40.000
Aus unserem Archiv
Mosel

Havarie auf der Mosel: Video zeigt Unfallhergang

Volker Schmidt

Eine Frau flucht laut auf Niederländisch, während sie auf der Brücke eines Güterschiffs steht. Der Grund, warum sie sich so aufregt: Ein anderes Güterschiff ist vom Kurs abgekommen und befindet sich auf Kollisionskurs. Es kommt zum Zusammenstoß. Der Film verwackelt. Die Frau flucht weiter und wendet sich dann per Funk an die Schleuse in Lehmen, um den Unfall zu melden. Worum es geht, ist klar: die Havarie, die sich jüngst auf der Mosel zugetragen hat (die RZ berichtete mehrfach). Gefilmt wurde sie anscheinend mit einem Smartphone von der Brücke des in Richtung Koblenz fahrenden Schiffes, das vor Lay beinahe gesunken wäre. Doch wo ist das Video zu sehen, wie geht die Polizei damit um und welche Erkenntnisse bringt es überhaupt? Die RZ geht diesen und weiteren Fragen nach.

Um nach der Kollision mit einem anderen Schiff nicht unterzugehen, fuhr der Kapitän dieses Güterschiff vor Lay auf eine Sandbank. Die Feuerwehr und eine Spezialfirma hatten alle Hände voll zu tun, um das Schiff so weit zu reparieren, dass es weiterfahren konnte.
Um nach der Kollision mit einem anderen Schiff nicht unterzugehen, fuhr der Kapitän dieses Güterschiff vor Lay auf eine Sandbank. Die Feuerwehr und eine Spezialfirma hatten alle Hände voll zu tun, um das Schiff so weit zu reparieren, dass es weiterfahren konnte.
Foto: Volker Schmidt

Aufgetaucht ist das Video zuerst in sozialen Medien. Über die Facebook-Seite „Binnenschifffahrt in Europa“ wurde es mehrfach geteilt, dann aber wieder gelöscht. Auch über WhatsApp erreichte das Video viele Menschen. Inzwischen ist es wieder über die Internetplattform Youtube zu sehen.

Der knapp zweiminütige Film ist aufgrund der doch spektakulären Ereignisse nicht nur sehr kurzweilig, er bringt auch einige Erkenntnisse. Aus der Perspektive des in Richtung Koblenz fahrenden Schiffes sieht es zum Beispiel klar so aus, als würde das entgegenkommende, bergan fahrende Schiff vom Kurs abkommen und somit den Kurs des bergab fahrenden Schiffes kreuzen. Warum es vom Kurs abgekommen ist, wird natürlich nicht geklärt.

Auch der Ort des Zusammenstoßes ist erwähnenswert. Diesen hatte die Wasserschutzpolizei in Koblenz unmittelbar nach Bekanntwerden der Havarie mit Kobern angegeben. Wie in dem Video zu sehen ist, ereignete sich der Unfall aber anscheinend unmittelbar vor Kloster Kühr in Niederfell, also knapp unterhalb der Schleuse in Lehmen. Daher meldet sich die erwähnte Niederländerin nach dem Gespräch mit einem Mann – vermutlich dem Kapitän – auch per Funk bei dem dort sitzenden Schleusenwärter, um den Crash zu melden, und bittet ihn darum, die Polizei zu verständigen.

Das Video ist der Wasserschutzpolizei bekannt. „Es wurde uns seitens einer Unfallbeteiligten zu Beweiszwecken zur Verfügung gestellt“, sagt Christian Rupp, der Pressesprecher des Polizeipräsidiums Einsatz, Logistik und Technik, zu dem die Koblenzer Wasserschutzpolizei gehört. Wie man weiter mit diesem umgeht, ist noch nicht geklärt. Und wohl auch nicht, ob die Veröffentlichung von möglichem Beweismaterial unter Umständen Konsequenzen hat. „Die rechtliche Einordnung der Aufnahme und deren Veröffentlichung wird derzeit geprüft“, so Rupp, der die Schuldfrage daher auch nicht als geklärt abhaken will. „Die Unfallursachenermittlung ist Teil eines noch nicht abgeschlossenen Ermittlungsverfahrens. Details über die Ursache können somit noch nicht mitgeteilt werden“, so der Sprecher.

Etwas mehr Klarheit hat man inzwischen bei der Frage nach dem Gesamtschaden. „Die Unfallbeteiligten beziffern den Gesamtschaden auf circa 200.000 Euro“, sagt Christian Rupp. Den wirtschaftlichen Schaden, der durch die Schifffahrtssperre entstanden ist, kann die Behörde nicht beziffern. Ein höherer wirtschaftlicher Schaden sei aber nicht entstanden, da die Schifffahrtssperre nur eine Stunde betragen habe.

Und was ist mit den beiden am Unfall beteiligten Schiffen? Eines der beteiligten Fahrzeuge befand sich Ende vergangener Woche im französischen Frouard, wie das Präsidium mitteilte. Am vergangenen Montag sollte es erneut beladen werden. Bei diesem Schiff dürfte es sich um das Schiff handeln, das bei der Kollision nicht so stark beschädigt wurde und das nach dem Unfall oberhalb der Lehmener Schleuse gelegen hatte. Das andere, schwerer beschädigte Schiff befand sich am vergangenen Freitag im niederländischen Ijzendoorn. „Bei diesem Fahrzeug ist im Anschluss ein Werftaufenthalt bei Antwerpen geplant“, so das Polizeipräsidium.

Das Video finden Sie bei YouTube im Internet unter www.ku-rz.de/godverdomme

Von unserem Redakteur Volker Schmidt

Koblenz
Meistgelesene Artikel
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Online regional
Nina Borowski

Nina Borowski

Regio-CvD Online

 

Mail

epaper-startseite
Wetter
Sonntag

17°C - 29°C
Montag

17°C - 27°C
Dienstag

17°C - 28°C
Mittwoch

17°C - 29°C
News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
Bildergalerie: Fotos unserer Leser
Kaiser Wilhelm und Seilbahngondel bei Sonnenuntergang. Die Aufnahme machte Thorsten Kolb aus Zirl im Spätsommer bei Sonnenuntergang an der B42 in Ehrenbreitstein.

Mit der Kamera an Rhein und Mosel unterwegs: Hier zeigen wir die schönsten Fotos unserer Leser. Zusenden per E-Mail.

Serie: Koblenzer Stadtgeschichte
Koblenzer Stadt-Geschichten

Redakteur Reinhard Kallenbach greift historische Begebenheiten der Stadt auf