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Koblenz-Güls

Entschärfung: Gülser Bombe fordert Kampfmittelräumer

Es war ein hartes Stück Arbeit – der Zünder der britischen 250-Kilogramm-Bombe, die im Neubaugebiet Südliches Güls lag, machte Probleme. Doch um 18.32 Uhr war der gefährliche Job erledigt, der Kampfmittelräumdienst hatte die Bombe entschärft.

Von Agatha Mazur und Tim Kosmetschke

Gut eineinhalb Stunden hatten die Experten dafür benötigt – der Zünder war demoliert, ein Stück war abgebrochen. Ein Spezialwerkzeug wurde eingesetzt – erfolgreich. 2300 erleichterte Gülser, die zuvor aus Sicherheitsgründen ihre Wohnungen verlassen mussten, durften am frühen Abend wieder heim.

Geschafft! Die Männer vom Kampfmittelräumdienst posieren erleichtert mit der Bombe, deren Zünder Probleme bei der Entschärfung machte.
Geschafft! Die Männer vom Kampfmittelräumdienst posieren erleichtert mit der Bombe, deren Zünder Probleme bei der Entschärfung machte.
Foto: Andreas Walz

"Wir freuen uns jetzt auf schöne Festtage", sagte Marco Ofenstein vom Kampfmittelräumdienst erleichtert. Gemeinsam mit Tobias Fochler, Jürgen Wagner und Frank Berg sowie Chef Horst Lenz machte er das Weltkriegsrelikt unschädlich.

Dem vorausgegangen war die Evakuierung eines großen Teils von Güls – und die lief reibungslos. Bis 16 Uhr sollten die betroffenen Anwohner ihre Wohnungen verlassen haben, bereits gegen 17.10 Uhr war das Areal kontrolliert. Angetroffen wurde niemand mehr, die Kampfmittelräumer konnten pünktlich mit ihrer gefährlichen Arbeit beginnen.

Die Gülser waren allerdings auch noch "in Übung", die jüngste Evakuierung lag ja gerade einmal sieben Wochen zurück. Noch mehr Erfahrung hat beispielsweise Björn Barz von der Feuerwehr, der seit 2001 dabei ist und irgendwann aufgehört hat, zu zählen, wie oft er schon bei Räumungen und Entschärfungen mitgearbeitet hat. Meist wird am Wochenende entschärft, "weil da die Leute Gelegenheit haben, früh etwa zu Bekannten zu fahren", erklärte er. "Aber auch zum Freitagabend – wie beim letzten Mal – war die Akzeptanz der Bevölkerung gut."

Unter den Einsatzkräften, die diesmal das geräumte Gebiet kontrollierten, war Andreas Scholz, ein gebürtiger Gülser: "Man kennt die Situation im Ort und die Leute und kann das besser einschätzen", meinte er entspannt. Er kann sich indes nicht erinnern, bei Evakuierungen jemals wen angetroffen zu haben, der noch nichts von der Bombe wusste.

Und so war es auch diesmal – die Gülser waren gut informiert und nahmen die erneute Störung in der vorweihnachtlichen Routine gelassen. Viele nutzten die Zeit für einen Einkaufsbummel in Koblenz – und hatten offenbar auch die sowieso meist angespannte Parkplatzsituation in der Stadt einkalkuliert. In den letzten Linienbussen, die das Evakuierungsgebiet regulär verließen, drängten sich die Menschen dicht an dicht.

Das erneut von der Evakuierung betroffene Seniorenheim Laubenhof war schon im Laufe des Tages geräumt worden. Rund 100 Bewohner wurden in die Schwestereinrichtung auf dem Asterstein gebracht. "Für die Bewohner ist es anstrengend", sagte Einrichtungsleiter Siegfried Grunwald, "wir hoffen, dass es die letzte Bombe war."

Diese Hoffnung dürfte nach Einschätzung von Ortskundigen enttäuscht werden – schließlich fielen in den Bombennächten im Zweiten Weltkrieg Unmengen von Sprengkörpern in diesem Bereich, zu früh abgeworfen von Bombern, die eigentlich die Gülser Eisenbahnbrücke und den Güterbahnhof in Moselweiß treffen wollten. Und so gab es am Freitagnachmittag kaum einen Passanten vor dem diesmal nicht von der Sperrung betroffenen Rewe-Markt, der nicht diesen Satz auf den Lippen hatte: "Da liegen bestimmt noch mehr Bomben."

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