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Kobern-Gondorf

Fassungslosigkeit nach Tragödie an der Mosel: Opa und seine Enkelin bei Kobern-Gondorf ertrunken

Volker Schmidt

Ein Blumenstrauß erinnert an die schrecklichen Ereignisse, die sich am Dienstagnachmittag vor und auf dem Moselvorgelände von Kobern-Gondorf abgespielt haben. Ein 69-jähriger Mann und seine vierjährige Enkelin ertranken in der Mosel. Ungefähr dort, wo jetzt der Blumenstrauß liegt, wurden sie von Passanten aus dem Wasser gezogen – zu spät, wie sich leider herausstellte. In der Moselgemeinde herrschte auch am Tag nach dem furchtbaren Unglück Fassungslosigkeit.

Ein Blumenstrauß liegt an der Stelle des Koberner Moselvorgeländes (gegenüber von Dieblich), an der der Mann und seine Enkelin aus dem Wasser gezogen wurden. Am Tag nach dem Unglück kamen einige Menschen daran vorbei.
Ein Blumenstrauß liegt an der Stelle des Koberner Moselvorgeländes (gegenüber von Dieblich), an der der Mann und seine Enkelin aus dem Wasser gezogen wurden. Am Tag nach dem Unglück kamen einige Menschen daran vorbei.
Foto: Volker Schmidt

Viele sprechen über das, was passiert ist, viele kennen die Todesopfer. „Das ist einfach schrecklich“, sagt eine Frau, die im Moselvorgelände mit ihrem Hund spazieren geht. Sie denkt vor allem an die Angehörigen und deren Verlust. Auch Bürgermeister Michael Dötsch hat das Geschehene tief berührt. Er sagt: „Unsere Gedanken und Gebete sind bei den Angehörigen.“ Der 69-Jährige sei in der Dorfgemeinschaft engagiert und auch beliebt gewesen. „In der Bevölkerung zeigt sich eine große Anteilnahme“, so der Ortschef bewegt.

Am Mittwoch fuhren Polizeiboote an der Unglücksstelle vorbei. Diese haben aber laut Polizeiangaben nichts mit den Ermittlungen zu tun.
Am Mittwoch fuhren Polizeiboote an der Unglücksstelle vorbei. Diese haben aber laut Polizeiangaben nichts mit den Ermittlungen zu tun.
Foto: Volker Schmidt

Das Polizeipräsidium Koblenz hat derweil keine neuen Erkenntnisse. „Wir gehen derzeit weiter davon aus, dass es sich um einen tragischen Unglücksfall handelt“, sagt Präsidiumssprecher Friedhelm Georg. Das Präsidium glaubt, dass das Kind in die Mosel stürzte und der Opa hinterhersprang, um es zu retten. Die Ermittlungen dauern aber noch an. Gegen Mittag konnte man vier Boote der Wasserschutzpolizei an der Unglücksstelle vorbeifahren sehen. Laut der Pressestelle des Polizeipräsidiums Einsatz, Logistik und Technik, dem die Wasserschutzpolizei angehört, gehören diese Boote aber nicht zur rheinland-pfälzischen Wasserschutzpolizei, hatten also nichts mit den Ermittlungen zu tun. Sprecherin Bianca Heinen glaubt, dass es sich hierbei um Boote der Bundespolizei handelte, die derzeit auf der Mosel eine Übung durchführt.

Großvater hielt Kind im Arm

Andreas Wich-Glasen war am Dienstagnachmittag selbst vor Ort. Auch für den Leiter der Polizeiwache Brodenbach war dies kein gewöhnlicher Fall. Im Gespräch ist ihm die Betroffenheit deutlich anzumerken. Der Notruf sei gegen 14.30 Uhr bei der Polizeiwache eingegangen. Zusammen mit der Feuerwehr trafen die Beamten ein. Da waren zwei mutige Passanten bereits in den Fluss gesprungen, nachdem sie eine männliche Person etwa in der Mitte der Mosel hatten treiben sehen. Später mussten sie feststellen, dass der Mann noch ein Kind im Arm hielt. Die Reanimationsversuche blieben erfolglos.

Der Notarzt habe nur noch den Tod feststellen können, so Wich-Glasen. Weil nicht klar war, ob vielleicht noch andere Personen vermisst sind, wurde die Mosel mit einem Hubschrauber abgesucht. Das alles erzeugte viel Aufmerksamkeit – sowohl auf der Koberner als auch auf der Dieblicher Seite der Mosel. Die Schaulustigen hätten aber immer genügend Abstand gehalten. „Es kam zu keiner Behinderung“, so der Leiter der Polizeiwache. Neben Polizei zu Land, zu Wasser und in der Luft waren auch viele Kräfte der Feuerwehr und mehrere Rettungswagen im Einsatz. Auch die Notfallseelsorge des Landkreises war da, um sich um die Angehörigen zu kümmern.

Offen bleiben weiter die Fragen, wie es zu dem Unglück kam und wo Opa und Enkelin in die Mosel stürzten. Zeugen hätten beide zuvor noch gesehen, wie sie am Moselufer spazierten, erklärt Wich-Glasen. Einen Zeugen des Unglücks gibt es scheinbar nicht.

Von unserem Redakteur Volker Schmidt

Chronik von Wasserunfällen in Rheinland-Pfalz (Auswahl)

Tödliche Unglücksfälle haben sich auch in den vergangenen Jahren immer wieder in der Region ereignet.

  • 8. Juni 2014: Bei Güls ertrinkt ein 55-jähriger Mann aus dem Westerwaldkreis beim Baden in der Mosel.
  • 1. August 2014: Ein 18-Jähriger aus der Verbandsgemeinde Mendig stürzt nachts im Andernacher Hafen in den Rhein und ertrinkt.
  • 26. Januar 2015: Ein 22-jähriger Arbeiter stürzt in Obernhof aus einem Kajak in die Lahn und kann trotz großer Suchaktion nicht geborgen werden. Am 4. März wird die Leiche an der Schleuse Hollerich geborgen.
  • 3. April 2015: Am Campingplatz Haumühle in Simmertal (Kreis Bad Kreuznach) fällt ein dreijähriger Junge aus Bayern in den Kellenbach, treibt 500 Meter ab und verstirbt nach der Bergung.
  • 31. Juli 2015: Ein 87-Jähriger erleidet beim Schwimmen im Herthasee in Holzappel (Rhein-Lahn-Kreis) einen Herzinfarkt und stirbt.
  • Mitte August 2016: Zwei Männer schwimmen im Rhein bei Kaltenengers zwischen Buhnen. Einer wird von der Strömung mitgerissen und in Richtung Engers abgetrieben. Eine Suchaktion wird erfolglos abgebrochen. Der Leichnam des 39-Jährigen wird Tage später ans Ufer gespült.
  • 24. Juni 2017: Bei einem Badeunfall ertrinkt ein 29-jähriger Mann aus Ungarn im Waldsee Rieden (Kreis MYK).
  • 15. Juli 2017: Bei einer Regatta auf dem Stausee „Gelterswoog“ bei Kaiserslautern kentert ein Boot. Ein 32-jähriger Pakistani ertrinkt.
  • 10. April 2018: In Kobern-Gondorf ertrinken ein Kind und dessen Großvater am Moselufer. fwg
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