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Koblenz

Bohnen-Haus ist Geschichte: Graffiti-Künstler gestaltet Fassade mit Frauenporträt

Doris Schneider

Jeder kannte diesen Slogan: „Willst du deine Möbel schonen, ziehe aus und ein mit Bohnen.“ An dem hohen Haus, das von der Balduinbrücke aus gut zu sehen ist, ist der Schriftzug übermalt. Dort wird gerade die Fassade vorbereitet für ein spektakuläres Kunstwerk: Koblenz bekommt ein neues Gesicht.

„Willst du deine Möbel schonen, ziehe aus und ein mit Bohnen.“ Dieser Schriftzug ist Geschichte.
„Willst du deine Möbel schonen, ziehe aus und ein mit Bohnen.“ Dieser Schriftzug ist Geschichte.
Foto: privat

Ein Gesicht, das der Bendorfer Künstler Hendrik Beikirch entworfen hat und das er auch selbst aufbringen wird, vermutlich in der zweiten Augustwoche. Der Streetart- und Graffitikünstler hat schon viele riesige Porträts auf viele Fassaden in der ganzen Welt gemalt. Nun kommt ein Frauengesicht nach Koblenz. Wie es genau ausschaut, weiß im Moment nur Beikirch.

Die Fassade am Bohnen-Haus ist schon vorbereitet, das Kunstwerk kann kommen: Hier an dieser exponierten Stelle entsteht ein riesiges Frauenporträt von Hendrik Beikirch.
Die Fassade am Bohnen-Haus ist schon vorbereitet, das Kunstwerk kann kommen: Hier an dieser exponierten Stelle entsteht ein riesiges Frauenporträt von Hendrik Beikirch.
Foto: Sascha Ditscher

Jedenfalls wird es kein makelloses Modelgesicht sein, denn genau darum geht es: Hendrik Beikirch porträtiert Menschen, die echt sind, Menschen, die etwas erlebt haben. Und er nutzt seine Bilder, um auf Missstände hinzuweisen: „Seine Werke bestechen oft durch riesige Ausmaße, eine außergewöhnliche Bildsprache und durch die sozialkritischen Aussagen, die er mit seinen Bildern macht. Im August 2012 schuf er in Südkorea in Busan das 70 Meter hohe Porträt eines Fischers. Viele Fischer wurden aus dem Hafen in Busan vertrieben, da neue Hochhäuser gebaut wurden“, heißt es im Internetlexikon Wikipedia über den 44-Jährigen, der unter anderem in Koblenz Kunstpädagogik studiert hat, dort lebt und in der ganzen Welt arbeitet. Derzeit ist er auf Reisen irgendwo zwischen New York und Marrakesch und hat sich bisher auf E-Mails der RZ nicht gemeldet.

Hendrik Beikirch, geboren 1974 in Kassel, wird auf Wikipedia als „deutscher Graffiti- und Streetart-Künstler“ beschrieben, der Schwarz-Weiß-Porträts auf Fassaden, Leinwände und Papier malt. Seit Mitte der 1990er-Jahre ist er ein fester Begriff in der Graffiti- und Streetart-Szene. „Seine Werke bestechen oft durch riesige Ausmaße, eine außergewöhnliche Bildsprache und durch die sozialkritischen Aussagen“, heißt es weiter. Nun wird auch bald in Koblenz ein Beikirch „hängen“.
Hendrik Beikirch, geboren 1974 in Kassel, wird auf Wikipedia als „deutscher Graffiti- und Streetart-Künstler“ beschrieben, der Schwarz-Weiß-Porträts auf Fassaden, Leinwände und Papier malt. Seit Mitte der 1990er-Jahre ist er ein fester Begriff in der Graffiti- und Streetart-Szene. „Seine Werke bestechen oft durch riesige Ausmaße, eine außergewöhnliche Bildsprache und durch die sozialkritischen Aussagen“, heißt es weiter. Nun wird auch bald in Koblenz ein Beikirch „hängen“.
Foto: Archiv Dorothea Müth

Dass Beikirch jetzt quasi zuhause arbeiten wird, ist vor allem der Initiative des Koblenzer Frauennotrufs zu verdanken. Denn ein ganz großes Anliegen der Beraterinnen ist – neben der immens wichtigen Arbeit mit Frauen, die Gewalt erfahren haben – die Prävention. Und dazu gehört auch, dass Frauen nicht mehr als schmückendes Beiwerk gesehen werden, wie es noch immer häufig passiert, sondern als Subjekte wahrgenommen werden. Die Idee zu einem riesigen Kunstwerk ging denn auch von den Notruffrauen aus, berichtet Franziska Godlewsky. Und ab da ging zwar viel Zeit ins Land, aber im Grunde klappte alles wie am Schnürchen: Das Bohnen-Haus, das die Beraterinnen als perfekte Leinwand ansehen, weil es so exponiert an einer der Hauptzufahrtsstraßen steht, wurde von den Eigentümern dafür freigegeben. Die Kosten bleiben vor allem deshalb im Rahmen, weil der Künstler dem Frauennotruf das Bild schenkt. „Oder besser gesagt: allen Frauen in der Stadt“, sagt Franziska Godlewsky.

Geld spielt natürlich trotzdem eine Rolle, und eine Institution wie der Notruf, der Jahr für Jahr von Spenden abhängig ist und um das nackte Überleben kämpft, hat keinen Cent zu verschenken. Das, was jetzt benötigt wird zur Vorbereitung der Fassade und für den Hubsteiger, den Beikirch benötigt, wenn er voraussichtlich ab dem 8. August arbeitet, kommt über Spenden zusammen. Obwohl die Kosten noch einmal gestiegen sind, hoffen die Notruffrauen, dass alles gut läuft. Vielleicht gibt es ja auch noch den einen oder anderen, der den Künstler bei der Arbeit sieht und noch ein paar Euro spenden will. Oder der die Arbeit des Notrufs darüber hinaus noch unterstützen möchte.

So arbeitet Beikirch: Ein Porträt eines Fischers ist seit 2012 auf einem Hochhaus in Südkorea zu sehen, wie die RZ damals berichtete.
So arbeitet Beikirch: Ein Porträt eines Fischers ist seit 2012 auf einem Hochhaus in Südkorea zu sehen, wie die RZ damals berichtete.

Dass das Kunstwerk in der Lage sein wird, etwas zu verändern, davon ist Franziska Godlewsky zutiefst überzeugt. Vor den Ferien hatte sie beispielsweise Kontakt zu einer Fotografenklasse an der Berufsbildenden Schule. Die angehenden Fotografen werden die Entstehung des riesigen Frauenporträts begleiten. Und schon bei der Planung haben sich spannende Diskussionen über das noch immer herrschende Frauenbild ergeben, berichtet Franziska Godlewsky, und ihre Kolleginnen sind ganz glücklich. Es tut sich was.

Von unserer Redakteurin Doris Schneider

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