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Rhens

Hotel Königstuhl in Rhens: Verfall soll ein Ende haben

Das historische Hotel Königstuhl in Rhens verfällt langsam vor sich hin. Jetzt soll das Gebäude zwangsversteigert werden. Ein Hausbesuch.

Leise knarren die alten Dielen unter dem dicken roten Teppich im Treppenaufgang. Ein paar Lichtstrahlen fallen in den Eingangsbereich. An der Wand hängt ein einsames Schlüsselbrett. Darunter lehnt ein Schild in Pfeilform mit der Aufschrift "Hotel Restaurant Königstuhl". Einst war es das erste Haus am Platz. Heute steht das Hotel leer und verfällt von Tag zu Tag. Eine Zwangsversteigerung soll nun helfen, einen neuen Besitzer zu finden. Auch die Stadt hofft auf eine baldige Lösung, denn wegen herunterfallender Dachschindel musste ein Passantentunnel aufgestellt werden, der für die Stadt zusätzliche Kosten verursacht (unsere Zeitung berichtete).

Für Heike Neuzerling ist der Verfall des Hauses nur schwer zu ertragen. Ihre Großeltern haben das Hotel aufgebaut. "Es war ein Haus, das viele namhafte Gäste angezogen hat", erinnert sich die Enkelin. Nach dem Tod ihrer Großeltern haben ihre Mutter und ihr Onkel die Immobilie übernommen. "Meine Schwester und ich haben immer mit viel Spaß mitgearbeitet. Mein Onkel war Gastgeber aus Leidenschaft, aber kein Kaufmann, und so wurde das Haus heruntergewirtschaftet."

Der große Saal ist lichtdurchflutet und gibt einen malerischen Blick direkt auf den Rhein frei. Vom kleinen Erker aus ist die Marksburg zu sehen. Im kleinen Speisesaal stehen Tische, Stühle und in einer Vitrine sogar noch die Gläser. Ein Stuhl ist leicht zurückgeschoben, so als wenn jemand nur mal kurz aufgestanden ist und gleich wiederkommt. Doch seit 2009 ist niemand wiedergekommen. Das Hotel steht seitdem leer. Nach dem Tod des Onkels 2009 war die Mutter die alleinige Besitzerin. Doch auch sie war zu dem Zeitpunkt schon schwer krank und konnte sich nicht mehr selbst kümmern. "Das Haus war damals schon geschlossen. Ich habe versucht, bei Banken einen Kredit zu bekommen, um es selbst wieder aufzubauen. Doch ohne Erfolg", sagt Neuzerling. In der ersten Zeit haben sich noch Heike Neuzerling und ihre Schwester um alles gekümmert. Doch mit der Zeit ist sie selbst krank geworden. Ihre Mutter lebt mittlerweile in einem Pflegeheim.

Seit eineinhalb Jahren kümmert sich eine amtliche Betreuerin um alle finanziellen Angelegenheiten der Mutter. Dazu gehört auch der Verkauf des Hauses. Interessenten gab es in den vergangenen Jahren schon einige, aber gekauft hat es am Ende doch keiner. Da auch das Finanzamt noch auf eine Erbschaftssteuer wartet, soll das Haus nun unter den Hammer kommen, weiß Neuzerling von der amtlichen Betreuerin der Mutter. Wehmütig schaut Neuzerling auf einen Bilderrahmen, der auf einer Kommode liegt. Unter einer Staubschicht erinnern Fotos an bessere Zeiten: Der große Saal ist festlich geschmückt, die Tische sind fein eingedeckt, ein Büfett wartet auf den Gästeansturm. Dunkle Holzmöbel mit Schnitzereien und roten Auflagen stehen noch heute im Saal und erinnern an einstigen Glanz.

Heike Neuzerling fühlt sich mit dem Haus allein gelassen. "Es ist ein historisches Gebäude von 1573. Es gehört zum Stadtbild von Rhens. Die Denkmalbehörde will es erhalten. Ich verstehe nicht, warum man uns dann mit diesem Gebäude allein lässt." Sie hofft, dass nun endlich ein Käufer gefunden wird: "Das Haus ist nichts für jemanden, der viel Geld verdienen will. Dafür ist es zu klein und hat zu wenige Zimmer." Mit seinen zwölf Zimmern, dem großen und dem kleinen Saal sowie der Terrasse lag der Wert des Hauses einst bei 600 000 Euro. Heute ist es beim Makler für 299 000 Euro veranschlagt. "Ein Investor müsste mindestens eine halbe Million in die Hand nehmen, um das Gebäude wieder in Schuss zu bringen", sagt Neuzerling. Auch wenn die Bahn direkt hinter dem Haus entlang fährt, hat es für sie einen besonderen Wert: "Nirgends sonst gibt es diese einmalige Lage mit direktem Blick auf den Rhein. Und dadurch, dass das Haus so hoch liegt, besteht auch keine Gefahr durch Hochwasser."

Nina Borowski

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