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Koblenz

Das weltweite Netz hat Grenzen: Koblenzer Umzugsfirma hat Probleme

Doris Schneider

Die Blicke der Mitarbeiter gehen gen Himmel, wenn sie morgens zur Arbeit kommen. Denn wenn es schneit, stark regnet oder stürmt, kann es sein, dass sie nichts zu tun haben. Dann ist ihre Firma, das Umzugsunternehmen Erben, möglicherweise telefonisch nicht erreichbar. Das alles passiert nicht in einem alten Gebäude, das technisch längst überholt werden müsste, sondern im Neubau in der Straße „Im Sinderfeld“, unweit der Autobahn. Und Erben ist nicht die einzige Firma im Gewerbegebiet, die Probleme hat. Kein Witz.

Zum Lachen ist Christian Krey, dem Geschäftsführer des Unternehmens, auch kein bisschen zumute, als er die Geschichte erzählt. Denn die Auswirkungen sind ernst. Ob und, wenn ja, wie viele Kunden dem Unternehmen wegen der schlechten Erreichbarkeit verloren gehen, kann man nicht sagen. „Aber wir bekommen regelmäßig Mails, in denen steht, man habe uns telefonisch nicht erreicht“, sagt Krey. Er merkt es auch selbst: Das Telefon klingelt viel seltener als in der Carl-Spaeter-Straße.

Die Internetverbindungen im Gewerbegebiet gegenüber dem Autohof sind miserabel. Oft fällt deswegen auch das Telefon aus, berichtet Christian Krey, Geschäftsführer der Firma Erben.
Die Internetverbindungen im Gewerbegebiet gegenüber dem Autohof sind miserabel. Oft fällt deswegen auch das Telefon aus, berichtet Christian Krey, Geschäftsführer der Firma Erben.
Foto: Doris Schneider

Bis Ende September hatte Erben mit seinen etwa 30 Mitarbeitern dort seinen Sitz. Doch die Halle hätte komplett modernisiert werden müssen, und da war ein Neubau in der Straße hinter Amazon und dem Tierheim nicht teurer. Dass es in dem Gewerbegebiet, zumindest in dem hinteren Teil, fast nicht möglich ist, eine gut funktionierende Internetverbindung zu bekommen, das wussten die Verantwortlichen nicht. „Und es geht hier nicht darum, ein bisschen langsamer oder schneller zu surfen“, sagt Geschäftsführer Krey merklich genervt. „Es geht wirklich um die Grundversorgung. Wir bekommen hier keinen analogen Telefonanschluss, müssen also auch über Internet telefonieren.“ Außerdem: Die Firma ist auch auf ihre Software angewiesen, wenn sie Kundenwünsche bearbeiten will. Da geht oft minutenlang gar nichts.

Im Gewerbegebiet quasi gegenüber vom Autohof stehen einige Neubauten – aber sie haben kaum Möglichkeiten, mit neuer Technik zu arbeiten.
Im Gewerbegebiet quasi gegenüber vom Autohof stehen einige Neubauten – aber sie haben kaum Möglichkeiten, mit neuer Technik zu arbeiten.
Foto: RZ-Grafik

Nachdem es über Monate trotz aller Bemühungen nicht möglich war, einen vernünftigen Anschluss durch die Telekom legen zu lassen oder sich an einen bestehenden Kasten anzuschließen, haben die Mitarbeiter von Erben nun eine provisorische Lösung gebastelt. Mit einer Antenne auf dem Dach, einem Richtmikrofon unter der Hallendecke und einer Funkverbindung, die eigentlich für einen Privathaushalt taugen würde, sind sie erreichbar. Meistens. Aber nicht zuverlässig.

Das Problem ist bei der Stadt natürlich bekannt, sagt Thomas Hammann, Leiter der Koblenzer Wirtschaftsförderung. Das Gewerbegebiet stammt aus den 90er-Jahren, wurde lange nicht besiedelt. Die vier Firmen inklusive der Erben GmbH (zwei weitere kommen noch), die jetzt dort sind, haben alle mehr oder weniger große Probleme mit dem Internet. Aber obwohl die Stadt ständig im Kontakt mit der Telekom ist, wie Hammann versichert, konnte sie bisher noch nichts ausrichten. „Wir haben da keine Handhabe“, sagt Hammann. Und obwohl die Nutzer es anders empfinden, wenn sie ein Gewerbegrundstück von der Stadt kaufen, so ist diese für die Anbindung ans Internet auch nicht zuständig.

Hilfe für die Firma Erben und die anderen in dem Gebiet angesiedelten Unternehmen könnte dennoch in Sicht sein: Es gibt aktuell eine Reihe Unternehmen, die sich dort oben gern ansiedeln wollen. Entschieden ist über die geplante Erweiterung des Güterverkehrszentrums zwar noch nicht, aber die Stadt hat bei der Telekom nach den Aussichten für eine Anbindung gefragt. Antworten werden bis spätestens Anfang Februar erwartet – dann kommt vielleicht Bewegung in die Sache.

Von unserer Redakteurin Doris Schneider

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