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Koblenz

Frauennotruf braucht nun selbst Hilfe: Beratungsstelle sucht dringend neue Räume

Doris Schneider

Der Frauennotruf muss umziehen. Das Haus, in dem die Beratungsstelle seit 2006 Räume angemietet hat, soll saniert werden, alle müssen raus. Für den Frauennotruf ist es nicht einfach, neue, passende Räume zu finden, schildert Franziska Godlewsky, eine der vier Mitarbeiterinnen.

In der Neustadt 19 ist der Frauennotruf seit mehr als elf Jahren – doch die Beratungsstelle muss nun spätestens im April neue Räume finden. Das ist nicht so einfach.
In der Neustadt 19 ist der Frauennotruf seit mehr als elf Jahren – doch die Beratungsstelle muss nun spätestens im April neue Räume finden. Das ist nicht so einfach.
Foto: Sascha Ditscher

Das liegt zum einen daran, dass die Preise in der Innenstadt einfach zu hoch sind – unangemessen hoch, finden die Beraterinnen, nachdem sie ein paar Räume besichtigt haben. Der Notruf hat sowieso in jedem Jahr ein Defizit auszugleichen, weil die öffentlichen Zuschüsse nie ausreichen. Aus dem Zentrum raus aber wollen sie auf keinen Fall. Das sei das falsche Signal, findet Franziska Godlewsky: „Das Thema sexuelle Gewalt muss zentral bleiben, nicht an den Rand gedrängt werden.“ Außerdem braucht die Beratungsstelle schöne helle Räume. „Es ist für viele Frauen schwer, zu uns zu kommen, weil sie dann wieder mit dem Thema konfrontiert werden. Dabei sollen sie sich wenigstens in den Räumen wohlfühlen können.“

Was die Suche erschwert: Der Frauennotruf wird häufig mit dem Frauenhaus verwechselt. Potenzielle Vermieter vermuten dann eine hohe Fluktuation und viele Bewohner. Die gibt es aber im Notruf nicht. Dies ist eine reine Beratungsstelle, die nur tagsüber besetzt ist.

Vier bis fünf Büroräume wären ideal, dazu eine kleine Kaffeeküche und eventuell sogar ein Balkon – Franziska Godlewsky skizziert, was die Beratungsstelle benötigen würde. Bis Ende April müssen neue Räume gefunden werden, dann läuft die Kündigungsfrist ab.

Wie wichtig die Stelle ist, zeigen die Zahlen von 2016 – das gerade abgelaufene Jahr ist noch nicht komplett ausgewertet. 2016 waren es 350 persönliche Beratungsgespräche, die in den Räumen geführt wurden, dazu kamen 393 telefonische Beratungen und 525 Onlineberatungen. Die Fach- und Beratungsstelle gibt es inzwischen seit 27 Jahren in Koblenz. Bis sie in die Neustadt zog, war sie in kleineren Räumen in der Kurfürstenstraße 54 untergebracht. Der Frauennotruf wird von einem gemeinnützigen Verein getragen und zu etwa 70 Prozent über öffentliche Zuschüsse finanziert, besonders durch das Land Rheinland-Pfalz. „Wir informieren über das Ausmaß, die Folgen und die Ursachen sexualisierter Gewalt gegen Frauen und Mädchen. Wir stärken Frauen und Mädchen durch Präventionsangebote in der Region. Und wir beraten Frauen und Mädchen ab dem 14. Lebensjahr in unseren Räumlichkeiten, wenn sie von sexualisierter Gewalt betroffen sind“, so Franziska Godlewsky.

Von unserer Redakteurin Doris Schneider

Das ist der Notruf

Die Hilfsangebote

Der Frauennotruf berät:

  • jugendliche Mädchen und Frauen, die sexuelle Übergriffe erlebt haben oder befürchten
  • Freundinnen, Angehörige und nahestehende Bezugsperson einer Betroffenen
  • (pädagogische) Fachkräfte im Rahmen einer kollegialen Supervision
  • persönlich, telefonisch, online
  • kostenlos, auf Wunsch anonym

Der Frauennotruf informiert:

  • über Ausmaß, Folgen und Ursachen von sexualisierter Gewalt gegen Frauen und Mädchen
  • gezielt Fachgruppen und Kollegen aus anderen Einrichtungen, um eine gute Versorgung von Frauen und Mädchen nach erlebter sexualisierter Gewalt zu ermöglichen
  • Die Prävention ermutigt und unterstützt Mädchen und Frauen, sich sicher, stark und selbstbewusst zu bewegen. Angeboten werden unter anderem Selbstverteidigungskurse, Ganztagsschulprojekte oder Workshops für Berufsgruppen

Es gibt drei Möglichkeiten, Kontakt zum Frauennotruf aufzunehmen:

  • per Telefon: 0261/350 00 (Sprechzeiten laut Anrufbeantworter)
  • per E-Mail: mail@frauennotruf-koblenz.de
  • sichere und verschlüsselte Onlineberatung

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