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    Klinikfusion: Es geht um sichere Zukunft

    Koblenz/Mittelrhein - Die Krankenhausfusion am Mittelrhein soll zum Heilmittel für die Zukunft aller betroffenen Standorte werden. Die Kommunalpolitik erhofft sich viel davon - und die ersten Millionen vom Land fließen bereits.

    Auch der Kemperhof soll unter dem Dach des Gemeinschaftsklinikums Mittelrhein weiter ausgebaut und modernisiert werden.
    Auch der Kemperhof soll unter dem Dach des Gemeinschaftsklinikums Mittelrhein weiter ausgebaut und modernisiert werden.
    Foto: Reinhard Kallenbach

    Von unserem Mitarbeiter Reinhard Kallenbach

    3 Millionen Euro für den Kemperhof, weitere 2 Millionen Euro für das Evangelische Stift: Die Anschubfinanzierung für die Sanierung der Bettentrakte beider Häuser ist damit gesichert. Dafür steht das neue Krankenhausinvestitionsprogramm 2014 des Mainzer Sozialministeriums, das Gesundheitsminister Alexander Schweitzer am Freitag präsentierte. Die gute Nachricht dürfte auch die geplante Fusion des Stiftungsklinikums Mittelrhein mit dem Gemeinschaftsklinikum Koblenz-Mayen beflügeln.

    Insgesamt 62 Millionen Euro sollen allein in diesem Jahr in die Kliniken des Landes fließen. Und für die potenziellen Fusionspartner am Mittelrhein gibt es gute Aussichten. Gemeinsam könnten sie zu einem Klinikum der Maximalversorgung aufsteigen und damit deutlich höhere Zuschüsse erhalten. Der Vertrag ist ausgearbeitet, im März entscheiden die Gremien, dann könnte unterschrieben werden (die RZ berichtete ausführlich).

    "Der Prozess der Willensbildung ist abgeschlossen. Jetzt beginnt die eigentliche Arbeit", betont Hans-Jürgen Gutenberger. Der Vorsitzende des Verwaltungsrates des Evangelischen Stifts lobt die konstruktive Detailarbeit in den Gremien und blickt optimistisch in die Zukunft. Für ihn ist eine Verschmelzung der beiden Gesellschaften schon aus rechtlicher Sicht zwingend erforderlich, weil sonst das gemeinsam entwickelte medizinische Konzept, das unter anderem die Bildung neuer Kompetenzzentren vorsieht, nicht umgesetzt werden kann.

    Die wichtigste Nachricht der am Freitag veröffentlichten gemeinsamen Erklärung ist jedoch, dass alle Standorte erhalten bleiben und niemand um seine Stelle fürchten muss. Das dürfte vor allem an den kleinen Standorten für Erleichterung sorgen. "Hier geschieht nichts, was den ländlichen Raum schwächen soll", betont Alexander Saftig im Gespräch mit unsere Zeitung. "Es geht um eine stabile Versorgung für die Zukunft", ergänzt der Landrat des Kreises Mayen-Koblenz weiter. So wird zum Beispiel das St.-Elisabeth-Krankenhaus in Mayen sein neu geschaffenes kardiologisches Zentrum behalten. Saftig, zugleich Aufsichtsratsvorsitzender des Gemeinschaftsklinikums, verweist auf einen Passus im Vertragsentwurf, der besonders auch den Standorten im ländlichen ein Vetorecht einräumt - entgegen der Sorge, dass die kleinen Standorte von den großen Koblenzer Häusern abgehängt werden. Dafür sorgt auch die Gesellschafterkonstruktion der angedachten großen gemeinnützigen GmbH. Hier gibt es keine Mehrheitsgesellschafter. Der größte Anteil wird bei 28 Prozent für das Evangelische Stift liegen.

    Wie der Status der Mitarbeiter sein wird? Die Antwort: Niemand wird ins stille Kämmerlein gebeten, um einen neuen Vertrag zu unterzeichnen. Grundsätzlich gilt: Für alle aktuellen Mitarbeiter der insgesamt fünf betroffenen Einrichtungen besteht eine Beschäftigungsgarantie bis zum 31. Dezember 2016. Was sich jedoch ändern wird, ist die Zusammenarbeit der Häuser untereinander. So könnten sich Operateure vor einem Eingriff per Videokonferenz abstimmen. Diese Art der Abstimmung gibt es bereits jetzt, sie soll aber ausgebaut werden. Ziel ist es, Patienten möglichst in der Nähe ihres Heimatortes zu behandeln.

    Für die Mitarbeiter bedeutet das: Sie müssen sich auf organisatorische Veränderungen einstellen. Das wurde auch in den beiden Betriebsversammlung im Gemeinschaftsklinikum am Donnerstag zu spüren. "Dass Mitarbeiter verunsichert sind, ist normal", erklärte Frank Hutmacher. Der Verdi-Gewerkschaftssekretär hat an beiden Versammlungen teilgenommen. Grund zur Beunruhigung sieht er nicht, weil die Verträge erhalten bleiben.

    Auch sein Blick geht nach vorn. Und damit stellt sich vor allem die Frage der vernünftigen Eingruppierung künftiger Mitarbeiter, die nach dem Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes (TVöD) bezahlt werden sollen. Bislang betrifft der TVöD grundsätzlich nur die kommunalen Einrichtungen, während am Stiftungsklinikum der Bundesangestelltentarif in kirchlicher Fassung (BAT-KF) gilt, nach dem auch die Ärzte bezahlt werden. Am Gemeinschaftsklinikum ist das anders. Hier gilt die Vereinbarung mit dem Marburger Bund. Letzterer wäre dann auch Partner der Ärzte des Stiftungsklinikums. Dies zeigt: Auf die Partner kommt viel Detailarbeit zu.

    Bereits jetzt sind die bislang kommunalen Standorte des neuen Klinikums nicht mehr dem Arbeitgeberverband der Kommunen angeschlossen, sie wechseln unter das Dach der Diakonie. Joachim Hofmann-Göttig nennt dafür rechtliche und organisatorische Gründe. Ein Nachteil für die Mitarbeiter soll das nicht sein. "Es geht um die Sicherung der Zukunft", betont der Oberbürgermeister, der Klarheit für die kommenden zehn Jahre - und darüber hinaus - schaffen will.

    Denn die Situation im deutschen Krankenhauswesen ist angespannt. Jede zweite Klinik steht in den roten Zahlen. Das neue Gemeinschaftsklinikum soll ein Zeichen setzen; auch gegen die grassierende Privatisierung und den damit oft verbundenen Kahlschlag.

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