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Hochofen: Das Herz der Sayner Hütte wird umgebaut

Die Ausgrabungen am Hochofentrakt der Sayner Hütte sind abgeschlossen – bald kann die Sanierung des Herzstücks der Anlage starten. Bendorfs Wirtschaftsförderer Werner Prümm sagt: "Wir beginnen ab Dezember mit dem Umbau." Zurzeit laufen die Vorbereitungen.

Die Gießhalle der Sayner Hütte ist ein bedeutendes Industriedenkmal. Der Hochofentrakt schließt sich an die Gießhalle an. Der Hochofen war das Herz der Anlage und dieses soll mit dem Umbau wieder erlebbar werden. <br>
Die Gießhalle der Sayner Hütte ist ein bedeutendes Industriedenkmal. Der Hochofentrakt schließt sich an die Gießhalle an. Der Hochofen war das Herz der Anlage und dieses soll mit dem Umbau wieder erlebbar werden.

Von unserer Redakteurin Katrin Franzen

Die Ausgrabungen am Hochofentrakt der Sayner Hütte sind abgeschlossen – bald kann die Sanierung des Herzstücks der Anlage beginnen. Bendorfs Wirtschaftsförderer Werner Prümm sagt: "Wir beginnen ab Dezember mit dem Umbau." Zurzeit laufen die Vorbereitungen.

Der Hochofentrakt, der sich als Querriegel an die Gießhalle anschließt, liegt derzeit im Dornröschenschlaf. Wo es einst dampfte und rauchte, wo Arbeiter mithilfe von Kohle und Zuschlagstoffen flüssiges Eisen produzierten, herrscht heute gähnende Leere. Verwaiste Büroräume gruppieren sich auf verschiedenen Ebenen um eine stählerne Wendeltreppe. Der Hochofenschacht war schon vor Jahrzehnten entfernt und Betondecken eingezogen worden. Vom alten schlagenden Herzen der Eisengussproduktion ist nicht mehr viel geblieben. Das soll sich nun ändern.

Die weltweit einzigartige Gießhalle der Sayner Hütte (Bild ganz oben und Bild unten) wurde 1830 in tragender Konstruktion aus vorgefertigten Eisengussteilen fertiggestellt. Der Hochofentrakt (mittleres Bild) schließt sich als Querriegel an. Dieser wird bald saniert und umgebaut.  Fotos: Katrin Franzen
Die weltweit einzigartige Gießhalle der Sayner Hütte (Bild ganz oben und Bild unten) wurde 1830 in tragender Konstruktion aus vorgefertigten Eisengussteilen fertiggestellt. Der Hochofentrakt (mittleres Bild) schließt sich als Querriegel an. Dieser wird bald saniert und umgebaut. Fotos: Katrin Franzen
Foto: kaf
Der Bendorfer Architekt Thomas Steinhardt ist Feuer und Flamme für das Projekt. "Wir werden den Schacht des Hochofens wieder erlebbar machen", erzählt er. Ursprünglich sollte das Gebäude nur umgebaut und saniert werden. Aber jetzt wird es authentisch zurückgebaut und seiner einstigen Funktion entsprechend modern interpretiert. Dazu werden die Wendeltreppe und die Betonböden rausgerissen. Eine große Röhre wird anstelle des Hochofenschachts gebaut. An ihr entstehen verschiedene Besucherebenen. Die einstige Außenhaut des Hochofens wird durch eine transparente Membran den Blick in die Gießhalle ermöglichen. Links und rechts des Schachtes entstehen Aufzug und Treppenaufgang. Auch wird es ein Podest geben, von dem aus man in die Wasserradkammern blicken kann.

Eigentlich sollte mit dem Hochofentrakt auch das angrenzende Arkadengebäude saniert werden. Das war so bei den Förderbehörden beantragt worden. Doch das Arkadengebäude wird nun zurückgestellt, bestätigt Wirtschaftsförderer Werner Prümm. "Wir konzentrieren uns jetzt auf den Hochofentrakt", sagt er. Das sei mit den Fördergeldgebern einvernehmlich geklärt worden. Der Grund: Der Hochofentrakt ist bedeutender als angenommen. Architekt Steinhardt betont: "Wir haben sehr viel recherchiert." In Archiven wurden alte Zeichnungen und Lagepläne gefunden. Darauf sah man etliches, was man sich nicht erklären konnte. Letztendlich gab es für Steinhardt nur einen Weg, um Klarheit zu bekommen: "Ich wollte, dass alles ausgegraben wird." So fügten sich Skizzen und vorhandene Baustrukturen im Boden und Hang mit den Funden vor Ort zu einem Gesamtbild.

Foto: kaf
Die Vorgrabungen hatten bereits im Mai zum Umdenken in Bezug auf den Hochofentrakt geführt (die RZ berichtete). Zwischenzeitlich wurde die Förderung in trockene Tücher gebracht, berichtet Wirtschaftsförderer Prümm. Bislang hatte das Herz der Sayner Hütte als Holzkohleofen unter vielen gegolten. Architekt Steinhardt schildert, dass nach und nach klar wurde, was dort alles im Boden liegt – und was das konkret für die Bewertung des Industriedenkmals und dessen Sanierung bedeutet. So beweisen entdeckte Rudimente der Rohrleitungen, dass es Heißwindeinblasungen in den Ofen gegeben haben muss. Man geht davon aus, dass in Sayn Experimente liefen, wie ein Hochofen effektiver betrieben werden kann. Die Entwicklung des technischen Hüttenprozesses wurde damit vermutlich vorangetrieben. So ist der Hochofen heute als hochwertiger einzuschätzen, heißt es. In Hinblick auf eine mittelfristig geplante erneute Bewerbung der Sayner Hütte um den Status als Unesco-Welterbestätte, könnte die Neubewertung des Hochofens wichtig sein.

Weitere Erkenntnisse der Recherchen und Grabungen zeigen: Ein Wirtschaftsweg führte hinter der Gießhalle auf eine höhere Ebene: die sogenannte Möllerbrücke, eine Logistikebene. Prümm schildert, dass der Weg fast parallel zur Straße Richtung Stromberg verlief. Pferdekutschen lieferten Kohle oder Zuschlagstoffe an, die direkt in den Hochofen oder dem nahe gelegenen Holzkohleschuppen gelagert wurden. Dieser Schuppen wurde zwar nicht freigelegt, ist aber auf Skizzen zu sehen. Auch er könnte neu gebaut und modern genutzt werden. Architekt Steinhardt betont als weiteres Ziel: "Wir wollen den ursprünglichen Transportweg der Rohstoffe freilegen und erlebbar machen." Zunächst einmal aber werden Besucher über ein Gerüst dorthin gelangen, das den Transportweg symbolisiert.

So funktioniert der Umbau

Der Umbau des Hochofentraktes bedarf einiger Vorarbeiten, wie Bendorfs Wirtschaftsförderer Werner Prümm erzählt. Los geht es im Dezember. Das Gebäude wird anfangs stabilisiert, indem der Hang gesichert wird. Wenn die alten Betonspanndecken rausgerissen werden, muss die alte Bruchsteinmauer dem Druck des Hangs standhalten und darf nicht auf Gießhallenebene wegbrechen. Nach der Sicherung beginnt der Abriss im Inneren. Sanierung und Umbau folgen. Prümm meint, dass die Arbeiten bis ins vierte Quartal 2018 anhalten werden. „Die Zeit werden wir brauchen, weil es ein massiver Eingriff ins Gebäude ist.“ Die Arbeiten haben auch Auswirkungen auf Veranstaltungen in der angeschlossenen Gießhalle. Ein Teil wird abgesperrt. „Aber zwei Drittel der Halle werden nutzbar sein und auch genutzt werden“, betont Prümm. Katrin Franzen

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