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Koblenz

Ideen für den Münzplatz: Kann eine Halle das Markt-Problem lösen?

Kommt die Markthalle auf dem Münzplatz, oder kommt sie nicht? Auch wenn es noch keine Antwort gibt, hat der Vorschlag der Koblenzer Architekten Heinrich und Petra Heitger und des CDU-Politikers Hans-Jörg Assenmacher weniger ein Nachdenken über lokale Baukultur, sondern vielmehr eine Debatte über einen Marktstandort mit Zukunft entfacht.

Luftig soll die Markthalle nach Vorstellung der Initiatoren aussehen. (Westansicht, das Münzmeisterhaus im Hintergrund).
Luftig soll die Markthalle nach Vorstellung der Initiatoren aussehen. (Westansicht, das Münzmeisterhaus im Hintergrund).
Foto: Architekten Heidger

Denn die Zweifel am bisherigen Kompromiss wachsen. Auch stellt sich die Frage: Kann Architektur am Ende dazu beitragen, einen alten Missstand zu beheben? „Ideen sollte man prüfen und nicht gleich abwürgen“, sagt Frederik Wenz. Der neue Citymanager steht der Idee zwar grundsätzlich aufgeschlossen gegenüber, er verweist aber auch auf die Tatsache, dass die Entscheidung für die Schlossstraße als Marktstandort auf der Grundlage entsprechender Untersuchungen gefallen war. Er erinnert daran, dass die Kritik am traditionellen Standort auf dem Münzplatz vor allem die schlechte Anbindung an den Bus und fehlende Parkmöglichkeiten in unmittelbarer Nähe betraf.

Wie auch Christoph Krepele ist der Citymanager davon überzeugt, dass es nicht gut ist, den Markt hin- und herzuschubsen. Allerdings räumt Krepele, Vorsitzender des Stadtforums Alle lieben Koblenz, ein, dass auch am Standort Schlossstraße die Unzufriedenheit steigt. Er begründet das vor allem mit der Rücksichtslosigkeit mancher Verkehrsteilnehmer, die den Markt blockieren und sich einfach nicht an die Regeln halten.

Frederik Wenz und Christoph Krepele argumentieren ergebnisoffen. Ihr Credo ist nur: Ein Markt muss als solcher auch erkennbar sein. Aus ihrer Sicht ist nichts in Stein gemeißelt, die Bereitschaft, die Untersuchungen zu gegebener Zeit zu wiederholen, ist da. Ratsmitglied Uwe Diederichs-Seidel (Grüne) weiß auch schon, mit wem: den Hochschulen in Koblenz und Umgebung, vor allem mit der Abteilung für Geografie auf dem Metternicher Uni-Campus. Doch das ist vorerst nur eine Idee, konkrete Gespräche gibt es noch nicht.

Das Foto vom Oktober 2016 täuscht: An normalen Samstagen ist der Markt auf dem Münzplatz nicht mehr als ein Torso.
Das Foto vom Oktober 2016 täuscht: An normalen Samstagen ist der Markt auf dem Münzplatz nicht mehr als ein Torso.
Foto: Annette Hoppen

Es bleibt also die Frage, warum ein traditioneller Markt überall funktioniert – nur nicht in der Koblenzer Innenstadt. Und die kann derzeit niemand so recht beantworten. Das räumt auch Bürgermeisterin Marie-Theres Hammes-Rosenstein ein. SPD-Ratsmitglied Heribert Heinrich zweifelt daran, dass das Problem wirklich mit dem Bau einer Markthalle gelöst werden kann. Er erinnert an die Diskussionen rund um den Zentralplatz, die im Kern weit in die 90er-Jahre zurückreichen. Auch für die „neue Mitte“ der Stadt war der Bau einer Markthalle ins Auge gefasst worden, was aber an den allgemeinen Bedenken scheiterte.

Dabei ist ein Markt durchaus ein Sympathiefaktor, wie es Frederik Wenz ausdrückt. Der neue Mann im Citymanagement wird sich bald mit alternativen Konzepten befassen. Christoph Krepele bewertet das „Münzplatz-Projekt“ bereits jetzt von einer Architektur, die ihm entgegenkomme. Denn: Es soll nur ein leichter, an allen Seiten offener Baukörper entstehen, falls sich denn ein Investor findet. Die Frage, ob das Ganze für die Marktbeschicker überhaupt sinnvoll ist, muss derzeit offenbleiben. Die Deutsche Marktgilde, in der die Marktbeschicker in Genossenschaftsform organisiert sind, will sich vorerst noch nicht äußern und zunächst einmal abwarten.

Ein offenes Geheimnis ist, dass sich viele Altstädter einen großen Wochenmarkt auf dem Münzplatz zurückwünschen. Aber: Bislang stellen sich an Samstagen nur wenige Händler dem wirtschaftlichen Risiko. Ob sich die Rahmenbedingungen mit einer Markthalle verbessern lassen? Aus Sicht von David Richard ist das ausgeschlossen. „Als ich den Vorschlag gehört habe, bin ich erschrocken“, sagt der geschäftsführende Gesellschafter der Kaffeewirtschaft, der sowohl aus technischer als auch historischer Sicht Bedenken hat.

David Richard erinnert an die Tatsache, dass der Platz in seiner heutigen Form erst 1910/11 durch das Arkaden-Projekt des Architekten Conrad Reich geschaffen wurde – mit dem Ziel, bessere Strukturen und Lebensbedingungen in den Altstadtkern zu bringen. Eine Markthalle würde aus seiner Sicht einen Rückschritt bedeuten, weil sie vor allem das Mikroklima auf dem Platz aufheizen würde. Sein Argument: Schon jetzt wird es im Sommer sehr heiß, im Sommer 2003 stiegen die Temperaturen über die 50-Grad-Marke. Zudem bleibe die Frage, ob die Halle funktional überhaupt einen Sinn hat, weil der Verkauf der Waren oft direkt aus den Transportern heraus läuft. Aus seiner Sicht müsste es zumindest für eine Übergangszeit finanzielle Anreize geben. Für ihn hat der Standort Münzplatz durchaus Zukunft, was sich immer dann zeigt, wenn Marktveranstaltungen unter einem bestimmten Motto stehen.

Richard plädiert für ein Konzept mit der richtigen Mischung. Den Platz zuzubauen, ist für ihn keine Lösung. Und wenn man nicht weiß, wie es mit dem seit Jahren eingerüsteten Münzmeisterhaus weitergeht, erst recht nicht.

Von unserem Mitarbeiter Reinhard Kallenbach

Historisch oder nicht historisch? - Kleine Geschichte des Münzplatzes

Ein bekanntes historisches Foto aus dem Stadtarchiv Koblenz beflügelt die Fantasie: Es zeigt das Münzmeisterhaus mit zwei Anbauten. Beweis und Argument dafür, dass der Münzplatz bebaut werden kann?

Das Münzmeisterhaus und Anbau waren einst Standort von Bierhalle und Restaurant. Foto: Stadtarchiv Koblenz
Das Münzmeisterhaus und Anbau waren einst Standort von Bierhalle und Restaurant.
Foto: Stadtarchiv Koblenz

Wohl eher nicht, denn die Aufnahme entstand in der Zeit vor der Neugestaltung des Münzplatzes, deren zentraler Teil das Großprojekt des Conrad Reich war. Der Koblenzer Architekt hatte in Absprache mit der Stadt in den Jahren 1910/11 auf eigenes Risiko die heute noch bestehenden Gebäude auf der Nordseite des Platzes und der Südseite der Burgstraße errichtet. Ein Teil des Münzplatzes wurde übrigens erst seit den 1820er-Jahren zu Marktzwecken genutzt. Ursprünglich befanden sich hier die Gärten des Metternicher Hofes. 

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