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Koblenz

Koblenzer (46): Ich missbrauchte eine Sechsjährige

Sie vertraute ihm und nannte ihn Papa, er küsste sie mit Zunge und drängte sie zum Oralverkehr: Ein 46-jähriger Koblenzer steht vor dem Landgericht, weil er die sechsjährige Tochter seiner Lebensgefährtin missbrauchte. Mindestens dreimal. Meist auf einer Schlafcouch in seiner Wohnung – während die Mutter des Kindes im Nebenzimmer schlief. Kaum zu glauben: Der Mann saß bereits sieben Jahre im Gefängnis, weil er eine Frau als Geisel nahm, sie vergewaltigte und seine damalige Ehefrau zum Mitmachen drängte.

Symbolbild: dpa​
Symbolbild: dpa​

Im Prozess um den Missbrauch des sechsjährigen Kindes hat der hagere Mann ein Teilgeständnis abgelegt. Über seinen Anwalt ließ er mitteilen: „Ich möchte dem Mädchen nicht noch mehr schaden.“ Ja, er habe mit ihr gekuschelt, vor ihr onaniert, seinen Penis an ihrem Mund und ihrem Bauch gerieben. Jedoch will er sich nicht mehr daran erinnern können, ob es zum vollendeten Verkehr kam. Seine Einlassung endete mit den Worten: „Ich wurde als Kind von meiner Mutter missbraucht. Das hat zu diesen Taten geführt. Es fällt mir schwer, darüber zu reden. Deshalb will ich auch keine weiteren Fragen beantworten.“

Laut Anklage soll der Koblenzer das Mädchen zwischen Juli und Oktober 2014 dreimal missbraucht haben. Ob es dabei tatsächlich zum vollendeten Geschlechtsverkehr kam, ist derzeit noch unklar, aber für das Strafmaß höchst relevant. Deshalb soll eine Psychologin das mittlerweile neunjährige Mädchen in den kommenden Tagen befragen.

Im Prozess berichtete eine Polizistin von der Vernehmung des Kindes im Sommer 2015. Sie schilderte, dass das Mädchen auf ihren Mund und ihre Scheide zeigte – und sagte, dass der Mann seinen Penis dort hineingesteckt habe. Dass sie Schmerzen hatte, sich schämte. Und dass sie anfangs niemandem davon erzählte, weil der Koblenzer ihr gedroht habe: „Das ist unser Geheimnis. Wenn du das jemandem sagst, können wir nicht mehr miteinander kuscheln.“

Der 46-Jährige ist bereits vielfach vorbestraft: wegen Vergewaltigung, Geiselnahme und Diebstahls. Während einer Haftstrafe erzählte er einigen Gefängniswärtern, dass er an Waffengeschäften mit der PKK beteiligt sei. Dies entpuppte sich nach intensiven Ermittlungen der Polizei als Lüge. Am 18. Juni 2015 verurteilte ihn das Amtsgericht Koblenz wegen Betrugs und Urkundenfälschung. Grund: Er gab sich gegenüber seiner damaligen Freundin als Polizist aus, prahlte mit einem gefälschten Dienstausweis und bedrohte ihren Ex-Mann mit einer Waffe. Seitdem sitzt der 46-Jährige in Ludwigshafen hinter Gitter.

Der sexuelle Missbrauch der Sechsjährigen flog auf, nachdem die Mutter des Kindes im Sommer 2015 Anzeige erstattet hatte. Offenbar hatte sich ihr ihre Tochter jedoch bereits Monate zuvor anvertraut. Im Prozess schilderte die ehemalige Logopädin des Kindes, wie ihr das Mädchen in einer Therapiestunde im Oktober 2014 davon erzählte. Als sie die Mutter darauf ansprach, habe diese bloß abgewunken und gemeint: „Ja, davon weiß ich schon. Aber das war mit meinem Ex-Partner.“

Der Prozess geht am 13. November weiter.

Von unserem Reporter Eugen Lambrecht

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