40.000
Aus unserem Archiv
Lay

Bald geht's wieder über die Mosel: Layer Fähre hat einen neuen Pächter

Ein Jahr lang stand sie still, doch demnächst könnte die Layer Fähre aus ihrem Dornröschenschlaf erwachen: Denn die Stadt hat einen neuen Pächter gefunden – Ralf Leurs hat den Zuschlag erhalten.

Von unserer Reporterin
Agatha Mazur

In winddichter Jacke steht der 43-Jährige auf der Fähre. Noch ist sie nicht in Betrieb, dennoch lässt er einmal die Woche den Motor an, damit nichts einrostet. Noch ist der gelernte Kfz-Mechaniker nicht offizieller Fährmann: Er muss erst das Fährpatent erwerben. Das ist eine Prüfung, die Leurs am 1. Februar ablegen wird.

Seit gut einem halben Jahr lernt der Layer nun für die Prüfung, er muss Schiffsfahrtzeichen lernen, Funknummern parat haben. Das hat er sich einfacher vorgestellt, muss der 43-Jährige schmunzelnd zugeben. Aber da er praktisch auf dem Wasser groß geworden ist, wird er auch das meistern. Bereits sein Vater und Großvater haben auf der Fähre gearbeitet. Der Großvater von 1959 bis 1975, der Vater, bis die Kurt-Schumacher-Brücke eingeweiht worden ist.

Ralf Leurs wollte früher nie Fährmann werden, man habe ja kein Wochenende und kaum freie Tage. Aber nun freut er sich auf den Job: „Ein bisschen Herzblut hängt ja schon dran.“ Passenderweise hat er am 1. Februar Geburtstag – erhält er das Fährpatent, wird es sein schönstes Geburtstagsgeschenk.

Ortsvorsteher Jörg Kreuser geht davon aus, dass die Fähre pünktlich zum Saisonbeginn am 1. April ihren Dienst aufnehmen kann. Die Fähre hat mehr als 80 Jahre auf dem Buckel und muss noch instand gesetzt werden, bevor sie wieder über die Mosel schippern kann. Damit die Fähre den „Schiffs-TÜV“ bestehen kann, ist die Stadt Koblenz bereit, 63 500 Euro zu zahlen. Das Geld ist im Haushalt bereitgestellt. Doch das ist nur der städtische Zuschuss für die Fahrerlaubnis, die alle fünf Jahre erteilt wird. Darüber hinaus schießt die Stadt Koblenz ungefähr 30 000 Euro zum laufenden Betrieb hinzu – pro Jahr.

Das ist eine ganze Menge Geld. Und so sehr sich Ortsvorsteher Kreuser auch freut, dass der Fährbetrieb für die kommenden fünf Jahre gesichert ist, sieht er es realistisch: „Günstiger wird es auch nicht.“ Gerade Reparaturkosten schlagen zusätzlich zu Buche: Die haben auch schon einmal 70 000 Euro in einem Jahr betragen.

Doch Kreuser hält an der Fähre fest: Einige Winzer haben auf der anderen Moselseite ihre Weinberge und nutzen die Fähre, um überzusetzen. Einer davon ist Hans Mader. Als die Fähre im vergangenen Jahr nicht fuhr, musste er den Umweg über die Brücke in Kobern oder die Kurt-Schumacher-Brücke in Kauf nehmen. Es hilft ja nichts, sagt der Winzer, der unter anderem in Güls und Winningen Wein anbaut. Er freut sich selbstverständlich, dass der Betrieb wieder aufgenommen wird. Zwei bis dreimal die Woche nutzt er die Fähre in der Saison, schätzt Mader.

Die Layer Fähre nutzen neben Winzern vor allem Radfahrer und Fußgänger. Doch in den kommenden Jahren wird die Zielgruppe der Radfahrer und Fußgänger vermutlich schrumpfen – und die Fähre möglicherweise überflüssig machen. Denn: Der Ausbau des Rad- und Gehwegs auf Layer Seite rückt in greifbare Nähe, sodass Radtouristen nicht mehr die Moselseite wechseln müssen. Nach der aktuellen Planung soll der Radweg auf einer Breite von 2,50 Meter auf der Flussseite von Moselweiß bis Lay führen. Auf einer Länge von knapp drei Kilometern wird der Weg direkt am Ufer verlaufen; zum Teil über Randbalken und Kragarme – und von der Fahrbahn getrennt.

Das Planfeststellungsverfahren des Landesbetriebs Mobilität (LBM), das eigentlich schon vor Monaten beginnen sollte, läuft Anfang Januar an, informiert Ortsvorsteher Jörg Kreuser. Die Pläne, wie der Weg entlang der B 49 verlaufen soll, werden offengelegt. Betroffene Bürger haben die Möglichkeit, Anregungen, aber auch Einwände einzubringen. Kreuser rechnet allerdings mit Zustimmung und konstruktiven Vorschlägen. Die Planung wurde bereits einmal umgeworfen: Damals haben mehrere Winzer ihre Bedenken vorgebracht.

Was heißt das für die Fähre? Wenn in einigen Jahren der Rad- und Gehweg fertiggestellt ist, wäre ein ihr möglicher Verlust besser zu vertragen als heute, sagt Jörg Kreuser.

Koblenz
Meistgelesene Artikel
Anzeige
Online regional
Nina Borowski

Nina Borowski

Regio-CvD Online

 

Mail

epaper-startseite
Wetter
Dienstag

-3°C - 6°C
Mittwoch

-3°C - 5°C
Donnerstag

-5°C - 4°C
Freitag

-7°C - 3°C
News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
Bildergalerie: Fotos unserer Leser
Kaiser Wilhelm und Seilbahngondel bei Sonnenuntergang. Die Aufnahme machte Thorsten Kolb aus Zirl im Spätsommer bei Sonnenuntergang an der B42 in Ehrenbreitstein.

Mit der Kamera an Rhein und Mosel unterwegs: Hier zeigen wir die schönsten Fotos unserer Leser. Zusenden per E-Mail.

Serie: Koblenzer Stadtgeschichte
Koblenzer Stadt-Geschichten

Redakteur Reinhard Kallenbach greift historische Begebenheiten der Stadt auf

Anzeige