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    Koblenzer Babyfenster wird zehn Jahre alt

    Seit zehn Jahren können Frauen in Not ihre Babys anonym in Koblenz abgeben. Immer wiederkehrende Nachrichten von ausgesetzten Säuglingen und kurz nach der Geburt getöteten Kindern haben die Stadt Koblenz, das Klinikum Kemperhof und den Koblenzer Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) im Jahr 2002 veranlasst, ein Babyfenster einzurichten.

    Das Babyfenster an der Kinderklinik Kemperhof ist mit einem  Wärmebettchen ausgestattet. Angaben und Wünsche können die Betroffenen,  die das Baby anonym abgeben, schriftlich hinterlassen.
    Das Babyfenster an der Kinderklinik Kemperhof ist mit einem Wärmebettchen ausgestattet. Angaben und Wünsche können die Betroffenen, die das Baby anonym abgeben, schriftlich hinterlassen.
    Foto: Katharina Demleitner

    Koblenz – Seit zehn Jahren können Frauen in Not ihre Babys anonym in Koblenz abgeben. Immer wiederkehrende Nachrichten von ausgesetzten Säuglingen und kurz nach der Geburt getöteten Kindern haben die Stadt Koblenz, das Klinikum Kemperhof und den Koblenzer Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) im Jahr 2002 veranlasst, ein Babyfenster einzurichten. Im extremen Notfall können Betroffene ein Baby in die mit einem Wärmebettchen ausgestattete Babyklappe an der Kinderklinik Kemperhof legen. Auch Angaben oder Wünsche, beispielsweise der Name des Kindes, können hinterlassen werden. Schwangeren Frauen, die sich in einer extrem belastenden Situation befinden, wird ebenfalls angeboten, im Katholischen Klinikum Marienhof ihr Kind anonym zur Welt zu bringen.

    Laut einer aktuellen Umfrage des Deutschen Jugendinstituts sind von 2000 bis Mitte 2010 in Deutschland 973 Kinder anonym abgegeben worden. 250 davon konnten wieder zur Mutter zurückgeführt werden, Die anderen wurden adoptiert. Acht Wochen, nachdem ein Kind abgegeben wird, wird ein Adoptionsverfahren eingeleitet. Wie viele Kinder seit Bestehen des Babyfensters am Kemperhof abgegeben wurden, geben die Koblenzer Kooperationspartner nicht bekannt. Die Träger der Einrichtung haben sich vertraglich dazu verpflichtet, keine Angaben zu machen.

    „Die Angebote von Babyfenster und anonymer Geburt sollen Frauen vor gesellschaftlicher Diskriminierung schützen, die ihrer Aufgabe als Mutter zurzeit nicht gerecht werden können“, erklärt Daniela Veith, Leiterin des SkF Koblenz. Grundsätzliches Ziel sei es, werdende Mütter und Eltern schon zu einem sehr frühen Zeitpunkt in der Schwangerschaft mit Beratungsangeboten zu erreichen. Schwangere, die verzweifelt sind, ihre Situation gegenüber ihrer Umgebung geheim halten wollen, nicht wissen, wo sie ihr Kind zur Welt bringen sollen und sich nicht in der Lage sehen, ihr Kind selbst zu versorgen, sollen angesprochen werden. Mit Beginn dieses Jahres wurde durch die Einführung des Bundeskinderschutzgesetzes das bestehende Recht auf Beratung auch auf den Anspruch auf anonyme Beratung ausgeweitet. „Neben anonymer Information und Beratung bieten wir Begleitung vor, während und nach der Geburt an“, erläutert die SkF-Leiterin. Zudem steht der Adoptions- und Pflegekinderdienst für eine Beratung zur Verfügung.

    „Gerade weil wir um die lebenslange und schwierige Aufgabe für anonym vermittelte Menschen bei der Suche nach ihrer Identität und Herkunft wissen, weisen wir nachdrücklich auf die bestehenden Schwangerenberatungen und die Möglichkeit der Adoptionsvermittlung hin“, unterstreicht SkF-Leiterin Daniela Veith. Das Babyfenster sei ausschließlich eine Ergänzung für extreme Notsituationen.

    Von unserer Mitarbeiterin Katharina Demleitner

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