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    Evakuierung im Brüderhaus: Wie die Räumung funktioniert und was mit Notfällen passiert

    Bevor am Samstag die Bombe entschäft wird, muss das Brüderhaus in der Goldgrube geräumt werden. Das bedeutet: Rund 80 Patienten müssen verlegt werden. Niemand darf mehr im Gebäude sein, wenn die Experten ab 15 Uhr die 500 Kilo schwere Sprengbombe auf der Kathause entschärfen.

    Das Brüderhaus muss komplett geräumt werden, bevor die Bombe am Samstagnachmittag entschärft wird. Dazu werden rund 80 Patienten in den Marienhof transportiert. Die RZ hat gefragt, wie das abläuft. 
    Das Brüderhaus muss komplett geräumt werden, bevor die Bombe am Samstagnachmittag entschärft wird. Dazu werden rund 80 Patienten in den Marienhof transportiert. Die RZ hat gefragt, wie das abläuft. 
    Foto: Sascha Ditscher

    Tom Neumann ist Pressesprecher des Katholischen Klinikums Koblenz-Montabaur, zu dem das Brüderhaus gehört. Er erzählt, wie die Verlegung der Patienten funktioniert und welche Vorbereitungen nötig sind. Klar ist: „Alle müssen raus – Patienten und Personal.“

    Das Krankenhaus hat insgesamt 201 Betten. Diese sind nicht alle belegt. „Wir haben darauf hingearbeitet, dass niemand mehr am Samstag hier ist, der nicht hier sein muss“, sagt Neumann. Das bedeutet: Große Hüftoperationen und ähnliche Eingriffe, die einen stationären Aufenthalt nach sich ziehen, wurden jetzt nicht mehr neu angesetzt. „Ambulante Eingriffe finden aber auch noch am Freitag statt“, erklärt er.

    Für den Notfall: Die Intensivstation bleibt bis zuletzt besetzt

    Zurzeit geht Neumann davon aus, dass rund 80 Patienten und zwei Intensivpatienten evakuiert werden müssen. „Die bringen wir mit Rettungs- oder Intensivwagen in unseren Marienhof.“ Der liegt gut 3 Kilometer entfernt im Rauental und gehört ebenfalls zum Katholischen Klinikum Koblenz-Montabaur. Neumann meint: „Dort haben wir alle medizinischen Geräte, die auch im Brüderhaus sind.“ Auch die Schlaganfallpatienten, die im Brüderhaus liegen, könnten dort gut versorgt werden. Das bedeutet, dass keine Geräte umziehen, sondern tatsächlich nur Menschen: Patienten, Pflegepersonal, Ärzte, Verwaltung. Der Transport eine logistische Herausforderung.

    Den Transport übernehmen etliche Rettungswagen

    Am Samstagmorgen um 8 Uhr geht es los: Eine Reihe von Rettungswagen wird im Innenhof vorfahren. Abteilung für Abteilung geht raus. Für Außenstehende erinnert das Prozedere an einen Automaten: Der Patient wird vom Zimmer geholt, eingeladen, Türen zu. Dann rollt der nächste Wagen vor: Türen auf, Patient rein, und so weiter. Die Wagen fahren mehrmals zwischen Brüderhaus und Marienhof hin und her. Neumann betont, dass die Patienten die ganze Zeit über versorgt werden. „Alle Patienten haben Armbänder und bekommen ihre Akten sowie Medikamente mit, sodass eine lückenlose Betreuung und Versorgung möglich ist – auch während des Transportes.“ Innerhalb von drei Stunden soll das Krankenhaus leer sein.

    Tom Neumann
    Tom Neumann
    Foto: privat

    Dann wird alles gut abgeschlossen, um unliebsame Gäste draußen zu halten. Zuletzt hatte es einige kostenspielige Diebstähle in Krankenhäusern der Region gegeben, bei denen medizinisches Gerät gestohlen wurde. „Wir hoffen natürlich, dass die Sperrzone kontrolliert wird“, sagt Neumann.

    Den Fall, dass Leute nicht transportiert werden können, gibt es zurzeit nicht, sagt Neumann. Auch die beiden Intensivpatienten können problemlos verlegt werden, meint der Pressesprecher. Dafür gibt es extra ausgestattete Transportwagen. Die genaue Zahl der Intensivpatienten kann sich bis zuletzt noch ändern, weiß Neumann. „Es kann ja auch kurzfristig noch jemand zum Intensivpatienten werden.“ Aber auch das sei kein Problem. „Unsere Intensivstation ist besetzt, solange, bis der letzte Patient verlegt ist, und bevor der erste wiederkommt“, betont er.

    Akute Notfälle von außen werden allerdings von den Rettungswagen seit Mittwochnacht nicht mehr ins Brüderhaus gefahren, sondern in eine andere Klinik – damit diese Patienten dann nicht kurze Zeit später evakuiert werden müssen. „Sobald die Bombe entschäft und das Evakuierungsgebiet freigegeben ist, beginnt die Rückverlegung“, sagt Neumann, der relativ gelassen auf den kommenden Samstag blickt. „Es ist ja nicht die erste Evakuierung. Wir haben schon eine gewisse Routine.“ Zuletzt wurde das Krankenhaus in der Goldgrube 2011 bei der großen Evakuierung geräumt, als halb Koblenz sein Heim wegen einer Bombenentschärfung im Rhein verlassen musste.

    Von unserer Redakteurin Katrin Steinert

    Einzelhändler ärgern sich über Terminwahl

    Koblenz. Darüber, dass die Entschärfung der Sprengbombe wegen des Stadtmarathons an einem Samstag erfolgt, sind Koblenzer Einzelhändler verärgert. Sie kritisieren, dass die Stadt sie bei den Vorbereitungen nicht einbezogen hat. Aus ihrer Sicht hätte die Sportveranstaltung problemlos verlegt werden können.

    Konrad Kreuzberg, Inhaber von drei großen Edeka-Märkten in Koblenz und Neuwied ist verärgert. Aus seiner Sicht ist wieder einmal eine Großveranstaltung wichtiger als das Allgemeinwohl. „Der Sport steht vor dem Einzelhandel“, sagt der Unternehmer, der vor 24 Jahren den Standort in der Hohenzollernstraße übernahm und immer wieder modernisiert. Kreuzberg rechnet mir erheblichen Umsatzausfällen. Er geht nicht davon aus, dass die am Morgen und am Abend mögliche Öffnung die Verluste des Tagesgeschäftes ausgleichen. Und: Seine Erfahrung zeigt, dass die Kunden in der Vorstadt, nicht auf den Markt in der Andernacher Straße ausweichen. Dazu kommt, dass der Tag für die 80 Mitarbeiter anfahrts- und arbeitszeitbedingt Belastungen mit sich bringt.

    Konrad Kreuzberg steht mit seinem Ärger nicht allein. „Der Eindruck drängt sich auf, dass die Amtsträger der Stadt Koblenz gegen den hier ansässigen, stationären Einzelhandel agieren“, erklärt Christian Doumen. Der Geschäftsführer des Textil-Direktvertriebs Road Collection, der in Koblenz zwei Geschäfte betreibt, bezweifelt, dass die Großveranstaltung einen dauerhaft nachhaltigen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Effekt hat. Sein Blick geht nach Frankfurt: Hier erfolgt die größte Evakuierungsaktion der deutschen Nachkriegsgeschichte am Sonntag. Auch aus seiner Sicht wird der Umsatzverlust nicht mehr einzuholen sein, obwohl die Innenstadt nicht im Evakuierungsgebiet liegt. Davon, dass viele am Samstag erst gar nicht losfahren, ist Christian Doumen überzeugt. Er verweist darauf, dass das Kunden vor allem aus dem Umland kommen. Er und Konrad Kreuzberg sind sich darin einig, dass den Einzelhändlern unnötigerweise Knüppel zwischen die Beine geworfen werden, obwohl es gerade den Händlern zu verdanken ist, dass Koblenz eine intakte Innenstadt hat. Dass das Verhältnis vieler Händler zum Evakuierungstermin alles andere als entspannt ist, dürfte auch daran liegen, dass sie erst kürzlich wegen der Sonderlage bei der Fahrbahnsanierung der B-9-Stadtdurchfahrt Einbußen hinnehmen mussten.

    „Der stationäre Handel in Koblenz hat keine Lobby. Als einer der führenden Wirtschaftsfaktoren in der Innenstadt von Koblenz, findet dieser kein Gehör und wird bei solch schwerwiegenden Entscheidungen schlichtweg nicht berücksichtigt“, so Christian Doumen, der im Übrigen davon ausgeht, dass es Gastronomen noch härter treffen wird. Sie sind nicht nur von den Folgen der Evakuierung, sondern auch von der Sperrung wegen des Marathons am Sonntag betroffen. Mögliche Folge: Umsatzeinbrüche an gleich zwei Folgetagen, weil die Gäste in andere Städte ausweichen. „Das alles findet in wirtschaftlich schwierigen Zeiten statt! Das wäre doch mal ein Wahlkampf-Thema für die lokale Politik in Koblenz“, so Doumens bitteres Fazit. Wie Konrad Kreuzberg wünscht er sich, dass sich die zuständige Industrie- und Handelskammer Koblenz künftig intensiver mit Sonderfällen befasst.

    Reinhard Kallenbach

    Großeinsatz in Koblenz: Wie vier Männer die Weltkriegsbombe entschärftenEinsatz: Uneinsichtige Bürger vergrößern Aufwand für HelferVerkehr: Im Koblenzer Bahnhof hielt vier Stunden lang kein ZugEvakuierung: Bombenfund weckt auch KriegserinnerungenBilder vom Entschärfungssamstagweitere Links
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