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    KoblenzKoblenz, "grüne Stadt am Wasser": Vernünftige Verkehrsplanung braucht Zeit

    Koblenz ist nicht nur Pendlerstadt, sondern auch Begegnungsmittelpunkt für eine ganze Region. Die unangenehme Begleiterscheinung: die Überlastung der Innenstadt mit privaten Kraftfahrzeugen. Können die Verkehrsplaner das Problem überhaupt noch in den Griff bekommen? Das ist eine Frage, die auch nach dem jüngsten Vortrags- und Diskussionsabend in der Reihe "Grüne Stadt am Wasser" nicht beantwortet werden kann. So viel steht allerdings fest: Große Rahmenpläne helfen nur bedingt.

    Der ruhende Verkehr - wie hier am Florinsmarkt - stört die Atmosphäre in der Altstadt empfindlich. Anwohnerstellplätze in Tiefgaragen könnten Abhilfe schaffen, ohne Besucher abzuschrecken. Eine Umfrage der Deutschen Gesellschaft für Marketing hat übrigens ergeben, dass Parkplätze nur an elfter Stelle der Wunschliste stehen. Gefragt ist vielmehr ein hochwertiger Erlebnisraum. Dennoch wirbt die Stadt gern mit ihren Parkplätzen.
    Der ruhende Verkehr - wie hier am Florinsmarkt - stört die Atmosphäre in der Altstadt empfindlich. Anwohnerstellplätze in Tiefgaragen könnten Abhilfe schaffen, ohne Besucher abzuschrecken. Eine Umfrage der Deutschen Gesellschaft für Marketing hat übrigens ergeben, dass Parkplätze nur an elfter Stelle der Wunschliste stehen. Gefragt ist vielmehr ein hochwertiger Erlebnisraum. Dennoch wirbt die Stadt gern mit ihren Parkplätzen.
    Foto: Reinhard Kllenbach

    Von unserem Mitarbeiter Reinhard Kallenbach

    Erneut war es den Buga-Freunden, die für die Reihe verantwortlich zeichnen, gelungen, Experten zu gewinnen, die es wagen, den Kult ums Automobil zu hinterfragen. Und so gestalteten Stadtsoziologe Hans Hoorn (Maastricht) und Verkehrsplaner Dr. Thomas Baum (Aachen) einen durchaus kurzweiligen Abend, der mit provokanten Thesen gespickt war.

    Die Botschaft war: Die Stadt Koblenz sollte endlich aufhören, den Individualverkehr zu subventionieren. Baum wies darauf hin, dass das Anwohnerparken im öffentlichen Raum grundsätzlich gratis ist, dass die Gebühren lediglich für das Ausstellen des Bewilligungsausweises erhoben werden. Der Verkehrsplaner empfahl, keine neuen Ausweise mehr auszustellen und bestehende Genehmigungen nur noch zu verlängern. Das würde zumindest bei Anliegern schrittweise zum Umdenken führen. Dieser Prozess hat übrigens schon eingesetzt - die Zahl der Bewohner in der Alt- und Innenstadt, die kein Auto haben, steigt. Hans Hoorn verwies zudem auf die deutlich höheren Gebühren und die drastischen Geldstrafen in den Niederlanden. Für ihn reicht das aber als Hebel nicht aus. Der Planer fordert zudem flankierende Investitionen wie zum Beispiel Tiefgaragen nur für Anlieger, die dort Stellplätze mieten können. Dieser Ansatz hat nicht zwangsläufig millionenschwere Investitionen zur Folge. Hoorn nannte Beispiele aus den Niederlanden. Dort wurde stellenweise die Zahl der frei verfügbaren Stellplätze in den Tiefgaragen reduziert und für Anlieger reserviert. Um den Mangel für Auswärtige auszugleichen, wurden Angebote rund um Bus und Bahn verbessert - Sonderpreise inklusive. Einem Abschreckungseffekt gibt es für potenzielle Besucher übrigens nicht, weil die Tarife mit anderen Leistungen kombiniert werden können. Es gibt eine Pauschale inklusive Mittagessen.

    "Viele Leute denken kopflos: ,Es ist unmöglich‘", betonte Hans Hoorn und stellte heraus, was investorenhörige Politiker, fantasielose Planer und kurzsichtige Bauherren vielen europäischen Städten angetan haben. Die gigantische Centerarchitektur, die sämtliche historischen Proportionen sprengt, ist für ihn definitiv ein Auslaufmodell. Ein Auslaufmodell, in das immer noch hohe Millionenbeträge investiert werden.

    "Inspiration statt Imitation", formulierte Hans Hoorn weiter und ermunterte die Verwaltungen, mehr Kreativität zu zeigen. Dass dies in der Praxis gar nicht so einfach ist, zeigte Thomas Baum anhand nüchterner Zahlen: Kunden aus der ländlichen Umgebung bringen rund 61 Prozent mehr Kaufkraft nach Koblenz. Über so einen Wert können die Mülheim-Kärlicher nur lächeln - dort werden 400 Prozent erreicht. Das ist ein eindeutiges Votum für den Individualverkehr, das nur gedreht werden kann, wenn die Vernetzung unterschiedlicher Verkehrsmittel gelingt. Doch gerade hier halten sich mögliche Zuschussgeber zurück. Geschäftsführer Jürgen Czielinski führte aus, dass die EVM Verkehrs-GmbH - abgesehen von Ausgleichszahlungen für die Beförderung von Schülern und Behinderten - keine Subventionen erhält und nach dem Wirtschaftlichkeitsgebot arbeiten muss. Das bedeutet auch, dass es bei Neuanschaffungen bei Dieselfahrzeugen bleiben muss, da Busse mit Elektroantrieb doppelt so teuer sind - die dazugehörigen Anlagen nicht mitgerechnet. Dazu kommt, dass die Infrastruktur für Fahrradfahrer (Parkboxen) miserabel ist. Auch bei diesem Thema sind die Niederländer wesentlich weiter.

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