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Koblenz

Diskussion über alte Synagoge flammt neu auf

Zufriedenheit bei Stadt und Investor, Enttäuschung, aber auch Realismus bei der Jüdischen Kultus-Gemeinde Koblenz: Wie es mit der Synagoge weitergeht, ist derzeit offen. Ein Neubau ist im Gespräch, die Suche nach einem geeigneten Standort läuft.

Auf jeden Fall scheint der Wiedereinzug in den Bürresheimer Hof kein Thema mehr zu sein. In der Christlich-Jüdischen Gesellschaft für Brüderlichkeit sieht man die Dinge anders. Der Vorstand kritisiert: Eine historische Chance ist vertan.

Am Anfang der Diskussion stand ein Versprechen des damaligen Ministerpräsidenten bei der Feier des 90. Geburtstags des Vorsitzenden der Gemeinde, Heinz Kahn, am 13. April 2012: Kurt Beck sagte nämlich die volle Unterstützung des Landes für eine Rückkehr der Synagoge in den Bürresheimer Hof zu (die RZ berichtete).

"Vor diesem Hintergrund ist es völlig unverständlich, warum die Stadt der jüdischen Gemeinde den Bürresheimer Hof nicht längst zum Kauf angeboten hat", kritisiert Wolfgang Hüllstrung in einem Brief an die RZ. Der Pfarrer, Mitglied im Vorstand der Christlich-Jüdischen Gesellschaft, weist auch darauf hin, dass die Synagoge in der Schwertzstraße wegen ihrer Nähe zum jüdischen Friedhof immer als Notlösung empfunden wurde.

Der Vorwurf der Gesellschaft an die Stadt: Sie sei von Anfang an auf den Vorschlag des Investors Martin Görlitz fixiert gewesen. Folglich hätte die jüdische Gemeinde keine realistische Chance gehabt, obwohl Planungen und Finanzierungskonzept vorlagen. Dass es diese Konzepte gibt, bestätigte Heinz Kahn auf Anfrage der RZ. Der Vorsitzende betonte aber auch, dass er Verständnis für den Kurs der finanzschwachen Kommune hat, die unter dem Strich an dem "Görlitz-Modell" sogar verdient.

Heinz Kahn hofft nun, dass seiner Gemeinde ein geeignetes Grundstück zur Verfügung gestellt wird, um eine neue Synagoge zu bauen. Denn die Kapazitäten des bestehenden Baus reichen angesichts der Tatsache, dass die Jüdische Kultus-Gemeinde auf fast 1000 Mitglieder gewachsen ist, nicht mehr aus.

Derzeit werden mehrere Optionen geprüft. Geeignet wäre der zentrumsnahe alte Betriebshof der Stadt in der Schlachthofstraße, der aber aktuell noch genutzt wird. Bis dort eine Synagoge eröffnet werden kann, dürfte es noch viele Jahre dauern. Deshalb sind auch nicht alle mit dem moderaten Kurs des Vorsitzenden zufrieden. In der jüdischen Gemeinde ist die Forderung nach einer Rückkehr in den Bürresheimer Hof noch längst nicht verstummt.

Aus Sicht der Stadt ging der Entscheidung, in nähere Verhandlungen mit Martin Görlitz und seiner Stiftung einzutreten, ein Abstimmungsprozess voraus. Die Pressestelle verweist auf ein Gespräch des Oberbürgermeisters mit Vertretern der Kultus-Gemeinde. Dabei sei unter anderem auch ein Ersatzstandort angeboten worden.

Mehrere Gespräche folgten – nicht nur mit Repräsentanten der Kultus-Gemeinde, sondern auch mit der evangelischen und katholischen Kirche. Und auch die Görlitz-Stiftung war mit im Boot. "Es gab von keiner Seite aus Einwände gegen unser Konzept und unsere Nutzung", betonte Martin Görlitz auf Anfrage der RZ.

Der Investor, der den Bürresheimer Hof als Gästehaus für ein hochschulnahes Institut nutzen will, hat nach eigener Aussage vorgeschlagen, die Gästezimmer jeweils einem Wissenschaftler zu widmen und sie mit Auszügen aus Werken auszustatten. "Das passt wunderbar zum Gesamtkontext Hochschulen und Wissenschaft. Dabei könnte man auch in ausreichender Weise hervorragende jüdische Denker und Wissenschaftler aufnehmen", ist Martin Görlitz überzeugt.

Der Investor ergänzt: "Dem Gedenken und der historischen Erinnerung öffnen wir uns also gern." Den Kritikpunkt, die Hochschulen der Region hätten kein Interesse daran, sich zu beteiligen und die Räume zu nutzen, weist der Investor zurück. Der Kritik steht auch ein Brief entgegen, in der sich Universität und Hochschule Koblenz hinter das Projekt stellen und sich sogar vorstellen können, Veranstaltungen finanziell zu unterstützen. Sie schließen lediglich einen Beitrag an der Grundfinanzierung aus.

"Natürlich sind die Hochschulen weder haushaltsrechtlich noch sachlich in der Lage, in der momentanen Projektphase irgendetwas irgendwie zu investieren", erklärt Martin Görlitz. Der Investor verweist aber auf mehrere Ortstermine mit Vertretern der Hochschulen, bei denen alle Optionen einer hochschulnahen Nutzung diskutiert wurden.

"Das Projekt ist doch eine auf Jahre angelegte Sache. Koblenz hat die Aussicht, über die gemeinschaftliche Entwicklung dieses Projektes tatsächlich mehr als Hochschulstadt wahrgenommen zu werden. Dass ist sicher eine große Sache, die der Region gut tun wird", ist Martin Görlitz überzeugt.

Von unserem Redakteur Reinhard Kallenbach

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