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    Krähen greifen Koblenzer an: Mann im Rauental verletzt, Kinder auf Schulhof attackiert

    Es klingt wie eine Szene aus Hitchcocks Klassiker "Die Vögel", ist aber ein realer Vorfall - und nur wenige Tage her: Hans-Eugen Lambert wurde mitten im Rauental aus heiterem Himmel von zwei Krähen angegriffen und am Kopf verletzt. Blutige Kratzer durch die scharfen Schnäbel der Tiere waren das Ergebnis. Kein Einzelfall.

    Krähen werden in Koblenz zum Problem, greifen immer öfter Menschen an. Das Foto dieser Krähe hat uns unser Leser Leo Schmitz aus Urmitz geschickt.
    Krähen werden in Koblenz zum Problem, greifen immer öfter Menschen an. Das Foto dieser Krähe hat uns unser Leser Leo Schmitz aus Urmitz geschickt.

    Von unserem Redaktionsleiter Ingo Schneider

    Die schwarzen Vögel hielten über zwei Tage die Nachbarschaft rund um die Stademann- und die Sauerbornstraße sowie die Straße "An der Windmühle" in Aufregung. Auch auf dem Pausenhof der unweit gelegenen Freiherr-vom-Stein-Grundschule kam es zu Zwischenfällen: Kinder wurden attackiert und mussten im Schulgebäude in Sicherheit gebracht werden.

    Krähen, die Menschen angreifen: ein Phänomen, das zuletzt in Koblenz zugenommen hat, wie Dieter Kronenberg von der Unteren Jagdbehörde der Stadt berichtet. Und das nicht speziell im Rauental: "Es gab zuletzt zahlreiche Vorfälle", berichtet er. Einer wurde noch in dieser Woche gemeldet, als zwei Passanten am Schloss ins Visier der Vögel gerieten.

    Population ist zu groß geworden

    Das Problem: Die Krähen-Population wird immer größer, die Vögel drängen immer mehr in die Wohngebiete. Abends sind die Schlafbäume der Tiere in der Stadt brechend voll. Und die Vögel schlafen nicht mehr nur dort und suchen sich, wenn es hell wird, Futter außerhalb der Stadt. Immer öfter, so Kronenberg, bauen sie auch ihre Nester in Stadtbäumen. Genau das ist der Ausgangspunkt für die Zusammenstöße zwischen Mensch und Tier. Die Nester werden von den Vögeln nämlich sehr aggressiv verteidigt. Und werden die Jungtiere mobil und verlassen das Nest, dann vergrößert sich der Radius des aus ihrer Sicht zu verteidigenden Gebiets schlagartig - und mit ihm auch die Gefahr für Passanten.

    So passiert im Rauental: Dort war ein junger Vogel zunächst auf den Balkonen unterwegs, später im Garten auf der Rückseite eines Miethauses, wie die Anwohnerin Anne Nitschke berichtet. Als diese sich dem kleinen Vogel auf ihrem Balkon näherte, wurde sie sofort von den erwachsenen Vögeln angegangen, besser gesagt: angeflogen. "Die sind mir richtig durch die Haare geflogen." Bis zur Balkontür wurde sie gejagt, die Vögel attackierten dann sogar noch die geschlossene Glastür.

    Für Hans-Eugen Lambert ging es noch schmerzhafter aus: Gegen 17.30 Uhr verließ er das Haus, wurde zwei Häuser weiter angegriffen. "Ein Vogel stürzte auf mich herab, setzte sich auf meinen Kopf und pickte", berichtet Lambert. Er floh zurück zum Haus, wurde dabei auch von dem zweiten Vogel bestürmt. Letztlich kam er mit schmerzhaften, blutigen Kratzern davon. Und mit einem gehörigen Schrecken.

    Den erlitten auch die Kinder in der Freiherr-vom-Stein-Grundschule, wie Schulleiterin Sabine Pätzold der RZ berichtet. Als es mit den Attacken in der Nachbarschaft losging, zählte Pätzold fünf Krähen, die auf dem Schulhof zum Teil im Sturzflug auf die Kinder losgingen. Verletzt wurde glücklicherweise niemand. Pätzold: "Die Kinder wurden schnell reingeholt, und wir konnten sie erst wieder rauslassen, als die Attacken aufgehört hatten."

    Doch bis es so weit war, dauerte es fast zwei Tage, wie Anwohnerin Anne Nitschke berichtete. "Es kann doch nicht angehen, dass die Menschen ihr Haus nicht mehr verlassen können", schimpft sie. Verschiedene Behörden hatte sie schon informiert, landete schließlich bei der Unteren Jagdbehörde, die sich des Problems annahm.

    Im Herbst wird geschossen

    In der Regel versucht man, die aggressiven Eltern vom Wohngebiet wegzulocken, indem man das Jungtier von dort wegbringt - so auch im Rauental. Beim Abtransport schützte sich Dieter Kronenberg, selbst erfahrener Jäger, mit einem Regenschirm. Doch das löst natürlich nur das Einzelproblem, was aber ist die Antwort auf die Entwicklung insgesamt? "Die Jäger müssen im Herbst dafür sorgen, dass es weniger Krähen gibt." Heißt: Sie werden abgeschossen oder mit Raubvögeln gejagt. Zulässig ist das aber grundsätzlich nur in der Zeit vom 1. August bis 20. Februar, außerhalb dieser festen Jagdzeit allenfalls bei einer akuten Gefährdungslage. Dann bleibt immer noch das Problem, dass man natürlich nicht einfach in einem Wohngebiet auf Vögel schießen kann. Der Einsatz von Raubvögeln, etwa von Falken, hilft auch nur wenig, da sich diese in der Regel eine Krähe schnappen - die am leichtesten zu erbeutende. Und dann ist die Jagd beendet, das Problem aber wahrscheinlich nicht behoben. Es bleibt dann eben vor allem die Aufgabe, die Krähenpopulation in der Stadt nicht zu groß werden zu lassen. Und man sollte sich Jungvögeln keinesfalls nähern, wenn man sie sieht.

    Hans-Eugen Lambert wird das nach dem Angriff sicher nicht mehr tun. Begeisterter Wanderer ist er, seit Jahren in Wald und Flur unterwegs. Aber ein Vogel, der ihn in dieser Form attackiert: "So etwas habe ich noch nie erlebt." Seit dem Vorfall wirft er jedenfalls immer, wenn er das Haus verlässt, zuerst einen Blick nach oben.

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    Koblenz
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