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Koblenz

Koblenzer kaufte Drogen und Falschgeld im Darknet

Eugen Lambrecht

Ein Koblenzer Fachinformatiker wagte einen Ausflug ins Darknet – und heimste sich damit nichts als Ärger ein: In den abgeschiedenen Winkeln des Internets bestellte der 25-Jährige Drogen und Falschgeld. Doch die Ecstasy-Pillen kamen nie bei ihm an, die 50-Euro-Blüten entpuppten sich als unbrauchbar. Die Bilanz seiner illegalen Shoppingtouren: acht Monate Bewährung und eine Geldstrafe von 1000 Euro. Dazu hat ihn jetzt das Schöffengericht Koblenz verurteilt. Im Prozess gab sich der Koblenzer reumütig. Kleinlaut räumte er die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft ein. Sein Fazit: „Das war eine blöde Idee. Ich bin froh, dass das vorbei ist. Es tut mir leid!“

Symbolbild: dpa​
Symbolbild: dpa​

Das Darknet gilt als Schmuddelecke des Internets. Es ist eine abgeschiedene Welt – in die man kinderleicht hineinkommt. Mithilfe einer speziellen Software kann jeder Nutzer anonym auf die Handelsplätze des Darknets zugreifen. Die funktionieren ähnlich wie Amazon und Ebay. Nur, dass dort statt Elektronik und Klamotten Falschgeld, Drogen und Waffen angeboten werden. Bezahlt wird mit der Kryptowährung Bitcoin.

Die scheinbaren Sicherheiten des Darknets reizten auch den Fachinformatiker aus Koblenz. Vor Gericht erzählte er, dass er im Sommer 2014 erstmals Speed schniefte – und Gefallen an der Partydroge fand. In der Folgezeit steigerte er seinen Konsum auf drei Gramm pro Wochenende. Von Freitag bis Sonntag feierte er häufig ohne Schlaf durch. Im Februar 2015 surfte er erstmals im Darknet. Dort stieß der Koblenzer auf einen Drogenanbieter namens „Shiny Flakes“. Er bestellte 30 Ecstasy-Tabletten, die als „Gold-Bars“ und „Pink-Burger-Kings“ betitelt waren. Preis: 160 Euro. Doch die Drogen kamen nie in Koblenz an. Denn der Betreiber von „Shiny Flakes“ wurde im Februar 2015 festgenommen und neun Monate später zu einer siebenjährigen Jugendstrafe verurteilt. Der Fall machte deutschlandweit Schlagzeilen – weil der 20-Jährige aus seinem Kinderzimmer in Leipzig fast eine Tonne Rauschmittel verkaufte. Über die Bestelllisten des Internet-Dealers geriet auch der Koblenzer ins Visier der Ermittler.

Doch von alldem hatte der Fachinformatiker zu diesem Zeitpunkt keinen blassen Schimmer. So versuchte er im Januar 2016 erneut sein Glück im Darknet: Diesmal bestellte er sich zwölf gefälschte 50-Euro-Scheine zu einem Preis von 125 Euro. Die Qualität der Blüten beschrieb der 25-Jährige im Prozess als mangelhaft: „Das waren einfache Kopien auf normalem Papier, ohne jegliche Sicherheitsmerkmale.“ Der Koblenzer beschwerte sich beim Händler, verlangte sein Geld zurück, gaukelte ihm vor, die Scheine seien in fünf verschiedenen Geschäften als Fälschungen erkannt worden. Dem Händler aber war das egal – er kappte den Kontakt. Und der Koblenzer schmiss die Blüten in den Müll. Wenig später flog auch der Geldfälscher auf. Wieder tauchte der Name des Koblenzers in den Bestelllisten auf. Wieder geriet er ins Visier der Ermittler.

Am 4. April 2016 durchsuchten Polizisten die Wohnung des 25-Jährigen, beschlagnahmten seine Festplatten und seinen Computer. Für den Fachinformatiker ein Schock. Er zog daraufhin zu seinem Bruder in den Westerwald und lebt seitdem drogenfrei. In ihrer Urteilsbegründung resümierte Richterin Nadja Straub: „Das war eine dämliche Idee! Es ist Ihr Glück, dass Sie damit auf die Nase gefallen sind.“

Von unserem Reporter Eugen Lambrecht

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