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Koblenz

Genuss unter freiem Himmel: Was Wirte beachten und bezahlen müssen

Katharina Demleitner

Entspannt eine Tasse Kaffee in der Sonne trinken, ein schattiges Plätzchen für eine Erfrischung mit kühlen Getränken nutzen, ein leckeres Essen an einem lauen Abend unterm Sternenhimmel genießen – im Sommer zieht es die Besucher von Gaststätten nach draußen. Auch in Koblenz sind die vielen Möglichkeiten, es sich an der frischen Luft schmecken zu lassen, beliebt. Und ohne Biergarten, Terrasse oder Stühle und Tische auf Plätzen und Straßen läuft in der Gastronomie vor allem an warmen Sommertagen wenig.

Nichts wie raus: Das schöne Sommerwetter nutzen viele – wie hier am Plan –, um unter freiem Himmel Köstlichkeiten zu genießen.
Nichts wie raus: Das schöne Sommerwetter nutzen viele – wie hier am Plan –, um unter freiem Himmel Köstlichkeiten zu genießen.
Foto: Katahrina Demleitner

Gelegenheit, draußen sitzen zu können, bieten Koblenzer Gaststätten reichlich. Viele Lokale haben Terrassen oder privates Gelände, wo sie Gäste bewirten können. Wer auf öffentlichen Freiflächen Tische und Stühle aufstellen möchte, braucht eine Sondernutzungserlaubnis der Stadt. Derzeit haben rund 200 Wirte eine solche Genehmigung für Außenbestuhlung, wie Stadtsprecher Thomas Knaak auf Anfrage mitteilt. 2013 waren es noch circa 175 gewesen, insgesamt sind die Zahlen seit Jahren stabil, heißt es aus dem Rathaus. Um eine Sondernutzungserlaubnis zu bekommen, müssen verschiedene Voraussetzungen erfüllt werden. Vor allem die Rettungswege und die verbleibende Mindestbreite der Fußgängerwege müssen frei bleiben. Für das Mobiliar gilt die „Gestaltungsrichtlinie von Sondernutzungen im öffentlichen Raum“. Darin heißt es unter anderem, dass die Möblierung aus hochwertigen Materialien bestehen, eine „optisch ansprechende und angenehme Erscheinung gewährleisten“ und pro Gastrobetrieb einheitlich gestaltet sein soll. Um ihre Gäste unter freiem Himmel zu bedienen, müssen die Koblenzer Wirte unterschiedlich tief in die Tasche greifen. Die monatlichen Sondernutzungsgebühren pro Quadratmeter kosten zwischen 2,65 und 6,10 Euro. Der teuerste Bereich liegt zwischen Mosel, Europabrücke, Saarplatz, Wöllershof, Pfuhlgasse, Clemensstraße und Rhein und umfasst die gesamte Altstadt.

Ein frisch gezapftes Bier unterm Blätterdach, ein heimischer Wein in der urigen Straußwirtschaft, ein Eis unterm Sonnenschirm: Der Sommer ist die Zeit der Freiluftgastronomie, und zum Glück leben wir in einer Region, in der es viele Angebote gibt, einen entspannenden Nachmittag oder Abend unter freiem Himmel zu genießen. In einer neuen Serie stellt die RZ ausgewählte Ausflugslokale vor – und zwar nicht nur in Koblenz und im unmittelbaren Umfeld, sondern bewusst darüber hinaus. So wollen wir unseren Lesern in den kommenden Wochen Anregungen und manchen Geheimtipp geben.

Die Industrie- und Handelskammer Koblenz (IHK) beobachtet einen deutlichen Trend zu mehr Angeboten und gestiegenem Interesse an der Außengastronomie. „Das beruht auf den Erfahrungen – meist aus dem Urlaub – in südlichen Ländern und dem Wunsch, sich gerade bei warmen Temperaturen im Freien aufzuhalten“, vermutet Bertram Weirich, stellvertretender IHK-Hauptgeschäftsführer. Vor allem Jugendliche gehen abends erst sehr viel später „in die Stadt“, um zu feiern. Auch Rauchverbote könnten dazu beigetragen haben, dass viele lieber draußen sitzen, meint Weirich, der zugleich auf die Probleme hinweist: „Tatsache ist, dass die Gastronomie für die Nachteile des hohen Besucheraufkommens in der Altstadt, also Verkehr, Lärm, Verunreinigungen, Kriminalität, mitverantwortlich gemacht wird.“ Dabei seien die Ursachen dafür nicht die Wirte, sondern oft Gruppen, die sich auf Plätzen außerhalb der Lokale aufhalten, mitgebrachte alkoholische Getränke konsumieren oder von Kneipe zu Kneipe ziehen.

Grundsätzlich ist die Außenbewirtung im Stadtgebiet bis 23 Uhr gestattet, im Innenstadtbereich zusätzlich in den Nächten von Samstag auf Sonntag und vor einem gesetzlichen Feiertag bis 24 Uhr. „Die festgesetzte Frist für Außenbewirtung trifft bei vielen Gästen auf Unverständnis“, weiß Weirich. Weitere Diskussionen entstünden wegen der Überschreitung der Flächen für Außenbestuhlung, wenn Gäste beispielsweise Tische und Stühle verschieben, um mehr Platz zu haben und dabei die Grenzen der Nutzungsfläche missachten, oder auch wegen Verunreinigungen jeglicher Art. Grundsätzlich gebe es in Koblenz aber keine besonderen Auffälligkeiten und im Vergleich zu anderen Stadtzentren eher unterdurchschnittlich viele Problemfälle. Das bestätigt auch Joachim Mehlhorn, Vorsitzender des Dehoga-Kreisverbandes Koblenz: „Im Moment ist die Lage ruhig.“ Allerdings hätten Gastronomen Probleme, Personal zu bekommen, obwohl die gute Wetterlage mehr und planbare Einsätze für die meist studentischen Aushilfen zulasse. „Wer im Sommer keine Tische draußen hat, hat es schwer“, so Mehlhorn. Und auch im Winter zieht es Gäste immer häufiger an die frische Luft. Die Wirte reagieren: Decken liegen bereit, „so rechnen sich die jährlich zu zahlenden Gebühren auch“, sagt Mehlhorn.

Von unserer Mitarbeiterin Katharina Demleitner

Besuchermagnet Altstadt

Die Außengastronomie hat immer mehr Liebhaber, birgt aber auch Konfliktpotenzial. Daher hat sich ein Arbeitskreis Nachtgastronomie gegründet, dem neben Altstadtgastronomen und dem Dehoga-Kreisverband Koblenz auch „Alle lieben Koblenz“, Polizei, Ordnungsamt und IHK Koblenz angehören. Ziel ist, regelmäßig Erfahrungen auszutauschen und so dazu beizutragen, die Belastungen und Konflikte in der Altstadt abzubauen. Vier Treffen hat es bereits gegeben.

Zugleich hat die Schwarmstadtstudie von 2017, die die IHK Koblenz und der Verein Haus und Grund gemeinsam in Auftrag gegeben haben, ergeben, „dass die Koblenzer Altstadt mit ihrem Angebotsmix aus Wohnen, Kultur, Handel und Gastronomie ein Musterbeispiel für sogenannte Urbanität ist, also das Flair, das viele Menschen in Städten suchen“, erklärt der stellvertretende IHK-Hauptgeschäftsführer Bertram Weirich. Die Schwarmstadtstudie empfehle, die Altstadt in diesem Sinne weiterzuentwickeln. Sie sei ein Besuchermagnet und damit auch ein wichtiger Bestandteil des Stadt- und Regionalmarketings.

In Fortsetzung dazu hat die IHK Koblenz eine weitere Studie zu den Themen Wirtschaftskraft der Gastronomie, Arbeitsplätze, Marketing und Entwicklungsmöglichkeiten in Auftrag gegeben. Die Ergebnisse der Studie über die Bedeutung der Koblenzer Altstadt sollen am 19. September in der IHK vorgestellt werden.

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