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    KoblenzGeschichte: Walter Karbach kämpft gegen Straßennamen mit Nazi-Klang

    Schon als Walter Karbach ein kleiner Junge war, hat sein Vater immer gesagt: Von dem Lux kommt mir nichts ins Haus – und das, obwohl dieser in jener Zeit ein bekannter Jugendbuchautor war und außerdem Ehrenbürger seiner Heimatstadt Oberwesel.

    Unzählige Bücher und Akten über Hanns Maria Lux hat Walter Karbach gewälzt – und ist überzeugt: Nach ihm darf keine Straße benannt sein.
    Unzählige Bücher und Akten über Hanns Maria Lux hat Walter Karbach gewälzt – und ist überzeugt: Nach ihm darf keine Straße benannt sein.
    Foto: Stephanie Mersmann

    Was sein Vater schon damals ahnte, sieht Karbach junior heute nach monatelangen Recherchen bestätigt: Lux war ein Nazi, der dies später geschickt vertuschte und trotz seiner Vergangenheit zahlreiche Ehrungen einstrich. In Koblenz ist eine Straße nach ihm benannt.

    „Diese Straße darf ihren Namen nicht behalten“, ist Karbach überzeugt. Der promovierte Germanist war früher Schulleiter, heute ist er Pensionär, Autor und Verleger – und beschäftigt sich seit Monaten mit Hanns Maria Lux.

    In Koblenz hat das Thema zuletzt an Aktualität gewonnen: Hier läuft momentan eine Debatte über Straßennamen, die aus historischer Sicht problematisch sind, der städtische Arbeitskreis für Straßenbenennung beschäftigt sich grundsätzlich mit dem Thema (die RZ berichtete). Dies betrifft diverse Straßen und Plätze in der Stadt – und eben auch die Hanns-Maria-Lux-Straße auf dem Asterstein.

    Diese ist nach einem Mann benannt, der jahrzehntelang in und um Koblenz relativ bekannt war. Geboren im Jahr 1900 in Trier, wurde Lux 1931 Lehrer an der Katholischen Volksschule St. Castor in Koblenz. 1933 trat er in den Nationalsozialistischen Lehrerbund ein, 1941 wurde er Landesleiter der Reichsschrifttumskammer im Gau Moselland.

    Zudem veröffentlichte er zahlreiche Lieder, Erzählungen und Romane. Schon 1920 beschwor er im Saarlied die Zugehörigkeit des Saarlands zu Deutschland, später wurde er dafür von Hitler selbst geehrt. Textprobe: „Wir wollen niemals Knechte sein – Wir wollen ewig Deutsche sein!“

    Auch in späteren Büchern besang Lux die soldatischen Ideale der damaligen Zeit, ergoss sich in Deutschtümelei und verbreitete Vorurteile gegen Franzosen, Chinesen und Russen, zwei Nazi-Literaturpreise bekam er dafür. Das ist zwar nicht schön, war in jener Zeit aber nichts wirklich Ungewöhnliches.

    Karbachs eigentlicher Vorwurf gegen Lux: Nach der NS-Zeit wollte dieser nichts mehr davon wissen und stand nie zu seiner Vergangenheit: „Das ist alles unter den Tisch gefallen“, sagt der Germanist. 15 bis 20 Erzählungen aus diesen Jahren habe Lux nie mehr erwähnt, noch heute seien sie kaum aufzufinden, andere habe er umgearbeitet. In einem Brief an einen Schüler stellt er sich als „tapferer Antifaschist“ dar.

    „Lux hat nichts unversucht gelassen, sein Bild für die Nachwelt zu schönen“, sagt Karbach. Alte Freunde aus der Nazi-Zeit hätten ihm zu Aufträgen verholfen, sodass er später als Kulturberater von Oberwesel Feste organisierte und Politiker wie Theodor Heuss und Konrad Adenauer durch die Stadt geleitete. 1960 wurde er hier Ehrenbürger, im selben Jahr bekam er das Bundesverdienstkreuz, 1977 wurde eine Straße in Koblenz nach ihm benannt.

    Eine kritische Auseinandersetzung mit Lux' Nazi-Vergangenheit habe es nie gegeben, „dabei gibt es in Koblenz so viel Material, das aber niemand eingesehen hat“, wundert sich Karbach. Ein Antrag der Grünen im Jahr 2005, die Straße auf dem Asterstein umzubenennen, wurde abgelehnt.

    Für Walter Karbach ist das ein Unding: Ein Jahr lang hat er intensiv zu Hanns Maria Lux recherchiert, hat Bücher gewälzt und Stunden in Archiven verbracht. Schon von Haus aus hat er ein kritisches Verhältnis zu dem Ehrenbürger seiner Geburtsstadt: „Mein Vater war Antifaschist, in der NS-Zeit wurde er verprügelt und hat seine Arbeit verloren. Trotzdem war er lange im Krieg – und Lux war nur zehn Monate an der Heimatfront.“

    Als Autor widmete sich Lux nach Kriegsende nur noch unverfänglichen Themen, die Vergangenheit geriet in Vergessenheit. Nur für Walter Karbach nicht. Im Herbst soll ein Buch mit seinen Rechercheergebnissen erscheinen. Titel: „Hanns Maria Lux und die Nazis“.

    Von unserer Redakteurin Stephanie Mersmann

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