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    Kitastreik im Kreis MYK: Die Stimmung bei Eltern kippt

    Der Streik der Erzieher geht in seine dritte Woche. Und so langsam scheint auch die Geduld der Eltern am Ende zu sein. "Es melden sich immer mehr Eltern bei uns", bestätigt Bernd Huster vom Regionalbüro Koblenz der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW).

    Mit einer selbst gebastelten Waage machten die Erzieherinnen und Erzieher aus Mülheim-Kärlich auf ihre Situation aufmerksam. Demnach stehen die erbrachten Leistungen in keinem Verhältnis zu der Entlohnung.
    Mit einer selbst gebastelten Waage machten die Erzieherinnen und Erzieher aus Mülheim-Kärlich auf ihre Situation aufmerksam. Demnach stehen die erbrachten Leistungen in keinem Verhältnis zu der Entlohnung.
    Foto: Volker Schmidt

    Von unserem Redakteur Volker Schmidt

    Im Großen und Ganzen sei die Solidarität mit den Erziehern zwar noch vorhanden, aber: "Eltern, die in großer Not sind, argumentieren eben nicht mehr differenziert."

    Er versuche, derzeit noch alle Anfragen persönlich zu beantworten. Das sei aus Zeitgründen aber nicht mehr in jedem Fall möglich. So werden gegebenenfalls auch mal Standardbriefe verschickt. In denen heißt es dann: "Es ist uns bewusst, dass unsere Streikaktivitäten für viele Eltern zu nicht unerheblichen Problemen führen. Wir können Ihnen versichern, dass es nicht unsere Zielsetzung ist, Eltern in eine schwierige Situation zu bringen." Huster betont: "Wir haben keine Alternative zum Streik, wenn wir wollen, dass unsere Forderungen umgesetzt werden." Die Vereinigung kommunaler Arbeitgeber (VKA) sei am Zug, ein Angebot zu machen.

    Bei der Gewerkschaft Verdi ist man der gleichen Ansicht. Aber auch hier hat man festgestellt: "Die Stimmung kippt langsam." Das sagt Verdi-Mitarbeiterin Agathe Hohmann, die zurzeit unterwegs ist, um die Erzieher zu unterstützten und Eltern zu informieren. "Die Erzieher werden zunehmend angegriffen, von Eltern unter Druck gesetzt." Gestern war Hohmann mit ihrem Kollegen unter anderem auf dem Kolpingplatz in Mülheim-Kärlich zu Gast, um Fragen zu beantworten, aber auch um Tipps zu geben. "Der Konflikt wird auf den Rücken der Eltern ausgetragen, aber die wenden sich nicht an die Bürgermeister, die den Unmut weiterleiten könnten", sagt Hohmann, die die Eltern in Mülheim aufforderte, eben dies zu tun, sich zu organisieren und zu demonstrieren.

    Die Stimmung in Mülheim sei vergleichsweise friedlich gewesen, bestätigen die Verdi-Mitarbeiter. Ganz konfliktfrei ist die Situation aber nicht, wie die Leiterin der Kita "Schillerstraße", Judith Pfeiffer-Stein, bestätigte, die zwei Wochen streikte, jetzt aber die Noteinrichtung aller Mülheim-Kärlicher Kitas leitet, weil sie die Notwendigkeit sah, das Ganze zu koordinieren. Seitdem fühlt sie sich manchmal wie der "Punchingball der Eltern". "Der Ton wird rauer", sagt sie. Eltern würden ihr oft vorwerfen, dass das pädagogische Konzept in der Notgruppe nicht erfüllt würde. "Da kann ich dann nur antworten: Vielleicht gibt es demnächst gar kein pädagogisches Konzept mehr", so Pfeiffer-Stein.

    "Die Belastungssituation ist in Orten, die vom Dauerstreik betroffen sind, natürlich höher als in Kitas, die nur partiell betroffen sind", sagt Rolf Herold von Verdi. Zu den Kitas, die seit drei Wochen im Streik sind, gehört auch Winningen. Dort haben sich die Eltern organisiert, um auf ihre Situation aufmerksam zu machen. Am Donnerstag, 21. Mai, trafen sie sich zu einem Gespräch mit Bürgermeister Eric Peiter. In Absprache mit Verdi richtete dieser anschließend eine Notgruppe ein. Die Situation ist dadurch aber nur entschärft. Denn in dieser Noteinrichtung können nur 25 der 98 Kinder betreut werden. In einem Brief wendeten sich die Winninger Eltern nun auch an die Rhein-Zeitung. In diesem weisen sie auf den steigenden Druck hin. Die Eltern hätten "Angst um ihre Arbeitsplätze und damit um ihre Existenz". Zudem würden sie mit ihren Kindern leiden, die "teilweise mehrmals täglich zwischen verschiedenen Bezugspersonen wechseln müssen".

    Richtig sauer sind auch die Eltern der Kita Pusteblume in Münstermaifeld. Diese wandten sich in einem offenen Brief an den Maifelder VG-Bürgermeister Maximilian Mumm. Darin attackieren die Eltern alle Streikparteien: "Wir denken, dass diese Streikbewegung in hohem Maße unpolitisch geführt wird, weil die vom Streik am stärksten Betroffenen nicht beteiligt sind und nach unserem Kenntnisstand nicht eindeutig an einer baldmöglichsten Beilegung des Arbeitskampfes gearbeitet wird", heißt es. "Das Verhalten sowohl der Erzieherinnen als auch der Politik ist nicht mehr glaubwürdig."

    Bürgermeister Mumm reagierte ebenfalls mit einem Brief - an die GEW und an die VKA. Der Streik sei vollkommen unangemessen und allein den beiden Institutionen zuzuschreiben. "Anders als beim Bahnstreik wird hier in die Grundlagen unserer Gesellschaft eingegriffen - in die Familien", so Maximilian Mumm.

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