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    Dicke Luft an der Schenkendorfschule in Koblenz: Warum die neue Mensa für Ärger sorgt

    Sie hat 3,4 Millionen Euro gekostet, ist noch keine sechs Monate alt und sorgt bereits jetzt für Zoff: die Mensa der Schenkendorfschule. In dem Neubau an Koblenz zweitgrößter Grundschule sollten möglichst viele Kinder mit einem warmen Mittagessen versorgt werden. Doch derzeit darf nur ein Drittel der 322 Schüler die Mensa nutzen. Zum Ärger dutzender Eltern.

    Kinder hungern, Eltern klagen, die Stadt aber sieht kein Problem: Die neue Mensa der Schenkendorfschule in Koblenz sorgt für Zoff. Foto: Sascha Ditscher
    Kinder hungern, Eltern klagen, die Stadt aber sieht kein Problem: Die neue Mensa der Schenkendorfschule in Koblenz sorgt für Zoff.
    Foto: Sascha Ditscher

    Eine von ihnen ist Sabrina Grass. Wenn ihre Tochter Luisa um 14.30 Uhr nach Hause kommt und ihr Ranzen von den Schultern sackt, knurrt der Sechsjährigen der Magen. Das Mädchen hat Hunger. Denn die Mittagsverpflegung in der Schulmensa ist nur Ganztagsschülern vorbehalten – und Luisa ist keine von ihnen. Nach Schulschluss geht das Mädchen bis 14 Uhr in die Betreuung. Gegenüber unserer Zeitung beklagt Luisas Mutter: „Vonseiten der Schule heißt es, man könne die Zeit mit einem Snack überbrücken. Aber das geht nicht! Von der Kita ist es Luisa gewohnt, um 12, halb 1 zu Mittag zu essen.“ Monatlich 40 Euro würde es Sabrina Grass kosten, wenn ihre Tochter in der Mensa zu Mittag essen würde – sofern sie dürfte. Damit hätte die Mutter kein Problem: „Für unsere Kinder tragen wir das doch gern“, sagt sie und fragt sich: „Sind die Kapazitäten der Mensa überhaupt ausgelastet?“

    Laut Schulverwaltungsamt der Stadt Koblenz bietet der Speisesaal Platz für 80 Schüler und soll schichtweise zwei- bis dreimal genutzt werden. Das bedeutet: 240 Kinder könnten täglich zu Mittag essen. Theoretisch. Tatsächlich tun es momentan nur die 112 Ganztagschüler. 104 Kinder, die das Angebot der Betreuenden Grundschule wahrnehmen, gehen leer aus. Die Stadtverwaltung aber will daran nichts ändern. Harry Hunz vom Kultur- und Schulverwaltungsamt schreibt auf Anfrage unserer Zeitung: „Aus unserer Sicht stellt dies kein „Problem“ dar, zumal die Eltern jedes Schuljahr die Wahl haben, ihr Kind für die Ganztagsschule und somit auch für die Mittagsverpflegung anzumelden.“

    3,4 Millionen Euro hat der Neubau der Schenkendorfmensa gekostet. Dort essen darf derzeit jedoch nur ein Drittel aller Schüler. Foto: privat
    3,4 Millionen Euro hat der Neubau der Schenkendorfmensa gekostet. Dort essen darf derzeit jedoch nur ein Drittel aller Schüler.
    Foto: privat

    Sabrina Grass schüttelt darüber den Kopf. Luisa habe Hobbys, Freunde, sei in Vereinen aktiv – und müsse um halb 8 ins Bett. „Wenn sie bis 16 Uhr in der Schule wäre, würde kein soziales Leben mehr stattfinden“, erklärt die Mutter. Deshalb entschied sich die Familie bewusst für die Betreuende Grundschule. Auch weil sie davon ausging, dass dort ebenfalls eine Mittagsverpflegung möglich sei. Denn: „Aus dem Vertragsformular ging nicht hervor, dass das Essen nur für Ganztagsschüler ist.“

    Familie von Deringer erging es ähnlich. Sohn Titus wurde in diesem Jahr eingeschult. Die Eltern entschieden sich für das Betreuende Angebot der Grundschule und stellten zusätzlich einen Antrag auf Mittagsverpflegung. Diesen nahm die Stadt vorerst an, kündigte ihn aber wieder. Begründung: „Da ihr Kind kein Ganztagsschüler ist.“ Boris von Deringer antwortete mit einer Beschwerde: „Den Vertragsbedingungen kann nicht entnommen werden, dass lediglich Ganztagsschüler zur Teilnahme an der Mittagsverpflegung berechtigt sind.“ Und: „Der Neubau einer Mensa sollte es – so es sich nicht um eine komplette Fehlplanung handelt – allen Schülern ermöglichen, ein warmes Mittagessen einzunehmen.“ Die Schule gab letztlich klein bei. Titus darf in der Mensa zu Mittag essen. Boris von Deringer ärgert sich dennoch und sagt im RZ-Gespräch: „Unser Fall wurde nicht etwa zum Anlass genommen, das bisherige Konzept zu überdenken. Stattdessen wurden die Vertragsformulare geändert. Die bürgerfeindliche Lösung also.“

    Auch Dreifach-Mutter Inka Edelmann ist unzufrieden mit der derzeitigen Situation. Unserer Zeitung sagt sie: „Wir hätten unsere Tochter an der Betreuenden Grundschule angemeldet – wenn es dort Mittagessen gäbe.“ So aber muss Tochter Maya bis Punkt 16 Uhr an der Schule bleiben. Früher abgeholt werden darf sie aus versicherungstechnischen Gründen nicht, ärgert sich die Mutter. Das führe dazu, dass Maya jeden Mittwoch zu spät zum Ballettunterricht komme. Edelmann resümiert: „Ich bin keine Mutter, die zu jedem Elternabend rennt. Aber so grundlegende Sachen sind mir wichtig.“ Das sieht Sabrina Grass ähnlich, betont aber: „Uns ist nicht daran gelegen, der Schule eins reinzuwürgen.“ Sie wünsche sich lediglich eine Lösung. Doch daran scheint auch die Schulleitung kein Interesse zu haben. Der RZ sagte Direktorin Dagmar Friedrich, sie habe der Stellungnahme der Stadt nichts hinzuzufügen.

    Von unserem Reporter Eugen Lambrecht

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