40.000
Aus unserem Archiv
Koblenz

Firmen streiten, wer Schuld am Einsturz der BBS-Decke hat

Schwere Vorwürfe hat der Besitzer der Elektrofirma, die an der BBS Kabelarbeiten ausgeführt hat, gegen das Unternehmen erhoben, das die Decke im Jahr 2010 eingezogen hat (die RZ berichtete). Auf etwa 40 Quadratmetern waren die Deckenplatten in einem Treppenhaus abgestürzt, als der Elektriker sie geöffnet hatte. Jetzt reagiert der Inhaber der Deckenbaufirma.

Nach dem Absturz von Deckenteilen an der Julius-Wegeler-Schule Mitte Mai mussten mehrere Mädchen von Rettungskräften versorgt werden.
Nach dem Absturz von Deckenteilen an der Julius-Wegeler-Schule Mitte Mai mussten mehrere Mädchen von Rettungskräften versorgt werden.
Foto: picture alliance / dpa

"Auf den Deckenelementen darf überhaupt kein Gewicht lagern, nicht einmal ein Kabel, das ist ganz klar vorgeschrieben", sagt Geschäftsführer Michael Koch. Trotzdem habe der Arbeiter der Elektrofirma einfach die Decke geöffnet und mindestens eins, vielleicht auch mehrere der Deckenelemente auf die anderen geschoben. "Das ist nicht zulässig." Im Übrigen sei das Unglück bei dem letzten von 40 Lautsprecherkabeln passiert, die unter beziehungsweise über der Decke eingezogen wurden. "Das heißt ja, dass es 39-mal gut gegangen ist. Wenn die Elektrofirma also jetzt sagt, die Decke habe keine Reserven gehabt, dann kann das ja so gar nicht stimmen."

Außerdem, so der Geschäftsführer, habe die Elektrofirma aus seiner Sicht grob fahrlässig gehandelt, weil der Arbeitsbereich nicht abgesperrt wurde. Schüler konnten sich so unmittelbar unter der geöffneten Decke aufhalten, mehrere Schülerinnen wurden von den herabfallenden Teilen verletzt. "Das hätte nicht sein dürfen".

Dass die Deckenelemente nicht ganz korrekt angebracht worden seien, das sei leider ein bedauerlicher Fehler. "Es gibt diese Art Decke auch als normale Decke, nicht als Brandschutzelement. Dann dürfen die Abstände der Aufhänger größer sein, da ist leider aus Versehen in den falschen Unterlagen nachgeschaut worden", sagt Michael Koch. Das ändere aber nichts daran, dass die Decke von sich aus nie heruntergefallen wäre, betont er. "Der Kunde hat ein Recht auf eine vernünftige Arbeit. Deshalb haben wir die Mängel natürlich auch sofort beseitigt."

Mittlerweile liegen drei Gutachten zu den Ursachen des Deckenabsturzes vor: eins, das die Stadt in Auftrag gegeben hat, eins, das die Elektrofirma in Auftrag gegeben hat, die an dem Unfalltag Lautsprecherkabel verlegt hat und eins, das die Baufirma in Auftrag gegeben hat, die die Decke vor knapp zwei Jahren als Brandschutzmaßnahme eingebaut hat. Sie unterscheiden sich in der Einschätzung der Unfallverantwortung.

Der Deckeneinsturz, bei dem Mitte Mai sechs Schülerinnen leicht verletzt worden waren, ist unterdessen ein Fall für den Staatsanwalt geworden. "Die Ermittlungen dauern noch an. Zuerst müssen die Gutachten ausgewertet und Zeugen vernommen werden", sagt Oberstaatsanwalt Hans-Peter Gandner auf RZ-Nachfrage.

Von unserer Redakteurin Doris Schneider

Koblenz
Meistgelesene Artikel
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Online regional
Nina Borowski

Nina Borowski

Regio-CvD Online

 

Mail

epaper-startseite
News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
Bildergalerie: Fotos unserer Leser
Kaiser Wilhelm und Seilbahngondel bei Sonnenuntergang. Die Aufnahme machte Thorsten Kolb aus Zirl im Spätsommer bei Sonnenuntergang an der B42 in Ehrenbreitstein.

Mit der Kamera an Rhein und Mosel unterwegs: Hier zeigen wir die schönsten Fotos unserer Leser. Zusenden per E-Mail.

Serie: Koblenzer Stadtgeschichte
Koblenzer Stadt-Geschichten

Redakteur Reinhard Kallenbach greift historische Begebenheiten der Stadt auf