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Koblenz

Die Chancen für eine neue Synagoge in Koblenz steigen

Der Bau einer neuen Synagoge wird rund 6 Millionen Euro kosten. Da die Stadt Koblenz und das Land Rheinland-Pfalz das Projekt unterstützen wollen, steigen die Chancen, dass es auch realisiert wird.

Der Koblenzer Architekt Jens Ternes hat für das Grundstück in der Weißer Gasse eine Machbarkeitsstudie erstellt. Zu seinem Konzept gehören auch Visualisierungen, die bei der Akquise von Fördermitteln eingesetzt werden. Wie die Synagoge am Ende wirklich aussehen wird, ist indessen unklar. Wenn Fördermittel fließen, muss auch die Planung europaweit ausgeschrieben werden.
Der Koblenzer Architekt Jens Ternes hat für das Grundstück in der Weißer Gasse eine Machbarkeitsstudie erstellt. Zu seinem Konzept gehören auch Visualisierungen, die bei der Akquise von Fördermitteln eingesetzt werden. Wie die Synagoge am Ende wirklich aussehen wird, ist indessen unklar. Wenn Fördermittel fließen, muss auch die Planung europaweit ausgeschrieben werden.
Foto: Visualisierung: Jens J. Ternes

Von unserem Mitarbeiter Reinhard Kallenbach

Denn die jüdische Kultusgemeinde, die auf rund 1000 Mitglieder gewachsen ist, braucht einen neuen, größeren Mittelpunkt mit einer Nutzfläche von rund 1500 Quadratmetern auf verschiedenen Ebenen. Jetzt geht es darum, Wege zu finden, um den Eigenanteil von rund 2,5 Millionen Euro aufbringen zu können.

Eine Detailplanung für das neue Gotteshaus kann es naturgemäß noch nicht geben. Denn bei öffentlich geförderten Projekten muss europaweit ausgeschrieben werden. Und von dieser Phase sind die Akteure noch weit entfernt. Allerdings gibt es bereits eine Grundlage für die weitere Arbeit: Das Koblenzer Architekturbüro Jens Ternes hat in Zusammenarbeit mit der Stadt Koblenz für die jüdische Kultusgemeinde unter anderem den favorisierten Standort einer Synagoge in der Weißer Gasse" untersucht. Für die Akquise von Fördermitteln erstellte der Architekten eine Machbarkeitsstudie und schuf ein erstes Konzept, wie das Ganze einmal aussehen könnte.

Allerdings ist das Grundstück in der westlichen Altstadt nicht lastenfrei, sodass dem vorliegenden Bodengutachten und Schadstoffkataster entsprechend hohe Aufwendungen für die Altlastenentsorgung aufgebracht werden müssen. Der Hügel an der Weißer Gasse besteht nämlich aus angehäuftem Kriegsschutt und Bauwerksresten. "Wir haben uns vor diesem Hintergrund natürlich auch alternative Standorte angeschaut", betont Heribert Heinrich, Vorsitzender des Fördervereins Neue Synagoge für Koblenz, unter Hinweis auf den Reichensperger Platz, auf dem einst der Festungsbauhof stand. Auch hier gibt es wie bei allen anderen möglichen Grundstücken in zentraler Lage die Altlastenproblematik. Man kann es drehen und wenden, wie man will: Angesichts der topografischen Gegebenheiten und der räumlichen Anforderungen ist es unrealistisch, von einem Kostenansatz von weniger als 6 Millionen Euro auszugehen.

Eine Realisierung an einem anderen Standort würde also nicht billiger. Dazu kommt, dass die Weißer Gasse ein idealer Standort ist. Einerseits sind die historischen jüdischen Viertel nicht weit entfernt, andererseits ist die Lage des Areals aus städtebaulicher Sicht sehr reizvoll. "Die Synagoge könnte vom Untergeschoss wie auch vom Erdgeschoss aus durch die umgebene Ringstraße von zwei Ebenen aus barrierefrei erschlossen und auch natürlich belichtet werden. Die Höhenentwicklung über drei Geschosse fügt sich zudem harmonisch in das städtebauliche Umfeld ein", erklärt Jens Ternes. Der Förderverein will nach den Sommerferien gezielt in die Akquise von Spenden einsteigen. "Die ersten Briefe gehen in Kürze raus", kündigt Heribert Heinrich an. Der Vorsitzende betont, dass Förderer nicht zwangsläufig Geld stiften müssen. So könnten zum Beispiel Bauunternehmen Leistungen zum Selbstkostenpreis übernehmen. Das Engagement für den Weinbrunnen am Rheinufer und das Barbara-Denkmal habe gezeigt, was diese Fördervariante bewegen kann. Doch zunächst geht es darum, ein Netzwerk zu knüpfen.

Ende kommender Woche will Heribert Heinrich nach Regensburg fahren. Dort soll ebenfalls eine Synagoge entstehen. Die Dimensionen sind übrigens ganz ähnlich. Auch an der Donau gehen die Akteure von Kosten in Höhe von 6 Millionen Euro aus. Allerdings ist man in der Oberpfalz wesentlich weiter. Hier fließen sogar Bundeszuschüsse, sodass man schon bald in die Planungs- und Realisierungsphase einsteigen kann.

Diese Zuschüsse sind drin

Die Gesamtkosten von rund 6 Millionen Euro beziehen sich auf das komplette Projekt inklusive Grunderwerb und Nebenkosten. Das heißt: Der eigentliche Bau würde rund 3 Millionen Euro kosten. Um Möglichkeiten der Finanzierung auszuloten, haben jüdische Kultusgemeinde und der Förderverein Neue Synagoge Koblenz bereits Gespräche in Mainz geführt. Ergebnis: Ministerpräsidentin Malu Dreyer hält an der Zusage ihres Amtsvorgängers Kurt Beck fest. Aus der Landeskasse würde bei einer Realisierung des Projektes ein Zuschuss von rund 2 Millionen Euro fließen. Die Stadt Koblenz wäre mit insgesamt 1,5 Millionen Euro dabei. Darüber hat der Stadtrat bereits am 19. Dezember 2014 grundsätzlich entschieden. Verrechnet werden dabei allerdings die Kosten für das Grundstück und die Entsorgung von Altlasten. Als reiner Zuschuss für den Bau stünden rund 430 000 Euro bereit. ka

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