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Koblenz

Die Südbrücken-Katastrophe: Vor 40 Jahren starben 13 Bauarbeiter in Koblenz

Es war eine Tragödie, eine Katastrophe, die 13 Todesopfer forderte: Genau vor 40 Jahren stürzte die Koblenzer Südbrücke ein. Bis heute sind die genauen Ursachen unklar.

Die Südbrücke forderte während ihres Baus zahlreiche Todesopfer.
Die Südbrücke forderte während ihres Baus zahlreiche Todesopfer.
Foto: Archiv

Eine schnelle Verbindung des Lahntals mit den südlichen Stadtteilen sollte sie sein und obendrein auch in der Baukonstruktion Maßstäbe setzen: die Südbrücke. Doch am 10. November 1971 – also genau vor 40 Jahren – passierte das, was nie passieren durfte: In einer entscheidenden Bauphase knickte ein weit in den Rhein hineinragendes Brückenteil ab und riss Bauarbeiter mit in den Tod. Nur eine Gedenktafel an einem Brückenpfeiler am Leinpfad auf dem Oberwerth erinnert an die 19 Todesopfer, die das prestigeträchtige Bauwerk gefordert hatte.

In der offiziellen Dokumentation "Koblenz. Stadt der Brücken" liest sich die Katastrophe so: "Am 10. November 1971 sollte bei der Neuen Rheinbrücke der letzte Vorbauschuss für die linksrheinische Brückenhälfte eingebaut werden. Bevor der Kastentrog mit Hilfe des Vorbauderricks vollständig vom Ponton abgehoben werden konnte, knickte der Kragarm auf einer Länge von circa 54 Metern ab und stürzte – Personen und Geräte mitreißend – aus einer Höhe von circa 30 Metern in den Rhein." So las sich die wohl größte Tragödie der Koblenzer Nachkriegsgeschichte aus technokratischer Sicht.

Nicht genannt werden die schier endlosen Schlangen von Einsatzfahrzeugen, die an diesem grauen November-Mittwoch durch die Hohenzollernstraße in Richtung Oberwerth rasten, um zu retten, was noch zu retten war. Und an den Straßen standen ratlose Vorstädter. Erst allmählich sickerte durch, dass auf der Großbaustelle am Rhein genau das passiert war, was Experten gerne als unmöglich deklarieren. Unsicherheit herrschte auch über die Zahl der Opfer. Während unsere Zeitung am Tag nach der Katastrophe 6 Todesopfer, 10 Vermisste und 13 Schwerverletzte meldete, war innerhalb von 24 Stunden klar, dass sich die Zahl der Opfer weiter erhöhen würde. Die RZ meldete am Freitag bereits 9 Tote und 4 Vermisste, für die es zu diesem Zeitpunkt kaum noch Hoffnung gab. Und auf dem Rhein stauten sich die Schiffe – mehr als 100 sollen es am Donnerstagabend gewesen sein. Unterdessen herrschte bei den Verantwortlichen der am Bau maßgeblich beteiligten MAN aus Mainz-Gustavsburg Ratlosigkeit. Die Ursache der Tragödie war zu diesem Zeitpunkt völlig unklar. Die RZ-Redakteure Dieter Buslau und Karl Oster, die über die am 11. November angesetzte Pressekonferenz berichteten, hoben die Aussage des damaligen MAN-Vorstandsvorsitzenden Dr. Karl Schott hervor. Dieser hatte betont, dass bis zu diesem Zeitpunkt weltweit bereits 24 Exemplare dieses voll geschweißten Brückentypus gebaut worden waren – und es nie ein Unglück gegeben habe. Im Falle von Koblenz schlossen die Verantwortlichen Materialfehler aus. Die Spekulationen begannen. Während die Presse die Frage nach fehlerhaften statischen Berechnungen stellte, begannen Spezialisten ihre Untersuchungen, die monatelang dauern sollten. In dieser Zeit ruhten die Arbeiten in diesem Bauabschnitt. Erst im April 1973 konnte an der eigentlichen Rheinbrücke weitergebaut werden. In den anderen Abschnitten gingen die Arbeiten weiter. Und wieder ereignete sich eine Tragödie.

Dieses Mal war die Hängebrücke im Laubachtal der Schauplatz. Am 21. September 1972 – es war ein Donnerstag – stürzte ein Gerüst ein und begrub die Bauarbeiter unter sich. Für 6 Männer kam jede Hilfe zu spät. Auch hier folgten lange Untersuchungen. Erst im November 1973 wurde weitergebaut.

Übrigens: In beiden Fällen sagt die Dokumentation von 1975 nichts über die Ursachen. Eine Verkettung unglücklicher Umstände ist wohl die plausibelste Erklärung.

Von unserem Redakteur Reinhard Kallenbach

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