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Koblenz

Nach Brand in Koblenzer Altstadt: Bewohner müssen für viele Monate andere Unterkunft finden

Doris Schneider

Wenn Heike und Norbert Lambach aus dem Fenster ihrer Übergangswohnung gucken, dann sehen sie die Liebfrauenkirche und sie schauen auf das Dach ihres eigentlichen Zuhauses. „Da können wir gucken, wie die Arbeiten vorangehen“, sagt Norbert Lambach und lacht. Das Ehepaar wohnt eigentlich im Haus „Am Plan“ 13, in dessen Erdgeschoss und Keller sich das Alt Coblenz befindet. Am 23. Mai hat es in dem Haus gebrannt – seitdem ist es unbewohnbar.

Noch lange wohl wird das Haus „Am Plan“ verhüllt sein, die Arbeiten sind sehr aufwendig. Am frühen Morgen des 23. Mai hatte das historische Gebäude gebrannt. Wäre die Feuerwehr nicht so schnell zur Stelle gewesen, hätte viel mehr passieren können.
Noch lange wohl wird das Haus „Am Plan“ verhüllt sein, die Arbeiten sind sehr aufwendig. Am frühen Morgen des 23. Mai hatte das historische Gebäude gebrannt. Wäre die Feuerwehr nicht so schnell zur Stelle gewesen, hätte viel mehr passieren können.
Foto: Sascha Ditscher

Die Lambachs sind in einem Appartement in der Gymnasialstraße untergekommen, nachdem sie erst ein paar Tage in einer anderen Ferienwohnung überbrückt haben. „Wir sind total froh, dass wir in der Altstadt bleiben konnten“, sagt der 66-Jährige. Und auch in anderer Hinsicht hatten sie großes Glück: Denn während andere Wohnungen im Haus durch Feuer oder Löschwasser extrem beschädigt sind und die Bewohner nur mit Schutzanzügen ins Haus durften, ist die Wohnung der Lambachs weniger stark betroffen. Zwar quellen die Böden auf und die Türen schließen nicht mehr, aber ein ganz großer Teil der Möbel, Einrichtungsgegenstände und Kleidungsstücke ist völlig unversehrt. Und vieles haben Norbert Lambach und seine Frau auch rausgeholt und in die Ferienwohnung mitgenommen: Computer und Gitarre, Gewürze und Gläser, natürlich ihre Klamotten. „Auch die Skisachen“, sagt Lambach. Die sind im Wohnwagen zwischengelagert, wie vieles andere auch. Wie lange? Das weiß keiner so genau. Die Lambachs haben vorsichtshalber ihr derzeitiges Appartement mal bis April reserviert.

Noch lange wohl wird das Haus „am Plan verhüllt sein, die Arbeiten sind sehr aufwendig. Am frühen Morgen des 23. Mai hatte das historische Gebäude gebrannt (Bild unten rechts). Wäre die Feuerwehr nicht so schnell zur Stelle gewesen, hätte viel mehr passieren können.  Fotos: Norbert Lambach (2), Sascha Ditscher, Doris Schneider
Noch lange wohl wird das Haus „am Plan verhüllt sein, die Arbeiten sind sehr aufwendig. Am frühen Morgen des 23. Mai hatte das historische Gebäude gebrannt (Bild unten rechts). Wäre die Feuerwehr nicht so schnell zur Stelle gewesen, hätte viel mehr passieren können. Fotos: Norbert Lambach (2), Sascha Ditscher, Doris Schneider
Foto: Norbert Lambach

Das Haus am Plan wird im Übrigen komplett leer geräumt, berichtet der 66-Jährige. Alle Möbel, alles, was drin ist, wird zwischengelagert und später wieder ins Haus geschafft. Wie aufwendig die Sanierung des 1778/79 erbauten Hauses ist, ist noch völlig unklar. Das Feuer ist vermutlich durch einen Kabelbrand in der Decke über der Küche ausgebrochen, die im rückwärtigen Teil des Hauses im Erdgeschoss liegt. Von da hat es sich wohl durch die Lüftung nach oben gefressen, sodass auch das Dach teilweise zerstört ist. Und auch die Arbeit der Feuerwehr, so notwendig sie ist, hinterlässt Spuren, nicht nur durch Löschwasser und Schaum: „In vielen Wohnungen mussten Böden oder Wände geöffnet werden, um Glutnester zu löschen“, sagt Lambach, der die Wehrleute sehr lobt: „Sie haben wirklich einen tollen Job gemacht.“

Leserin Astrid Berres hat uns dieses Foto geschickt.
Leserin Astrid Berres hat uns dieses Foto geschickt.
Foto: Astrid Berres

Finanziell kommen die meisten Eigentümer wohl einigermaßen ordentlich aus der Sache raus. Denn die Gebäudeversicherung übernimmt die Kosten, die ihnen an Mietausfällen entstehen. Die Lambachs sind eine von zwei Parteien im Haus, die selbst in der eigenen Wohnung wohnen, die meisten sind vermietet. Und das Ehepaar hat zudem eine gute Hausratversicherung – ob das bei allen Nachbarn in den insgesamt zehn Wohnungen der Fall ist, wissen sie nicht. Und trotzdem: „Ich bin wirklich froh, dass ich in Rente bin und Zeit habe, mich um diese Dinge zu kümmern“, sagt Lambach.

Bei allen Bewohnern aber überwiegt das Glück, dass man wirklich noch mal mit dem Schrecken davon gekommen ist. Und der war groß. Um Viertel vor 6 hat bei den Lambachs am 23. Mai der Wecker geklingelt. Der 66-Jährige ist aufgestanden und in die Küche gegangen. Irgendwas roch komisch. Und dann hörte er die Martinshörner der Feuerwehr. Vor dem Haus stoppten sie.

„Wir müssen raus“, war dem Ehepaar gleich klar. Eine Hose und Schuhe übergestreift, Heike Lambach warf ein paar wichtige Dinge und Papiere in ihren Rucksack, nichts wie raus. Der Hauseingang ist in der Gasse gegenüber vom „Barock“. „Und da standen schon Feuerwehrleute und sagten: ,Ach, da sind ja schon welche.‘“ Schnell fanden sich alle Bewohner des Hauses auf dem Plan ein, nur ein Paar fehlte. Aber die Feuerwehr konnte Entwarnung geben: In der Wohnung waren sie nicht mehr, wahrscheinlich im Urlaub.

„Die Unterstützung war enorm“, sagt Lambach. Natürlich waren alle trotzdem geschockt, aber ganz klar überwog die Freude, dass niemandem etwas passiert ist. „Wenn es drei, vier Stunden früher passiert wäre ...“ Daran denkt Norbert Lambach oft. Das hätte ganz anders ausgehen können. Angst hat er deswegen aber keine, auch keine schlaflosen Nächte. „Ich habe einen tiefen Schlaf, daran hat sich nichts geändert.“ Dabei stören ihn auch die Glocken der Liebfrauenkirche nicht – weder in seinem eigentlichen Zuhause noch im derzeitigen.

Von unserer Redakteurin Doris Schneider

Bewohner können nicht in ihre Wohnungen

"Klar ist das nicht schön, dass man vielleicht ein Jahr lang nicht in sein Zuhause kann. Aber es ist niemandem was passiert, das ist doch das Allerwichtigste. Und wir haben sogar großes Glück, weil bei uns sehr wenig zerstört wurde."

Norbert Lambach.
Norbert Lambach.
Foto: Doris Schneider

Norbert Lambach und seiner Frau Heike gehört eine der zehn Wohnungen im Haus „Am Plan“ 13, das durch einen Brand so in Mitleidenschaft gezogen wurde, dass es sehr lange unbewohnbar bleiben wird. Davon ist auch die Gaststätte Alt Coblenz betroffen.

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