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Bendorf

Flüchtlingsfrauen den Weg aus der Isolation ebnen: Engagierte Bendorfer öffnen Türen

Integration kann nur klappen, wenn Migranten auch am gesellschaftlichen Leben teilnehmen. In Bendorf zeigt ein Projekt engagierter Bürger, wie das gelingen kann.

Zu den Angeboten für die Flüchtlingsfrauen zählen auch gemeinsame Kochabende im Sayner Pfarrheim, hier mit Köchin Tina Gilles (Mitte), Teilnehmerin Pervane Ahmedo und Projektkoordinatorin Habibe Aydin (rechts).
Zu den Angeboten für die Flüchtlingsfrauen zählen auch gemeinsame Kochabende im Sayner Pfarrheim, hier mit Köchin Tina Gilles (Mitte), Teilnehmerin Pervane Ahmedo und Projektkoordinatorin Habibe Aydin (rechts).
Foto: Annette Hoppen

Die große Flüchtlingswelle, die 2015 und auch 2016 noch über Deutschland schwappte, ist abgeebbt. Doch die Herausforderungen für die Menschen, die auch in Bendorf Zuflucht gefunden haben, und für die, die hier schon immer zu Hause sind, bleiben: Ohne Integration drohen Parallelgesellschaften. Um sich in einem neuen Kulturkreis besser zurecht zu finden, aber auch, um in einem geschützten Raum am gesellschaftlichen Leben etwa auf der Ebene etwa von Sportclubs teilzunehmen, dabei hilft der Zusammenschluss Familie sayn in Kooperation mit dem Mainzer Verein Arc en ciel Frauen mit Migrationshintergrund. Zusammen haben die beiden Gruppierungen in der Rheinstadt das Projekt WIR auf die Beine gestellt, das für den Satz „Willkommen in der Region“ steht.

Über gemeinsame Kochabende, Ausflüge in den Zoo, Spielenachmittage auch in Begleitung der Kinder der Frauen oder auch über einen Fitnesskurs sollen die Teilnehmerinnen mit Fluchtgeschichte der Sprung aus der häuslichen Isolation gelingen. „Der Sprung hinaus in die Welt gelingt nur, wenn man auch kultursensible Angebote macht“, weiß Fatma Polat. Die 39-jährige Juristin mit türkischen Wurzeln stammt aus Bendorf, hat dann während des Studiums in Mainz den Sport und Kulturverein Arc en ciel gegründet. Anliegen war zunächst, Studenten mit Migrationsgeschichte über Sportangebote und gemeinsame Freizeitaktivitäten zu erreichen. „Mittlerweile sind wir auch über Mainz hinaus tätig und kooperieren mit Vereinen und anderen Institutionen, um auch Flüchtlingen zu helfen“, erzählt Fatma Polat.

Selbst Muslimin, weiß die Mainzerin, welche Barrieren es vor allem für Frauen gibt, sich hinaus in die westlich geprägte Gesellschaft zu wagen – und hat deshalb zum Beispiel einen Schwimmtag nur für Frauen angeregt, der nun einmal in der Woche im Berufsbildungswerk in Heimbach-Weis stattfindet. Gleiches gilt für die Sportangebote, bei denen die Frauen zunächst einmal unter sich bleiben können. „So können die Frauen die Angebote von Sportvereinen kennenlernen, die ihnen ansonsten verschlossen bleiben, weil die Religion oder die kulturelle Prägung den Teilhabeprozess nicht möglich machen würden“, sagt Fatma Polat.

Koordiniert werden die Aktivitäten in Bendorf von Habibe Aydin, die von den Mitgliedern des Zusammenschlusses Familie sayn und dessen Sprecherin Ute Stuhlträger unterstützt wird. Bei der Ärztin rannte Fatma Polat quasi offene Türen ein. Denn Familie sayn ist schon seit 2015 in der Flüchtlingshilfe sehr aktiv, initiierte unter anderem eine Fahrradwerkstatt, um geflüchtete Menschen mit Zweirädern mobil zu machen.

Dass Integration nicht nur über Freizeitaktivitäten und Sport, sondern nicht zuletzt über die Sprache funktioniert, das weiß währenddessen auch Fatma Polat sehr genau. Bei den Treffen der Frauen gilt deshalb: „Wir sprechen immer deutsch, auch untereinander“, betont die Juristin. Und: Die Aktivitäten sind zumeist interkulturell, von der Zusammensetzung der Gruppe her, aber auch, was die Angebote selbst betrifft. So schlenderten die zumeist muslimischen Flüchtlingsfrauen im Dezember auch ganz selbstverständlich gemeinsam über den Bendorfer Weihnachtsmarkt.

Von unserer Mitarbeiterin Annette Hoppen

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