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Koblenz

Mord in Neuendorf: Starb Ozan für Schmuck und etwas Bargeld?

Ingo Schneider

Im Mordfall Servet „Ozan“ Kuru hat die Staatsanwaltschaft Koblenz jetzt Anklage wegen des Verdachts des Mordes und des Raubes mit Todesfolge erhoben – und zugleich Einzelheiten der brutalen Tat berichtet.

In der Hochstraße 39 in Neuendorf – das beigefarbene Haus in der Mitte des Fotos – lebte Servet Kuru, und hier fand die Polizei am 11. Februar seinen Leichnam.
In der Hochstraße 39 in Neuendorf – das beigefarbene Haus in der Mitte des Fotos – lebte Servet Kuru, und hier fand die Polizei am 11. Februar seinen Leichnam.
Foto: Archiv Reinhard Kallenbach

Der Angeschuldigte, ein 49-jähriger Deutscher, soll demnach sein Opfer in dessen Wohnung im Erdgeschoss in der Neuendorfer Hochstraße 39 brutal mit einem Messer getötet haben. Mehrfach wurde der 58-jährige türkische Staatsangehörige in Brust, Hals und Gesicht getroffen.

„Servet Kuru wurde durch die Stiche so schwer verletzt, dass er infolge des Blutverlustes starb“, berichtet der Leitende Oberstaatsanwalt Harald Kruse. Dabei sei es dem Mann aus Koblenz darum gegangen, „an dessen Vermögenswerte zu gelangen“, so Kruse.

Die Tat ereignete sich laut Anklageschrift zwischen dem 8. und 9. Dezember 2017, wobei der Zeitpunkt nicht näher bestimmt werden könne. Kruse: „Nach den Messerstichen soll der Angeschuldigte neben Schmuck und Bargeld in Höhe von mehreren Hundert Euro auch den Vespa-Roller entwendet haben.“

Der Angeklagte soll auch den Roller von Ozan gestohlen haben und mehrere Tage damit umhergefahren sein.
Der Angeklagte soll auch den Roller von Ozan gestohlen haben und mehrere Tage damit umhergefahren sein.
Foto: Polizei

Diesen soll er ein paar Tage genutzt und dann auf einem Parkplatz zurückgelassen haben. Von dem Geld, so die Anklage, hat er sich Unterhaltungselektronik gekauft, die Wertgegenstände an verschiedene Abnehmer verkauft – unter anderem an Pfandhäuser.

Die Anklage lautet auf Mord und Raub mit Todesfolge – und damit droht im Falle einer Verurteilung lebenslange Haft. „Wegen Mordes macht sich unter anderem strafbar, wer einen Menschen aus Habgier oder um eine andere Straftat zu ermöglichen tötet“, erläutert die Staatsanwaltschaft.

Ein Raub mit Todesfolge liegt vor, wenn der Täter durch einen Raub den Tod eines anderen Menschen wenigstens leichtfertig verursacht. Auch für diesen Anklagepunkt sieht das Strafgesetzbuch eine mögliche lebenslange Haft vor, zumindest aber eine Freiheitsstrafe nicht unter zehn Jahren. Ein Termin für die Hauptverhandlung vor dem Landgericht Koblenz wurde noch nicht bestimmt.

Der Angeschuldigte befindet sich seit dem 8. März 2018 in Untersuchungshaft. Laut Oberstaatsanwalt Harald Kruse bestreitet er die Tatvorwürfe. Das hatte er auch bereits bei seiner Verhaftung getan. Aber wegen des dringenden Tatverdachts gegen ihn und wegen Fluchtgefahr hatte die Ermittlungsrichterin Haftbefehl erlassen. Damals ging man davon aus, dass der 49-Jährige bei Kuru regelmäßig sogenannte Kräutermischungen, eine Art Droge, erworben habe – und dabei erfahren habe, dass bei diesem Bargeld und Wertgegenstände zu erbeuten waren.

Am Karnevalssonntag, dem 11. Februar 2018, war die Leiche von Servet Kuru gefunden worden, nachdem eine Nachbarin eine Vermisstenanzeige gestellt hatte. Die Sonderkommission „Roller“ nahm intensive Ermittlungen auf. Ende Februar ging die Polizei an die Öffentlichkeit, suchte mit Plakaten nach Zeugenhinweisen und sprach dabei explizit von Mord.

Eine wichtige Rolle bei den Ermittlungen spielte von Anfang an der braune Roller, zugleich Namensgeber für die Soko, mit dem Kuru regelmäßig unterwegs war. Zum anderen beschäftigte die Ermittler ein lautstarker Streit, in den Kuru vor der Tat am Lützeler Netto-Markt in der Neuendorfer Straße geraten sein soll.

Laut Polizei hatte er sich überwiegend dort und am Güterbahnhof in Lützel aufgehalten, aber auch im Bereich unterhalb der Balduinbrücke, am Rewemarkt im Rauental und am Hauptbahnhof. Sein Vespa-Roller war auf dem Parkplatz des Lidl-Markts im Wallersheimer Weg gefunden worden, wo er bereits seit Anfang des Jahres gestanden hatte.

Das Mordopfer: Servet Kuru, genannt Ozan.
Das Mordopfer: Servet Kuru, genannt Ozan.
Foto: Polizei

Anwohner und Passanten beschrieben Kuru gegenüber unserer Zeitung als sehr zurückhaltend. Die Frau, die die Vermisstenanzeige gestellt hatte, sprach dagegen von einem „wirklich guten Nachbarn“, mit dem sie regelmäßigen Kontakt gehabt hatte. Seit 2003 habe er in dem Haus gewohnt. Als sie ihn dann über Wochen nicht gesehen hatte, wurde sie misstrauisch.

Neben dem 49-jährigen Angeschuldigten hatten die Ermittler zunächst auch einen 53-jährigen Mann im Visier. Bei diesem war ebenfalls eine Dursuchung durchgeführt. Aber nachdem sich der Tatverdacht nicht weiter bestätigte, wurde der Mann aus dem Polizeigewahrsam wieder entlassen.

Von unserem Redaktionsleiter Ingo Schneider

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