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    Vallendar

    Bett und Wohnung in Vallendar angezündet: Fast fünf Jahre Haft für Täter

    Er war von seinem Leben so gefrustet, dass er sich zu einer völlig sinnlosen Tat entschloss: Ein Asylbewerber (41) zündete im Zentrum von Vallendar sein Bett an - dann setzte er sich vor sein Haus, rauchte eine Zigarette und guckte zu, wie die Flammen aus einem Fenster schlugen.

    Das Haus in der Hellenstraße 29 in Vallendar. Links unten wohnte der Brandstifter, eine Etage höher der zweite Bewohner. Der Schaden beträgt rund 150 000 Euro.
    Das Haus in der Hellenstraße 29 in Vallendar. Links unten wohnte der Brandstifter, eine Etage höher der zweite Bewohner. Der Schaden beträgt rund 150 000 Euro.
    Foto: Sascha Ditscher

    Von unserem Redakteur Hartmut Wagner

    Zu einem Polizisten sagte er: "Ich bin irre!" Zu Passanten: "Es brennt! Mir egal! Nehmt mich fest!" Zeitgleich kletterte der zweite Hausbewohner (41) in Panik aufs Dach und wartete auf die Feuerwehr.

    Der Asylbewerber verübte seine perfide Tat im Oktober 2013. Jetzt hat ihn das Landgericht Koblenz unter anderem wegen schwerer Brandstiftung zu vier Jahren und neun Monaten Haft verurteilt. Richter Michael Benzel sagte zu ihm am zweiten Prozesstag: "Sie hatten unheimlich viel Glück! Das war ganz knapp!" Sein Glück war, dass die Feuerwehr den Brand schnell löschen und den Hausbewohner vom Dach retten konnte. Wenn es Verletzte oder Tote gegeben hätte, hätte er eine deutlich höhere Strafe bekommen.

    Der Mann stammt aus einem Dorf in Jordanien - gut 3000 Kilometer von Vallendar entfernt. 1997 verließ er seine Großfamilie, kam nach Deutschland und beantragte Asyl. Er gab einen falschen Namen an, ein falsches Geburtsdatum und Geburtsland. Sein Asylantrag wurde abgelehnt. Doch man schob ihn nie ab, da ihn kein Land aufnehmen wollte. Er beantragte bei den jordanischen Behörden einen Ausweis, um ausreisen zu können. Aber er erhielt keinen. Er kam nach Vallendar, durfte nicht arbeiten, lebte von staatlichen Leistungen, jobbte schwarz in mehreren Pizzerien.

    Der Jordanier lebt seit 17 Jahren in Deutschland. Er spricht gebrochen Deutsch, fühlt sich als "Deutschländer". Er konnte aber nie richtig Fuß fassen - und verübte Straftaten. Bereits 2005 verurteilte ihn das Landgericht wegen Handels mit Kokain und gefälschten Ausweisen zu dreieinhalb Jahren Haft.

    Der Mann bewohnte in Vallendar das Haus in der Hellenstraße 29 - es besteht fast nur aus Holz. Am 2. Oktober 2013 gegen Mitternacht zündet er sein Bett an, verbarrikadiert eine Wohnungstür mit Möbeln, die andere schließt er ab - wohl um der Feuerwehr das Löschen zu erschweren. Als er vor dem Haus eine Zigarette raucht, bemerkt der zweite Hausbewohner den Brand. Der reißt die Tür zum Treppenhaus auf, blickt in eine Wand aus heißem Qualm. Er läuft zum Fenster, aus dem ersten Stock schlagen Flammen herauf. Er steigt in den Speicher, öffnet eine Dachluke, klettert bis zur Hüfte ins Freie und wartet. Da kommt ein Feuerwehrmann über eine Leiter, klettert mit ihm nach unten.

    Der Brandstifter bezeichnete sich in der Tatnacht als irre. Doch laut einem Psychiater ist das nicht ernst zu nehmen: "Wer geisteskrank ist, nimmt das selbst gar nicht wahr." Der Mann sei durchschnittlich intelligent und psychisch unauffällig.

    Gemäß dem Urteil nahm der Brandstifter den Tod des zweiten Hausbewohners in Kauf, brachte ihn aber nicht in konkrete Lebensgefahr. Trotzdem betonte der Richter die Gefährlichkeit des Feuers: "Im Mittelalter sind wegen so etwas ganze Städte abgebrannt." Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

    Vallendarer Brandstifter: Ich bin irre! Brandstiftung in Vallendar: Mitbewohner flüchtete sich aufs DachEigene Wohnung in Vallendar angezündet: 39-Jähriger verhaftet [Update]
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