilbert wohl zahlreiche Koblenzer.

Von unserem Mitarbeiter Peter Karges
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