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    Nach Bombenfund in Koblenz: So läuft die Evakuierung am Samstag ab

    Es bleibt dabei: Am kommenden Samstag, punkt 13 Uhr, müssen alle, die im Evakuierungsgebiet leben und arbeiten, wegen der Entschärfung der Bombe am Finkenherd die Häuser verlassen haben. Wer sich widersetzt, muss mit Geldbußen rechnen.

    Die 500-Kilogramm-Sprengbombe steht in einem Winkel von rund 70 Grad in der Kitabaugrube am Finkenherd auf der Karthause. Der Doppelzünder macht die Arbeit für den Kampfmittelräumdienst nicht einfacher.
    Die 500-Kilogramm-Sprengbombe steht in einem Winkel von rund 70 Grad in der Kitabaugrube am Finkenherd auf der Karthause. Der Doppelzünder macht die Arbeit für den Kampfmittelräumdienst nicht einfacher.
    Foto: dpa

    Die Zeit der Appelle und guten Zuredens ist vorbei, weil es seit dem 1. Juli eine gesetzliche Grundlage für Strafen gibt. Details zu dem bevorstehenden Großeinsatz wurden am Donnerstag im Rathaus bekannt gegeben. Das Bürger-Infotelefon 0261/404 04 80 00 ist eingerichtet. Auch können Fragen per Fax an 0261/446 60 gestellt werden.

    „Das ist alles kein Spaß“, betonte Joachim Hofmann-Göttig an die Adresse all derjenigen, die davon ausgehen, dass der Evakuierungsring zu groß gezogen wurde. Der Oberbürgermeister ergänzte: „Der Evakuierungskreis muss geschlossen werden.“ Denn für den Fall, dass etwas schiefgehen sollte, sind auch am Rande dieses Kreises Schäden möglich, umherfliegende Glasscherben könnten zu schlimmen Verletzungen führen. Meik Maxeiner rechnete vor: zwei Meter Rundumabstand auf ein Kilogramm Sprengstoff. Der Leiter des Amtes für Brand- und Katastrophenschutz verwies darauf, dass es sich um eine US-Sprengbombe vom Typ GP 1000 handelt – diese gehört in die Kategorie der 500-Kilogramm-Bomben und hat einen weiten Wirkungskreis.

    Besonders unangenehm: Die Bombe steckt in einem Winkel von rund 70 Grad in der Baugrube der künftigen Kindertagesstätte und hat zwei Zünder, die in keinem guten Zustand sind. Auf den Kampfmittelräumdienst wartet also eine knifflige und gefährliche Aufgabe. Aus den Berechnungen ergibt sich ein Evakuierungsradius von jeweils einem Kilometer nach allen Seiten, unter dem Strich ist also eine Fläche von rund vier Quadratkilometern betroffen. Betroffen sind also die Stadtteile Goldgrube, Karthause, Moselweiß und Vorstadt. Im definierten Bereich leben rund 21.000 Menschen. Diese zweitgrößte Zahl in der langen Geschichte der entschärfungsbedingten Evakuierungen lässt sich relativ leicht errechnen. Meik Maxeiner verwies auf die enge Zusammenarbeit mit der Statistikstelle der Stadt. Diese führt auch das Straßenverzeichnis, in dem auch die Zahl der Anwohner registriert ist. Und die sollen nach Möglichkeit so schnell wie möglich in ihre Wohnungen zurückkehren dürfen. Die eigentliche Entschärfung soll um 15 Uhr beginnen, ein Ende ist naturgemäß nicht abzusehen. Die Teilnahme der beiden Galerien in diesem Gebiet an der Museumsnacht ist nicht gefährdet. Und auch die Vorstadtkirmes, kann – abgesehen von der Unterbrechung – gefeiert werden.

    Auf die Einsatzkräfte, die zum großen Teil ehrenamtlich unterwegs sind, wartet eine große logistische Herausforderung. So müssen zwei Altenheime, die Justizvollzuganstalt und das Brüderhaus evakuiert werden. Im Katholischen Klinikum laufen bereits jetzt die Vorbereitungen, weil Kranke vorübergehend in den Marienhof verlegt werden müssen. Die Evakuierung am Brüderhaus beginnt am Samstag um 8 Uhr. Unmittelbar nach der Bombenentschärfung soll die Rückverlegung erfolgen.

    Auswirkungen hat die Evakuierung auch auf den Bahnverkehr. Der Hauptbahnhof und der Bahnhof Moselweiß müssen komplett geräumt werden. Und auch der Schienenverkehr an Rhein und Mosel muss unterbrochen werden. Allerdings werden die Züge bis kurz vor Beginn der Entschärfung fahren. Ganz anders ist die Situation am Hauptfriedhof: Er wird am Samstag komplett geschlossen bleiben, weil das Gelände zu groß und obendrein nur schwer überschaubar ist.

    Bleibt die Frage, warum die Räumung nicht wie sonst auch an einem Sonntag erfolgt. Die Antwort: Dann hätte die Premiere des Stadtmarathons abgesagt werden müssen. Feuerwehr, Polizei und Hilfsdienste haben also sehr flexibel reagiert. Jetzt hoffen alle, dass die Bevölkerung kooperativ ist.

    Von unserem Mitarbeiter Reinhard Kallenbach
     

    Bomben halten Koblenz in Atem

    Koblenz. In Koblenz und Umgebung werden bei Bauarbeiten immer wieder Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden. Die Blindgänger stellen noch immer eine große Gefahr dar. Ein Überblick über die wichtigsten Funde und größeren Entschärfungsaktionen der vergangenen Jahre:

    20. April 2017: Zum zweiten Mal wird eine US-Fliegerbombe auf der Großbaustelle des neuen Rewe-Zentrallagers im Gewerbegebiet Kesselheim entdeckt. Für die Sprengung am Abend müssen 14 Betriebe und ein Wohnhaus evakuiert werden.

    24. Januar 2017: Bei Baggerarbeiten in der Mosel wird eine sogenannte Mehrzweckbombe gefunden. Das Relikt hat jedoch keinen Zünder mehr und muss daher nicht entschärft werden.

    23. November 2016: Der Kampfmittelräumdienst entschärft eine US-Fliegerbombe auf dem Rewe-Gelände in Kesselheim. Bei dem kniffligen Einsatz müssen mehrere Firmen evakuiert werden. Die Aktion verläuft problemlos.

    18. Oktober 2016: Die Entschärfung einer britischen Fliegerbombe bei Wolken ist nicht kompliziert, zieht sich aber in die Länge. Die Spezialisten warten lange auf den Polizeihubschrauber, der sicherstellen soll, dass sich im Umkreis von 500 Metern niemand aufhält. Da dieser in einem anderen Einsatz ist, geht man die Gegend schließlich zu Fuß ab.

    25. Oktober 2015: Die Entschärfung einer 250-Kilogramm-Fliegerbombe an der Schenkendorfschule ist für den Kampfmittelräumdienst mühsam und nervenaufreibend. Das Weltkriegsrelikt muss aus vier Meter Tiefe von Hand freigelegt und der Zünder mithilfe einer Spezialschablone herausgebohrt werden. Die Evakuierung der rund 5000 Bewohner, darunter viele ältere und kranke Menschen, verläuft hingegen problemlos.

    30. August 2015: Erfolgreich, aber nicht unproblematisch ist die Entschärfung einer Fliegerbombe auf dem Gelände des früheren Stadtbads. Die 1000-Kilogramm-Bombe stellt mit zwei Zündern und Beschädigungen eine Herausforderung für die Experten dar. Außerdem verlassen einige der 10.000 Bürger ihre Wohnungen nur unter Zwang, und ein Gaffer behindert den Einsatz.

    21. August 2015: Nur eine halbe Stunde benötigt der Kampfmittelräumdienst, um eine amerikanische Fliegerbombe in Lützel zu entschärfen. Trotzdem müssen die Bewohner aus Sicherheitsgründen in einem Radius von 300 Metern evakuiert werden. Und auch der Zug- und Schiffsverkehr müssen kurzzeitig ruhen.

    31. Oktober/19. Dezember 2014: Obwohl die Grundstücke im Vorfeld der Bauarbeiten untersucht wurden, findet man innerhalb weniger Wochen zwei Bomben im Neubaugebiet „Südliches Güls“. Im Oktober wird eine 500-Kilo-Bombe entschärft. Etwa 4000 Anwohner müssen zeitweise ihr Zuhause verlassen. Betroffen ist unter anderem das Seniorenzentrum. Dieses muss auch bei der Entschärfung eines 250-Kilo-Relikts im Dezember geräumt werden. Rund 2300 Menschen müssen ihre Häuser verlassen.

    4. Dezember 2011: Bei der bisher größten Evakuierung nach dem Zweiten Weltkrieg werden 45.000 Koblenzer in Sicherheit gebracht. Betroffen ist auch die Justizvollzugsanstalt auf der Karthause. Entschärft werden mehrere Sprengkörper, darunter eine 1,8 Tonnen schwere Luftmine im Rhein. Diese könnte Häuser im Umkreis von 1800 Metern beschädigen oder zerstören. 2500 Einsatzkräfte aus dem ganzen Land sind beteiligt. Nach etwa drei Stunden ist die Mine unschädlich gemacht. eng

    Großeinsatz in Koblenz: Wie vier Männer die Weltkriegsbombe entschärftenEinsatz: Uneinsichtige Bürger vergrößern Aufwand für HelferVerkehr: Im Koblenzer Bahnhof hielt vier Stunden lang kein ZugEvakuierung: Bombenfund weckt auch KriegserinnerungenBilder vom Entschärfungssamstagweitere Links
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