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    Koblenz/Trier: Missbrauch in der Kirche? Pfarrer ist weiter im Einsatz

    Die Übergriffe sollen fast 30 Jahre zurückliegen - und eine strafrechtliche Klärung wird es nicht mehr geben. Aber für die mutmaßlichen Opfer des katholischen Priesters, der nach wie vor in Koblenz und im Kreis Altenkirchen tätig ist, ist der Fall keineswegs abgeschlossen.

    Foto: Kovac/Fotolia

    Im Juli 2012 hatte sich ein heute 44-Jähriger Saarländer beim Bistum Trier gemeldet. Er sei im Jahr 1985 vom Pfarrer einer Gemeinde im Saarland sexuell missbraucht worden. Seitdem läuft das interne Verfahren der Kirche. Und seitdem läuft auch sein Antrag auf Entschädigung durch die Kirche. Wie die Sache ausgeht, ist offen. Klar ist nur: Der beschuldigte Pfarrer ist weiter im Amt, hält weiter Messen, nach Informationen unserer Zeitung auch regelmäßig in Koblenz.

    "Der Pfarrer ist zur Aushilfe tätig", bestätigt André Uzulis, Direktor für Kommunikation und Medien im Bistum Trier, auf Nachfrage der RZ. "Der gegenwärtige Erkenntnisstand rechtfertigt nicht ein öffentliches Zelebrationsverbot." In welchem Umfang der Pfarrer eingesetzt ist, was genau seine Aufgaben sind: Nur zwei der Fragen, die Uzulis für das Bistum pauschal wie folgt beantwortet: "Bitte haben Sie Verständnis, dass ich weitergehende Auskünfte mit Rücksicht auf das laufende Verfahren nicht geben kann."

    Staatsanwaltschaft: Fall ist verjährt

    16. Januar 2013: Mit diesem Datum wurde das Verfahren bei der Staatsanwaltschaft Saarbrücken registriert, wie Pressesprecher Thomas Reinhardt der RZ bestätigt. Zu tiefer gehenden Ermittlungen kam es aber nicht. Denn: Auch falls die Vorwürfe gegen den Pfarrer zutreffend gewesen sein sollten, wären diese aus strafrechtlicher Sicht jedenfalls verjährt. Ein Verfahrenshindernis, wie Reinhardt betont. "Daher durften von Rechts wegen keine Ermittlungen aufgenommen werden." Die Sache war damit für die Staatsanwaltschaft erledigt.

    Die RZ steht mit dem 44-jährigen mutmaßlichen Opfer in Kontakt. 16 Jahre alt war er, als es zu den Übergriffen gekommen sein soll. Über Einzelheiten des Falls würde er sprechen, kann es aber nicht. Nicht mehr: Bei einem mehrstündigen Gespräch im Bistum mit Offizial Georg Holkenbrink hat er jüngst zusammen mit dem Protokoll der Sitzung auch eine Verschwiegenheitserklärung unterschrieben. Holkenbrink ist seit November 2012 Offizial, also Leiter des kirchlichen Gerichts im Bistum. Auch zuvor war er als Generalvikar unter anderem mit der Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt im Bistum befasst.

    Das Gespräch Anfang November war erst das zweite für das mutmaßliche Opfer: Nachdem er sich vor eineinhalb Jahren gemeldet hatte, gab es ein Treffen mit den Missbrauchsbeauftragten des Bistums. Danach aber zog sich das Verfahren hin.

    Im Juli dieses Jahres schrieb Holkenbrink in einer E-Mail, das Bistum ermittele noch. Das berichtete der "Trierische Volksfreund" (TV) im Oktober. "Es wird wohl noch etwas dauern, bis wir schließlich auch mit Ihnen noch einmal das Gespräch suchen werden." Unterdessen gab das Bistum bekannt, alle Anträge auf Entschädigung, die bis Februar 2013 gestellt wurden, seien bewilligt worden. Für das mutmaßliche Opfer ein Schlag ins Gesicht, wie es dem TV berichtete. Er habe sich nicht ernst genommen, sondern ignoriert gefühlt. "Genauso fühlte ich mich vor 28 Jahren, als ich vielen Erwachsenen mein Erlebnis schilderte. Alle waren bestürzt, doch niemand setzte sich für mich ein", so der 44-Jährige im TV.

    Opferinitiative: Mauern ist typisch

    Hermann Schell von der Opferinitiative "Schafsbrief" steht ihm zur Seite, hat ihn auch bei seinem Termin im Bistum Anfang November begleitet. Für ihn ist die entscheidende Frage, warum der beschuldigte Pfarrer nach wie vor im Einsatz ist. "Es kann einfach nicht sein, dass er noch in der Seelsorge tätig ist." Zugegeben: Einen Automatismus zwischen Anzeige und Beurlaubung sehen die kirchlichen Leitlinien nicht vor. Aber zumindest der Verdacht, dass an den Vorwürfen etwas dran sein kann, sei auch im Bistum so stark gewesen, dass der Vorgang bei der Staatsanwaltschaft angezeigt wurde. In vergleichbaren Fällen, so Schell, seien die mutmaßlichen Täter sofort aus dem Dienst genommen worden. Warum nicht in diesem Fall? Wegen Personalknappheit? Schell versteht es nicht - und das Bistum will es nicht näher erklären, verweist auf das laufende Verfahren. Das wiederum überrascht Hermann Schell nicht. Wie da gemauert wird, sei absolut typisch.

    Wie es jetzt weitergeht? Zunächst einmal wird im Bistum weiter ermittelt, werden weitere Zeugen gehört. Ob es dann Konsequenzen für den beschuldigten Pfarrer und eine Entschädigung für das mutmaßliche Opfer geben wird, ist offen. Abgeschlossen ist der Fall für den 44-Jährigen jedenfalls nicht. Noch nicht.

    Ingo Schneider

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