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Koblenz

Koblenz: Politik stellt sich hinter neues Hallenbad

Die Stadt Koblenz sucht nach einem Investor, der ein neues Hallenbad baut und betreibt – und ist selbst bereit, die bisherigen Zuschüsse zum Bad von rund 600 000 Euro im Jahr weiter zu zahlen.

Das alte Stadtbad in der Weißer Gasse ist längst geschlossen. Ob Koblenz ein neues Hallenbad bekommt, ist weiter unklar. Die Fraktionen des Stadtrats jedenfalls sprechen sich fast geschlossen für einen Neubau aus, lediglich die FDP erklärt, dass sie dies nur befürwortet, wenn ein Investor das Bad baut.
Das alte Stadtbad in der Weißer Gasse ist längst geschlossen. Ob Koblenz ein neues Hallenbad bekommt, ist weiter unklar. Die Fraktionen des Stadtrats jedenfalls sprechen sich fast geschlossen für einen Neubau aus, lediglich die FDP erklärt, dass sie dies nur befürwortet, wenn ein Investor das Bad baut.
Foto: hoa

Das teilt Oberbürgermeister Joachim Hofmann-Göttig auf Anfrage der RZ mit. Mit einem denkbaren Investor laufen derzeit Gespräche, ob dieser letztendlich bereit wäre, zu diesen Konditionen ein Bad zu bauen, ist offen.

Die große Frage ist, ob das Geld, dass die Stadt bisher für das Stadtbad ausgegeben hat, noch ausreicht, damit das Projekt für einen Investor wirtschaftlich betrieben werden kann. Jörg Zimmer, Marketingleiter des Badbetreibers Monte Mare, geht davon aus, dass die Haushaltsbelastung für die Stadt auf 1 bis 1,2 Millionen Euro im Jahr steigen könnte. Ein großer Sauna- und Wellnessbereich gilt als einzige Möglichkeit, tatsächlich Geld zu verdienen und die Verluste auszugleichen, die der Schwimmbetrieb mit sich bringt. Hofmann-Göttig ist für ein solches Angebot grundsätzlich offen: "Womit der Investor sich refinanziert, ist seine Sache. Uns geht es um die Garantie des Bahnenschwimmens zu bezahlbaren Preisen." Mehr als 4 Euro sollen die Bürger dafür nicht bezahlen müssen.

2010 hatte der Rat noch mehrheitlich beschlossen, dass die Stadt im Falle eines Neubaus diesen in Eigenregie und ohne einen Investor stemmt. Gilt dieser Beschluss also nicht mehr? "Nachdenken muss eine Verwaltung immer und Sachprüfungen vornehmen", erklärt der OB. Das Ergebnis wird dem Rat zur Entscheidung vorgelegt. Die Politik entscheidet dann letztendlich über den Neubau beziehungsweise über den Plan, den die Verwaltung vorlegt. Das letzte Wort hat bei unausgeglichenem Haushalt die ADD – diese muss der Investition dann zustimmen beziehungsweise hat die Macht, diese abzulehnen.

Wenn eine Zusammenarbeit mit einem Investor nicht zustande kommt – über Erfolgsaussichten will der OB nicht spekulieren -, "dann prüfen wir, wann und ob wir selbst bauen können, was aber nur mit einem Landeszuschuss möglich ist", so Hofmann-Göttig. Innenminister Roger Lewentz hat er bereits angeschrieben. Für einen möglichen Neubau – egal ob privat oder öffentlich – steht weiter das Grundstück am Moselbogen bereit.

Bei diesem Punkt drängt die SPD die Verwaltung, aktiv zu werden. In der Ratssitzung in einer Woche beantragt die Fraktion, dass die Verwaltung das reservierte Grundstück am Rauentaler Moselbogen schon jetzt kaufen soll. "Es ist klar: Das ist der ideale Standort für ein neues Hallenbad", sagt Fraktionschefin Marion Lipinski-Naumann. Deshalb solle die Stadt sich diese Lage sichern, ohne eine jährliche Optionsgebühr zu zahlen.

Nachdem sich die CDU vor einigen Tagen als erste Fraktion klar für einen Neubau positioniert hatte (die RZ berichtete), erklären auch SPD, Grüne, BIZ und FBG, dass sie für einen Neubau sind – geben aber zu bedenken, dass die Stadt einen Vorschlag vorlegen muss, wie das Projekt trotz Haushaltsdefizit realisiert werden könnte. "Bei uns herrscht Einigkeit, dass die Stadt ein Hallenbad braucht und nicht ihr Heil im Umland findet – aber es wird schwierig, das investiv in die Tat umzusetzen", sagt BIZ-Fraktionschef Stephan Wefelscheid.

Ein Problem, das auch Grünen-Fraktionsvorsitzender Nils Wiechmann sieht: Obwohl ein Hallenbad für ihn zur Daseinsvorsorge gehört, die eine Stadt zu leisten hat, "können wir nicht versprechen, dass wir von heute auf morgen ein Bad bauen. Finanziell ist das momentan nicht darstellbar." Der Landtagsabgeordnete will sich in Mainz für Zuschüsse einsetzen: "Ich bin sicher, dass wir welche bekommen, aber wann und ob diese ausreichen, ist unklar." Manfred Gniffke, FBG-Fraktionschef, ist überzeugt, dass die Stadt trotz Eckwertebeschluss, der neue Investitionen verbietet, verpflichtet ist, den Bürgern ein Bad zur Verfügung zu stellen. "Wir müssen überlegen, wie wir das finanziert kriegen, und das möglichst bald. Das ist unser Auftrag."

Allein die FDP vertritt die Meinung, dass andere Dinge in der Stadt Priorität haben, zum Beispiel die Brückensanierung. "Das ist einfach wichtiger, 45 000 Pendler kommen täglich nach Koblenz", verdeutlicht Fraktionsvorsitzende Birgit Hoernchen. Wenn sich ein privater Investor findet, der ein Bad findet, ist die FDP dafür, "wenn es eine neue Maßnahme ist, dann nicht". An Zuschüsse vom Land oder eine Genehmigung der ADD glaubt Hoernchen nicht.

Stephanie Mersmann

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