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Koblenz

Koblenzer Hallenbad lässt noch auf sich warten: Parkplatz wird aber schon mal gebaut

Stephanie Mersmann

Dutzende Gäste haben sich am Freitag zu einem feierlichen Akt versammelt: einem symbolischen ersten Spatenstich am Rauentaler Moselbogen, dem Startpunkt für die Bauarbeiten, die endlich an dieser Stelle beginnen sollen. Der erste Gedanke liegt nahe: Geht der Bau des Hallenbads nun tatsächlich los, auf den Koblenz seit Jahren wartet? Aber nein: Der Spatenstich galt nicht dem Bad, sondern dem dazugehörigen Parkplatz. Beim Schwimmbad selbst gehen die Arbeiten frühestens im Frühjahr 2019 los.

Mit einem symbolischen Spatenstich werden in der Regel wichtige Großprojekte eingeläutet – oder der Bau eines Parkplatzes, wie jetzt in Koblenz. Auf diesem sollen die Besucher des neuen Hallenbades parken, dessen Bau noch nicht einmal begonnen hat.
Mit einem symbolischen Spatenstich werden in der Regel wichtige Großprojekte eingeläutet – oder der Bau eines Parkplatzes, wie jetzt in Koblenz. Auf diesem sollen die Besucher des neuen Hallenbades parken, dessen Bau noch nicht einmal begonnen hat.
Foto: Thomas Frey

Trotzdem: Für Oberbürgermeister Joachim Hofmann-Göttig war es ein „historischer Augenblick“, als er und diverse Vertreter aus Politik, Verwaltung und von beteiligten Unternehmen an diesem sonnigen Tag zum Spaten griffen. Denn der Bau des Parkplatzes wurde zum ersten Bauabschnitt des Hallenbadprojekts ernannt, das nach Jahren der Vorbereitung nun konkret wird. „Ich bin froh, zweifelsfrei sagen zu können: Es geht voran“, so Hofmann-Göttig.

Auf die neuen Entwicklungen zur Sauna und Gastronomie, die vor einigen Tagen öffentlich wurden, ging der OB nicht ein. Bislang hieß es immer, dass diese Bereiche aus Gründen des EU-Beihilferechts nicht von der Stadt selbst gebaut werden dürfen, sondern an einen privaten Investor vergeben werden müssen. Doch ein solcher fand sich nicht, weshalb der Bau erst einmal auf Eis gelegt wurde. Nun wirft ein Schreiben der zuständigen EU-Wettbewerbskommissarin allerdings die Frage auf: Kann nicht doch die Stadt selbst die Sauna bauen (die RZ berichtete)?

Hofmann-Göttig sagte dazu nur: „Wir haben keinen Zweifel daran, dass wir nach Fertigstellung des Hallenbads auch Sauna und Gastronomie haben werden“ – ob diese von privater oder von öffentlicher Seite gebaut und betrieben werden, „werden wir sehen“. In der nächsten Woche wird sich zunächst einmal der Stadtrat mit dem Thema beschäftigen. Und am Rande des Spatenstichs war aus den Reihen der Kommunalpolitiker durchaus zu vernehmen, dass die Frage noch einmal neu aufgeworfen werden könnte. Auch Albert Diehl, Geschäftsführer der Koblenzer Bäder GmbH, sagte, dass das Thema noch einmal geprüft wird, wenn der Stadtrat dies entscheidet. Denkbar wäre, dass letztlich doch die Bäder GmbH oder die Stadt die Planung von Sauna und Gastronomie übernimmt. Klar ist aber auch: Die Firmen, die mit der Planung des eigentlichen Hallenbads betraut wurden, können nicht quasi in einem Rutsch Sauna und Gastronomie mitplanen, dazu wurden sie nicht beauftragt.

Der Zeitplan für den Bau des Hallenbades soll egal wie stehen: Die Projektplaner für Statik, Technik und Außenanlage wurden ausgewählt und beauftragt, die Objektplanung liegt beim Büro Krieger Architekten aus Koblenz. Aktuell wird die Vorplanung gemacht, bis zum Herbst werden die kompletten Planunterlagen erstellt. Im Oktober dann will die Bäder GmbH den Bauantrag stellen. Im Frühjahr 2019 sollen die Bauarbeiten am Hallenbad beginnen, und im Frühjahr 2021 soll es in Betrieb genommen werden, wenn alles läuft wie geplant.

Bis das Hallenbad eröffnet ist, wird der dazugehörige Parkplatz auf der anderen Straßenseite jedenfalls längst fertig sein, seit zweieinhalb Jahren, um genau zu sein. In diesem Juli sollen die Arbeiten an dem Platz, der rund 150 Stellplätze umfassen wird, abgeschlossen sein. Anders genutzt werden kann der Parkplatz in der langen Zwischenzeit bis zur Eröffnung des Hallenbads übrigens nicht, er ist ausschließlich für das Bad gedacht. Bauherr ist die Koblenzer Bäder GmbH, eine Tochter der Stadtwerke Koblenz, die wiederum eine Tochter der Stadt ist.

Von unserer Redakteurin Stephanie Mersmann

RZ-Kommentar: Feierlicher Spatenstich für - einen Parkplatz!

RZ-Redakteurin Stephanie Mersmann zum Baubeginn des Hallenbad-Parkplatzes:

Startschuss für den Neubau des Hallenbads – das würde sich doch gut anhören! Aber Startschuss für den Bau eines Parkplatzes? Na ja ... Eine andere öffentlichkeitswirksame Aktion rund um das Projekt Hallenbad ist zurzeit aber einfach nicht drin, und so wurde der Baubeginn eines Parkplatzes kurzerhand zum feierlichen Akt mit Spatenstich, Oberbürgermeister am Steuer eines Baggers und diversen Gästen befördert.

Menschlich mag das ja irgendwie verständlich sein, schließlich ist der OB, der sich jahrelang mit dem Thema beschäftigt hat, nur noch bis zum Ende des Monats im Amt – und wenn ein Spatenstich für das eigentliche Hallenbad gesetzt werden kann, ist längst sein Nachfolger am Start. Ein vernünftiger Grund fällt einem aber wirklich nicht dafür ein, dass ein schnöder Parkplatz zum ersten Bauabschnitt des Hallenbad-Neubaus avanciert. Und dass sein Bau mit einem Spatenstich eingeleitet werden muss. Und vor allem, dass der Parkplatz schon jetzt gebaut wird, obwohl er vor 2021 überhaupt nicht gebraucht wird.

E-Mail: stephanie.mersmann@rhein-zeitung.net

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