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    Bendorf

    Kurios: Briefe brennen und keinen interessiert es (?)

    Wohin nur mit den brennenden Briefen? Das dachte sich Stefan Brog, als er im Brexbachtal bei Bendorf einen rauchenden Papierhaufen fand. Inzwischen ist bekannt, dass es sich um eine nicht zugestellte Postsendung mit 1500 Briefen und Schriftstücken handelte, die er entdeckte. Nicht bekannt ist aber, welche Probleme Brog hatte, einen zuständigen Ansprechpartner zu finden. Der RZ schilderte der Neuwieder seine Odyssee:

    Stefan Brog zeigt die Stelle, an der er am 31. August die brennenden Briefe fand. Von dem Aschehaufen hatte er damals auch Fotos gemacht.
    Stefan Brog zeigt die Stelle, an der er am 31. August die brennenden Briefe fand. Von dem Aschehaufen hatte er damals auch Fotos gemacht.
    Foto: Volker Schmidt

    Es ist der 31. August: Auf dem Weg ins Brexbachtal fällt Stefan Brog, der dort die Zeltplätze für die Pfadfinder verwaltet, gegen 10.30 Uhr ein rauchender Papierhaufen auf. Zunächst denkt er sich nicht viel dabei, ärgert sich nur darüber und fragt sich: „Wer hat denn da ein Feuer mitten auf dem Parkplatz gemacht?“ Als er eine Stunde später wieder an der Stelle vorbeikommt, raucht der Aschehaufen immer noch. Brog wird neugierig, sieht nach und erkennt an den zum Teil noch gut zu erkennenden Adressen und Briefmarken, dass es sich vermutlich um nicht zugestellte Post handelt. Verdächtige Personen sieht er aber nicht. Die Schranke, durch die die Straße abgesperrt ist, ist geschlossen. Wer auch immer die Briefe verbrannt und zurückgelassen hat, ist also nicht mit dem Auto gekommen.

    Er packt ein paar Briefe in einen Eimer und fährt damit zur Polizei. Nach Schilderung des Erlebten, erklärt ihm der Beamte auf der Wache, dass die Polizei in diesem Fall nicht zuständig ist. Brog geht zur Postfiliale im Bendorfer Kaufland und fragt auch dort nach. Auch die Mitarbeiterinnen erklären, dass sie nicht zuständig sind und geben ihm eine Telefonnummer, die er anrufen kann. Brog fährt noch mal ins Brexbachtal und stellt die Reste der Briefe sicher. Danach ruft er noch mal bei der Polizei an, um sich zu vergewissern, dass diese wirklich nicht zuständig ist. Nachdem ihm das erneut bestätigt wird, wählt er die Nummer, die er von den Mitarbeiterinnen der Postfiliale bekommen hat. Nach mehreren Sprachansagen landet er bei der Reklamation. Ein Mitarbeiter erklärt, dass er nicht zuständig ist. Er solle aber in der Leitung bleiben und anschließend die 6 wählen. Auch dieser Mitarbeiter ist nicht zuständig. Danach soll er die 4 wählen. Wieder fühlt sich keiner zuständig. Er erhält eine weitere Telefonnummer für Geschäftskunden. Auch diese Mitarbeiter sind nicht zuständig und verweisen an die Postfiliale in Bendorf. „Aber da war ich ja schon“, sagt Brog, der inzwischen richtig sauer ist.

    Nachmittags fragt er noch mal im Postverteilzentrum in Neuwied nach. Hier erhält er eine weitere Telefonnummer, erreicht darunter aber niemanden mehr. Nachdem er abends mit Freunden über die Sache geredet hat, schreibt er über ein Kontaktformular auf der Internetseite der Post eine Nachricht an den Direktor Konzernkommunikation und teilt ihm mit, dass er sich an die Presse wendet, wenn sich keiner meldet. Einen Brief an einen ihm bekannten Arzt stellt Brog am nächsten Tag selbst zu. Dieser bestätigt ihm, dass der Brief nie zugestellt worden war. Am Vormittag des gleichen Tages bekommt er tatsächlich einen Anruf der Post aus Koblenz. Weil Brog nicht da ist, ruft er zurück. Ihm wird mitgeteilt, dass der Sicherheitsdienst die Briefe abholt. Gegen 17 Uhr kommt ein Mitarbeiter vorbei. Seitdem hat Stefan Brog nichts mehr von der Post gehört.

    Weil er keinen Zuständigen fand, stellte Stefan Brog die Briefe sicher und dokumentierte dies mit Fotos.
    Weil er keinen Zuständigen fand, stellte Stefan Brog die Briefe sicher und dokumentierte dies mit Fotos.
    Foto: privat

    Als er von dem Fall im Radio hört, wird er noch mal aufmerksam. Ihn wundert das Datum, denn es wird angegeben, dass der verdächtige und inzwischen entlassene Zusteller angegeben hatte, die Briefe am 24. August gestohlen bekommen zu haben. Brog fand die Briefe aber erst am 31. August. Und einige Briefe trugen einen Poststempel vom 28. August. „Wie passt das zusammen?“, fragt er sich. Außerdem beschäftigt ihn die Frage, ob die Briefe, auf denen die Adresse noch zu lesen war, nachträglich wirklich zugestellt worden sind. Unter anderem auch deshalb, weil es sich zum Teil um wichtige Unterlagen gehandelt hätte, wie er erkennen konnte – Gutachten, Wahlunterlagen und mehr. Daher wendet er sich an die RZ.

    Die Post bedauert den Fall sehr, schreibt Pressesprecher Heinz-Jürgen Thomeczek auf Anfrage. „Eigentlich hat der Herr alles richtig gemacht: Polizei, Partnerfiliale der Deutschen Post oder sogar das Postverteilerzentrum der Deutschen Post. Zumindest unser Partner hätte uns verständigen können, da dieser einen direkten Ansprechpartner bei der Deutschen Post hat“, so Thomeczek. Noch sind die Briefe nicht zugestellt. „Wir sind derzeit am Sichten und werden die Briefe, die wir zuordnen können in den nächsten Tagen mit einem Begleitschreiben zustellen beziehungsweise an den Absender zurück senden“, erklärt der Postsprecher. Nähere Angaben zum laufenden Verfahren kann er derzeit nicht machen – also auch nicht zum Datum des Poststempels. Man habe ausschließen können, dass auch Wahlunterlagen betroffen waren, sagt er. Daher habe man die Stadt Bendorf aus Sicherheitsgründen rechtzeitig informiert, „sodass Wahlbenachrichtigungen eventuell doppelt zugestellt wurden.“

    Grundsätzlich sei die Polizei in einem solchen Fall zuständig, erklärt der Leiter der Polizeiinspektion Bendorf, Jens Dommeck. Einen Kommentar zu dem konkreten Fall will er aber nicht abgeben. „Ich kann das nicht nachprüfen, weil die Kollegen nicht im Dienst sind“, sagt er und verweist darauf, dass es sich im Fall der verbrannten Briefe um eine laufende Untersuchung handelt, in deren Verlauf auch Stefan Brog als Zeuge noch mal gehört werden müsste.

    Von unserem Redakteur Volker Schmidt

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